Review

Wohl noch die mit die einzige Chance auf einer kleinen Kinodarbietung, die Filmemacher David A. Prior mit diesem erstmals für New Line Cinema als Production Company (neben Southern Star Studios) tätigen Finanzier und der folgenden Unterstützung erhoffen konnte. Neben einem Limited Release in Italien ist ein weiteres Spiel auf den großen Leinwänden allerdings nicht bekannt, wurde der Titel sowohl im Heimatland der USA als auch bspw. in Deutschland als Videopremiere und damals damit auch noch mit wohl besseren Möglichkeiten für das Einspiel des (weiterhin gemäßigten) Budgets arretiert. Die frühen Neunziger als mit die Hochphase der Ausleih- und Abspielstätten, in dem die Nachfrage nach dem Mehr jetzt gerade da und der Durst nach weiteren Produktionen noch viel stärker als eine Sättigung wie Heutzutage überhaupt spürbar war.

Felony
dabei als typischer mäßiger Vertreter dieser besonderen Zeit, in der Prior sich von seinem Denken und Schaffen her auch für eine Weile erneut umlenkte, die obskuren Vietnamanalogien und die Horrrorwerke für einen Moment auf die Halde legte und einen vollen Schritt auf den begierigen Mainstream zuging. Der Hebel waren dabei die Actionthriller, die mit (für seine Verhältnisse) mehr Stars bzw. tatsächlich bekannten Namen gespickt und entsprechend im Marketing auf die Aufmerksamkeit des Publikums gestaltet waren; die versucht mit hitchcockianischen Themen spielenden Raw Nerve (1991), Center of the Web (1992), Double Threat (1993), Raw Justice (1994) und eben Felony, in denen man nicht mehr durch den Dschungel auf der Spur seiner Dämonen, sondern in den Großstädten – bzw. in Mobile, Alabama – auf die Fährte von Thrill und Suspense ging:

Bei einer lange geplanten Polizeirazzia, die vom Fernsehteam durch Bill Knight [ Jeffrey Combs ] und Robby [ Patrick F. Gallagher ] begleitet und gefilmt wird, läuft ein SWAT-Team inmitten in eine von Cooper [ David Warner ] gestellte Falle hinein, die anschließend 12 Tote Gesetzeshüter, mehrere Verletzte und ein explodiertes Haus zur Folge hat. Auf den gemachten Bildern erhofft sich der New Orleans Polizist Chief Edwards [ Red West ] den Täter und die Abfolge des Massakers zu erkennen, muss aber feststellen, dass dieses von den Reportern ausgetauscht wurde, um eigens die Schlagzeilen zu bedienen. Während Bill noch im Krankenhaus und dort unter Aufsicht der hübschen Schwester Laura Bryant [ Ashley Laurence ] weilt, wird Robby von den Schergen des das Oberkommando habenden Taft [ Lance Henriksen ] bereits gejagt. Die ermittelnden Polizisten Detective Kincade [ Leo Rossi ] und Detective Duke [ Charles Napier ] versuchen sich derweilen an Bill zu halten, der mit dem mysteriösen Donovan [ Joe Don Baker im Cowboyoutfit ] auch noch ein seltsamen Begleiter, unwissend ob nun Schutzengel oder doch Zwischenhändler des Todes, erhält.
 
Dass hier erstmals und auch nur für einen kleinen Zeitraum des Schaffens von Prior Geld in mehr Relation als üblich vorhanden ist, sieht man an einer prompten Bewegung des Filmes, der eben nicht auf der Stelle steht und sich im Dialog ergeht, sondern tatsächlich am Fließen ist. Kommt mal ein Halt in die Szenerie, tauchen die typischen Schwächen auch prompt auf, was sich meist in hanebüchenen Texten und auch ebensolchen Schauspiel, selbst der Namhafteren im Cast, da ohne Unterstützung des Regisseurs und allein auf weiter Flur so zeigt. Die Handlung selber weist allerdings einige gemäßigte Überraschungen und double-crossing hier und da, nicht immer tatsächlich erklärt und so aus heiterem Himmel auf, was für ein bleibendes Interesse an dem wild zusammengemuddelten Skript mit seinen allerlei Schlagwörtern und seiner "Witness the ultimate double cross" Tagline sorgt.

Polizei hier und FBI und CIA dort und noch eine Untergrundorganisation und irgendwo in Südafrika ein geheimes und im Gefängnis einsitzendes Terrorregime, plus Rauschgiftgangster, wenn nicht die Mafia gar, und namenlose Schergen mit deutlichen Killerauftrag. Der Held in all dem Wahnsinn ein bis dato unbescholtener Bürger, der aufgrund des Strebens nach 15min Ruhm und dem Aufstieg aus seinem bislang höchstens stinksoliden Leben und dem miesen Job nicht ganz unschuldig an der Misere, aber sicherlich nicht der Sündenbock für Alles und als Spielball fremder Mächte nun umhergetrieben ist. Fortan muss er vor Explosionen weg und im Zickzack durch den Garten laufen, aus fahrenden Autos oder durch das nächstbeste Fenster springen, was er Alles, selbst die Schusswunden im Arm allerdings nach ersten Schrecken recht gut wegsteckt.

Die Inszenierung mitsamt der Unterstützung des später noch bekannter gewordenen Kameramanns Don E. FauntLeRoy tut dabei gut, sich auch weniger an der Aufklärung des Ganzen, die sowieso messy und mit 1000 Löchern ist, als vielmehr dem Hin- und Weglaufen davor und dazwischen zu orientieren, was die Möglichkeiten für allerlei Verfolgungsjagden (zu Fuß), und ab und an auch den Karambolagen und Detonationen von Autos bringt. Eine reliable Variante, dem beschwerdefreien Zuschauer seinen Unterhaltungswert zu garantieren und hier auch auf durchaus verlässliche Weise, quasi wie die kleinere Abart von PM Entertainment, selbst in der gleichzeitig groben und weichgezeichneten Optik aufzuführen.

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