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Mysteryhorror aus Asien, das hieß in letzter Zeit zu oft, dass alleinstehende junge Frauen es in unheimlichen Großstadtbauten mit unerklärlichen Kräften zu tun bekommen. „R-Point“ ist da endlich mal eine erfrischende Ausnahme. Die Idee Krieg mit Grusel zu kombinieren, ist seit „The Bunker“ und „Deathwatch“ nichts Neues mehr, wird hier jedoch ähnlich solide umgesetzt.

Im Jahre 1972 ist der Vietnamkrieg noch im vollen Gange - jedenfalls für die meisten. Auf einer abgelegenen Insel ist gleich ein ganzes Team verschütt gegangen. Einen einzigen Überlebenden konnte man von dort noch bergen. Als dann jedoch plötzlich merkwürdige Funksprüche der verloren geglaubten Gruppe durch den Empfänger rauschen und der letzte, schwer verletzte Überlebende mit der Wahrheit rausrückt, offenbart sich Ungeheuerliches...

Zunächst ist „R-Point“ ein reinrassiger Kriegsfilm. Der Grusel soll sich erst im Verlauf einstellen. Da haben wir schicksalhafte Puffbesuche, verkleidete Vietkongs und eine Truppe mehr oder weniger mutiger Soldaten, die sich aufmacht, das Verschwinden einer ganzen Einheit aufzuklären. Der Dschungel als Kriegs- und Horrorschauplatz ist endlich mal eine Abkehr von standardisierten Schauplätzen und wirkt sich positiv auf die Atmosphäre aus.

Nach einem kurzen Scharmützel mit einer widerspenstigen Koreanerin (Wir ahnen’s..) und der Begutachtung einer nicht gerade verheißungsvollen Inschrift, entdeckt die Gruppe mitten im Nirgendwo ein verlassenes Krankenhaus. Laut einer kurz vorbeischauenden U.S.-Truppe gehörte sie den Franzosen (Die haben da ja vor den Amis eins auf den Sack bekommen) und irgendwas Unheimliches geht in der Hütte ab. Also nicht nur der Vietcong, auf den man Acht geben muss?

Hier geht dann des Nachts auch das Gruseln los. Und zwar überraschend effektiv, weil die nebelverhangenen, dicht und hoch bewachsenen Feld ringsherum alles andere als einen einladenden Eindruck vermitteln, das verkommene Haus bald zum Spukkomplex der ersten Adrenalingüte verkommt und Schock an Schock geknüpft wird. Halluzinationen und Erscheinungen folgen Angstzuständen. Unter dem sich aufbauenden psychischen Druck brechen die Soldaten langsam zusammen und schließlich kommt es zu den ersten Tragödien.

Tag und Nacht passiert allerlei Unerklärliches. „R-Point“ setzt weniger auf plakative Effekte, denn auf viele Andeutungen, die kaum etwas Preis geben. Dabei tun sich dann auch allerlei Logikfragen auf, die der Film bis zum Schluss nicht beantworten kann. Atmosphärisch ist dieser Kriegsgruseler allerdings trotzdem. Sein Problem ist die stagnierende Dramaturgie, denn die Schock-Frequenz ist hoch, kommt nur zu keinem Höhepunkt. „R-Point“ offenbart in der zweiten Hälfte leider deutlich Ziellosigkeit, um dann recht schroff zu einem konsequenten, dann auch wieder etliche Fragen aufwerfenden, Ende umzuschwenken.

Dabei ist dem Film vor allem innovativ kein Vorwurf zu machen. Das Szenario ist neu und die Inszenierung ist frei jeglicher Gewohnheiten. Die Kameraführung glänzt durch ihre Beweglichkeit, der sparsame Ton sorgt für Beklemmung.
Zudem spielen die Darsteller auf dem gewohnten Spielfilm-Niveau der letzten Südkorea-Exporte. Leider werden sie in den zu häufigen Streitereien untereinander aufgerieben.


Fazit:
Atmosphärischer und erfrischend anderer Gruselexport aus Südkorea, der mit seinem Kriegsschauplatz etwas Neues ins Genre mit einbringt. Ist dem Film in inszenatorischer Hinsicht nichts vorzuwerfen, so offenbaren sich in der zweiten Hälfte doch einige narrative Schwächen, die wiederum etliche Fragen aufwerfen, die nie geklärt werden. Aber so ist es nun mal, wenn das Unerklärliche über den Bildschirm spuckt. Also nicht zuviele Gedanken machen...

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