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Was sich als Inhaltsangabe wie ein stinknormaler Gangsterfilm anhören mag, gibt bei Ansicht ungeahnte Qualitäten preis. Brian Helgelands Verbeugung vor der schwarzen Serie und harter 60er-Ware wie „Point Blank“ ist eine staubtrockene Revenge-Story aus dem Killermilieu, die ständig zwischen grimmigen Gewaltausbrüchen und verblüffend schwarzem Humor hin- und herpendelt und sich ausnahmsweise mal nicht an den Tarantinostil anhängt.

„Hardboiled“ ist wohl die gängige Genrebezeichnung und genauso verhält sich auch Mel Gibsons Hauptfigur Porter, nachdem er nach einem Überfall von seinem Partner und seiner Frau Lynn zwei Kugeln in den Rücken bekommt. Doch das bringt ihn eben nicht um, sondern vielmehr zu dem Entschluß, daß er zumindest seinen Anteil an dem Geschäft, nämlich 70.000 Dollar wiederhaben möchte.
Das Erreichen dieses Ziels bestimmt den Film und bringt die ganzen komödiantischen Elemente erst so richtig zum Tragen.
Da wäre einmal das stoische Hinnehmen so ziemlich jeder Schwierigkeit und sei sie noch so mörderisch, um diesen Anteil wiederzubekommen. Und das führt wiederum dazu, daß er sich mit immer höheren Instanzen anlegen muß, denn das Geld ist an ein Syndikat gegangen und notgedrungen schießt sich Porter immer höher.
In der Gegenrichtung funktioniert das jedoch nicht so recht, weil keiner der Gangsterbosse glauben will, daß jemand für so einen kleinen Betrag so einen Aufwand betreiben würde und so entscheiden sie sich stets immer für die Beseitigung des Störenfrieds, der sich jedoch als belastbarer und zäher erweist.

Hineingestrickt sind ein paar wunderbar Gibsonsche Dialoge, ein kitschfreie und dennoch gefühlvolle Liebesgeschichte und ein paar korrupte Bullen, die ebenfalls in der Kiste mitmischen möchten.
Porter handelt dabei nach lutherschem Prinzip (mit leichten Änderungen): ich gehe hier, ich kann nicht anders – und was trotzdem in den Weg tritt, muß er leider zur Seite räumen, wenn es nicht freiwillig geht – was dauernd passiert, da ihn niemand ernst nimmt.

Und trotz dieser Ironie (und der extrem unterhaltsamen Einstreuung von Lucy Liu als schlagfreudiger Domina) bleibt der Film verblüffend roh und direkt, bisweilen sogar schmerzhaft brutal. Da wird kurz und bündig gekillt, da werden Frauen verprügelt und Gibson sogar fast komplett zu Brei geschlagen, da wird gesprengt und geballert nach Herzenslust und dennoch paßt das ganz unselbstzweckhaft zu der Geschichte.

Angesiedelt ist das alles in einer Art Scheinvergangenheit, die mit vielen Requisiten an die 40er oder 50er erinnern möchte, mit anderen jedoch der relativen Gegenwart verhaftet bleibt. Zu diesem halben Retrolook passen auch die ausgebleichten Bilder mit dem Blaustich, die die trübe Grundstimmung betonen ohne sie gänzlich zu entfärben.

Wer also auf die alten Detektiv- oder Gangsterdramen steht, schön old-school und mit ordentlich Power und Witz dahinter, darf sich hier ruhig vergnügen, auch wenn die Zielgruppe wohl eher männlich ist. Ein Wunder überhaupt, das so etwas noch gedreht worden ist. (8/10)

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