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Nach diversen Namsploitation und auch Horrorversuchen der nächste Gang von Filmemacher David A. Prior in die tiefen und meist schmutzigen Gefilde der Videotheken, hier dem der Science fiction Action, sprich den üblichen Schießereien und Autoverfolgungsjagden in die damals nahe Zukunft von 1991 und damit heute und rückwirkend im doppelten Sinne schon wieder in die Vergangenheit verlegt. Prior, der später noch mit (abgehalfterten) Stars und Sternchen in seinen Werken hantieren sollte, hat hier nebst einigen bekannten Mannen aus seinem Umfeld mit (dem auch als Associate Producer fungierenden) Wampenmann David Carradine sogar erstmal sowas wie einen namhaften Schauspieler an Bord und damit auch das Ticket in die oftmals siffigen Kundenräume aller Welt und sowieso das globale Marktgeschehen. Im Übrigen taucht in der Crew rückwirkend auch noch ein zweiter geläufiger Credit auf, ist Mark Mancina als einer von drei Komponisten für das Gebrumme auf der Tonspur verantwortlich; großes sollte man von dem Musiker nicht erwarten und von dem Film auch ohne Kenntnis des sonstigen Schaffens von Prior nicht:

Der ehemalige Streifenpolizist John Tucker [ David Carradine ] ist nach einer Umwandlung der Verbrechens- und Strafrechtspolitik nunmehr in der privat geführten Kriminalitätsbekämpfung in der Organisation der C.O.P.S. [ Civilian Operated Police Systems ] tätig und dort auch aufgrund seiner Erfahrung und der Erfolge im Beruf eine Art Anführer der Truppe. Als der bessere Kopfgeldjäger vom Betreiber der C.O.P.S., dem findigen Jason Adams [ William Zipp ] auf die diesem zu neugierig gewordene Reporterin Marion Simms [ Anna Rapagna ] angesetzt wird, allerdings nicht wie erwartet tötet, sondern sie einem Richter übergehen will, gerät er selber in die Bredouille. Gejagt von den eigenen Mannen und Adams' rechter Hand Becker [ Robert Tessier ], kann Tucker nur noch seinem einzigen Freund, dem Schützling und Computerfachmann Billy [ D.C. Douglas ] vertrauen.

Dabei ist die grundlegende Idee dahinter eigentlich gar nicht schlecht; vorgestellt wird die Veränderung der Gesellschaft, der Sozialität, aber auch der Kriminalität und der Verbrechensbekämpfung in einer kurz gehaltenen Erzählerstimme, die die Kausalität bis zum hiesigen Geschehen in wenigen Schlagworten zusammenfasst und dann zum Wesentlichen, dem Beispiel dieser Maßnahmen und Folgen im speziellen Ereignis nämlich vorstellt. Mit dem Beginn der eigentlichen Erzählung wird das Gehirn schon wieder abgegeben, Carradine – grauhaarig, mit hochgekrempelten Hosen, einer Jeansweste und dem Muscleshirt nicht ganz altersgerecht kostümiert – deckt einen nächtlichen Drogendeal auf und fordert zum Schießduell, während er folgend noch zwei Helferlein die Kauleiste poliert und anschließend deren Auto (samt Insassen) per Super-Handschuh in die Luft sprengt und das brennende Vehikel durch die Gegend katapultiert.

Die 'Guten' in der Geschichte sind so skrupellos wie die Bösen bzw. eigentlich nur die Handlanger und personifizierten Schießprügel für diesen, das Hauptquartier der bestellten Kopfgeldjäger ein abgeranztes, vollgequalmtes Großraumbüro, in der ein wenig der Computer betippelt wird, mit den Waffen und dem Alkohol gespielt, das Geld für die bezahlten Tötungen steckt schon im Bündel im Schreibtisch und werden die Nächsten auf der Abschussliste bereits per Bildschirm anmoderiert. Dass der Film nur zwei Jahre später als zur Drehzeit spielt, ermöglicht natürlich das Beibehalten der Umgebung, auf Futurismus und Fortschritt in der Technik wird bis auf paar Kleinigkeiten in den Utensilien vollständig verzichtet, wobei die Produktion damit auch preislich heillos überfordert wäre und auch so schon von der preiswerten bis deutlich billigen Sorte Unterhaltung ist; heutzutage sehen die Bilder mit ihren hier oftmals erstaunlich leeren Straßen und dem allgemeinen Retrolook im 'Kriegsgebiet' sowieso aus wie aus einer gänzlich anderen Zeit und manchmal auch wie aus einer fernen, da längst verblassten Welt. Die Dialoge und Monologe vom Terror der Gesetzlosen sind in der deutschen Synchronisation teils geschliffen, teils auch mit unnötigen Albernheiten und zeitgenössischen Sprüchen wie "Mach die Flatter, und zwar die große" 'aufgewertet', zumindest klingt der Sprecher des Hauptdarstellers markanter als im Original, wo der Darsteller sich zuweilen lallend anhört und generell nicht so richtig die Lippen auseinander kriegt.

Zu einer Zeit also, wo über mehr Kontrolle über Recht und Gesetz für den Bürger nachgedacht wird oder doch bloß ein Regiment der Sparmaßnahmen und Gewalt und ein Freibrief der Willkür und das Recht zum Sterben vorrangig agiert, wird derlei Thematik hier im filmischen Großstadtdschungel von Future Farce nur als Alibi für eine Egoshow des Protagonisten mit seiner weißen Haut und dem kleinen Schmerbauch genutzt, sowie einigen wenigen (armseligen) 'Action'szenen der Marke Schusswechsel im Parkhaus, Autohatz durch Seitengassen und (immerhin stilecht heruntergekommener) Industriebaracke mit anliegenden Steinbruch. Die Location selber – darunter noch ein Stripschuppen namens "DMZ" (für Demilitarized Zone) und ein Schrottplatz als Vor-Showdown – sieht dabei ständig gleich heruntergekommen aus, verwahrlost und verlassen und wie in einem Radius von 500m vom größten Epizentrum der Actiongülle aus gedreht; ganz zu Anfang wird ein wenig in die sonstige Gesellschaft geblickt, im Rest des Trashfilmes bleibt man quasi unter seinesgleichen und wird sich eher im Kreise um sich selber bewegt. "Wie geht's jetzt weiter?" - "Irgendwie. Vielleicht besser." Vielleicht auch nicht.

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