In „Payback“ begibt sich Mel Gibson auf einen mit schwarzem Humor gespickten Rachefeldzug.
Porter (Mel Gibson) ist kein netter Mensch, wie gleich der Beginn des Films zeigt. Kaum von diversen Schusswunden genesen, beschafft er sich Geld, indem er einen Bettler bestiehlt und einem Anzugträger die Kreditkarte entwendet. Und trotzdem kommt Porter dabei unheimlich cool rüber, denn seine kaltschnäuzige Art wirkt einfach cool – zumal auch die anderen Personen nicht die nettesten sind (der Bettler täuscht z.B. vor nicht mehr gehen zu können, obwohl er kerngesund ist).
Als nächstes sucht Paul seine Ehefrau auf – die drogensüchtige Lynn (Deborah Kara Unger). Sie ist zum großen Teil Schuld an seiner Misere und sie schoss ihm auch in den Rücken. Denn sie und Mels Partner Val Resnick (Gregg Henry) hintergingen ihm nach einem gelungenen Coup und hielten ihn für tot. Lynn gibt sich den goldenen Schuss, ehe Porter Vals Versteck von ihr erfahren kann. War Porter schon alles andere als ein strahlender Held, so merkt man doch, dass er in gewisser Weise das geringste Übel ist: Die meisten anderen wichtigen Charaktere sind noch fieser und Porter hat dabei wenigstens noch Prinzipien.
Der Zufall hilft Porter und er kann den vorbeikommenden Drogenkurier seiner Frau durch Rausreißen eines Nasenpiercings dazu überreden, ihm Hinweise zu geben. Porter will nämlich Rache – und den Anteil, der ihm aus dem Coup zusteht: 70.000 Dollar. Doch die Wiederbeschaffung des Geldes gestaltet sich alles andere als einfach oder gar friedlich…
„Payback“ ist ein Mix verschiedener Genres, wobei der Film wohl in erster Linie dem Thriller zuzuordnen ist – quasi ein hundsgemeiner Film Noir. Hochspannend ist das Ganze zwar nicht, aber trotzdem lässt Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland keine Langeweile aufkommen, wenn Porter die Stadt nach seiner Knete abgrast, dabei wenig subtil vorgeht und alle Seiten gegeneinander ausspielt. Ein paar nette Wendungen gibt es auch, nur überraschen tun sie selten. Allenfalls die Qualen, welche der Held hier teilweise erleiden muss, kann man kaum vorausahnen. Doch das Ganze ist stimmig in düsteren, grau-blau gehaltenen Bildern erzählt und besitzt genau das richtige Tempo, um den Zuschauer zu fesseln.
Action gibt es auch, diese ist aber passend zum Thema des Gangsterkrimis nicht übermäßig spektakulär. Stattdessen gibt es kleine Auseinandersetzungen mit den Fäusten oder Schießereien. Sicherlich bietet dies kaum neues, aber die Inszenierung ist ordentlich und auch in den Actionszenen kommt die herrliche Hinterhältigkeit von „Payback“ zum Tragen, z.B. als Porter einen Gegner als Kugelfang benutzt oder mit kleinen Tricks eine chinesische Hit Squad dezimiert.
Genau dieser fiese Humor ist auch das Besondere an „Payback“. Zwar hat Porter auch seine Prinzipien und kann zu einer handvoll Leute nett sein, aber in erster Linie sind alle Charaktere hier Schlitzohren. Dementsprechend böse ist auch der Humor, der dem doch recht brutalen Geschehen einen absurden Touch verleiht, vor allem wenn Porter immer wieder betont, dass er den ganzen Zirkus für ’nur’ 70.000 veranstaltet und nicht mehr möchte, als ihm zusteht. Doch wer sich bei absolut fiesen Gags amüsieren kann, der hat hier seinen Spaß über die komplette Filmlänge hinweg.
Trotz der Werbezeile „No More Mr. Nice Guy“ und seines rüden, überzeugenden Auftretens: Auch hier ist Mel Gibson dem Zuschauer sympathisch wie eh und je, weshalb man ihm vor allem Porters gute Seiten schnell abkauft. Als Altgangster kommen Kris Kristofferson und James Coburn mal wieder zu Ehren, David Paymer gibt einen überzeugenden Schmieriack ab und Maria Bello als Prostituierte mit Herz darf den einzig wirklich guten Charakter darstellen. Deborah Kara Unger ist zu schnell weg vom Fenster, um wirklich etwas über ihre Performance zu sagen, während Lucy Liu rein als komödiantische Nebenrolle in dem Film ist. Doch sie hat sich sichtlich Spaß an ihre Rolle als übereifrige Domina mit kriminellen Ambitionen. Auch der Rest des Ensembles spielt sehr gut aufgelegt und bietet noch ein paar bekannte Gesichter.
Vor allem dank des total zynischen Humors und der fiesen Art kann „Payback“ überzeugen, auch wenn die Story selten wirklich zu überraschen weiß.