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Hach, wie schön. Neulich habe ich auf dem Flohmarkt endlich mal wieder eine Kassette des von mir hochgeschätzten Videolabels Medusa gefunden. Diese englische Firma war Ende der 80er Jahre auch kurzzeitig auf dem deutschen Markt aktiv und machte sich aus verschiedenen Gründen einen guten Namen bei Exploitationfreunden: Erstens brachte sie fast ausschließlich dritt- bis letztklassige Action- und Horrorware in die Videotheken, die zweitens immer mit einem wunderschön trashig gezeichneten Cover versehen und drittens fast immer geschnitten war. Na gut, das war eigentlich nicht so toll, aber sowas war man damals ja gewöhnt. Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählen „Neon Maniacs", „Nachtschicht" und „Mystor – Todesjäger II". Zu ihren weniger bekannten Titeln zählt „Death Squad" aus dem Jahr 1987.

„Mankillers", so der Originaltitel, ist ein Produkt der amerikanischen Firma Action International Pictures (Ha!) und ihres Hausregisseurs David A. Prior, die bis in die 90er Jahre hinein die Videomärkte der Welt mit Dutzenden von Schundfilmen verseuchten. Alle ihre Werke waren haarscharf an die untere Vermarktbarkeitsgrenze kalkulierte Billigproduktionen, und die meisten davon kann man tatsächlich im hohen Bogen in die Tonne kloppen. Mit der richtigen Einstellung und viel Sonne im Herzen sind einige wenige allerdings doch noch erträglich, und zu diesen gehört glücklicherweise auch „Death Squad".

Die Handlung ist so abstrus wie schnell erzählt: Irgendwo in Kolumbien (also in dem Wald hinter Priors Haus) sitzt eine fiese Bande von Drogendealern und Mädchenhändlern. Wie diese Jungs so weit gekommen sind, ist mir ehrlich gesagt etwas schleierhaft, denn sie behandeln ihre wertvolle Ware nicht gerade vorsichtig. Wenn eins der Mädels z.B. nicht akut darum bettelt, vergewaltigt werden zu dürfen, wird sie kurzerhand erschossen. Da ist der Schwund natürlich beachtlich.

Eine Strafverfolgungsbehörde mit dem wenig verbindlichen Namen „Die Organisation" hat keinen Bock mehr, sich das hirnverbrannte Treiben der Gangster noch länger mitanzusehen. Allerdings hat sie wohl auch keinen Bock, einfach hinzufahren und alle festzunehmen bzw. zu erschießen. Nein, das wäre ja zu einfach. Vielmehr vergibt man diesen Auftrag an eine gewisse Rachel, die a) noch eine Rechnung mit dem Gangsterboss offen und b) gerade nichts Besseres zu tun hat. Außerdem hat sie was gegen Männer. Und da „Die Organisation" anscheinend keine weiteren weiblichen Angestellten hat, rekrutiert Rachel ihre Mitstreiterinnen dort, wo es die meisten Mädels mit Tötungserfahrung gibt: Im Knast. Schwups, steht eine ganze Batterie junger, gutaussehender (naja) Damen Schlange, um ihre langjährigen Haftstrafen gegen einen Abenteuerurlaub im Wald eintauschen zu dürfen. (Kleine Anmerkung am Rande: Ich weiß nicht mehr, warum die Weiber verknackt wurden – ich nehme allerdings an, daß es was mit ihren Frisuren zu tun hatte.)

Tatsächlich hätte man diesen Film gut „Das dicktittige Dutzend" nennen können, denn natürlich folgen jetzt endlose Trainings-Szenen, in denen die Ladies ohne BH unterm Shirt zu Bumtschickie-Bumtschick-Mucke durch die Pampa hüpfen oder alberne Aerobic-Übungen machen. Naja, wenn's hart macht... Danach geht es leicht bekleidet und schwer bewaffnet in den Wald zu den Gangstern. Nach etlichen ausladenden Baller- und Metzelszenen (ebenfalls untermalt von diesem unerträglichen 80er-Synthiepop) hat der letzte Drogendealer sein Blut verkotzt, und schon wenige Sekunden darauf rollt der Abspann.

OK, ich gebe es zu: Hauptattraktion dieses rotzigen kleinen Drecksfilms sind die zahlreichen Gewalttätigkeiten. Auch wenn hier und da einige offensichtliche Zensurschnitte zu bemerken sind, fliegt der Matsch für einen Film dieses Baujahrs in doch recht beachtlichen Ausmaßen. Da hat man wohl einen guten Tag bei der FSK erwischt. Vielleicht konnten sich die Filmprüfer aber auch vor Lachen nicht mehr halten, denn die zahlreichen Einschüsse sind zwar extrem blutrünstig, aber auch verflucht schlecht gemacht.

Ich will das mal etwas näher beschreiben. In aufwendigeren Produktionen wird der Erschossene normalerweise synchron zum Einschuß durch ein unsichtbares Seil von den Füßen gerissen. Hier müssen die Jungs stattdessen aus eigener Kraft in die Büsche hüpfen, und das sieht manchmal doch ziemlich bescheuert aus – besonders, wenn zwischen der Gore-Explosion und der Reaktion des Darstellers darauf eine halbe Sekunde vergeht. Ebenfalls recht dämlich sind die Effekte der im Film verwendeten Handgranaten Marke „Smart Grenade": Viel Rauch, viele Funken, sämtliche Feinde im Umkreis von 10 Metern fliegen in hohem Bogen weg – aber kein verschissener Grashalm bewegt sich.

Aber so ist das nun mal mit den Z-Filmen. Da ich ja sowieso ein Faible für solchen Ramsch habe, war die Investition von 5 Mark für 83 flotte Minuten in jeder Hinsicht brutalen Trash völlig in Ordnung. Und wie gesagt, das Cover ist ausgesprochen hübsch anzusehen.

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