Review

Dass „Urban Legends“ Vorstadtlegenden sind, schien dem deutschen Synchrostudio wohl nicht cool genug zu klingen, also wurden daraus hierzulande im Film wie im Titel desselbigen „Düstere Legenden“.
Die Chose fängt auch recht viel versprechend an: Da fährt die Studentin Michelle Mancini (Natasha Gregson Wagner) des Nachts allein zum Campus, doch das Benzin geht aus und man tankt an einer verlassenen Raststelle. Doch die verängstige Studentin muss merken, dass der sich seltsam verhaltende Quasimodo-Verschnitt von Tankwart (Brad Dourif) ihr nichts tun will, sondern sie warnen – vor jemandem auf ihrem Rücksitz. Doch sie nimmt verängstigt Reißaus und wird verhackstückt. Nicht die Neuerfindung des Slashers, aber nett gemacht.
Danach begibt sich der Film jedoch auf den Campus und lässt nach: Scheinbar scheint die Uni im Wiewunderland zu stehen, wenn man das burgartige Studentenwohnheim anschaut, in dem auch nur handlungstragende Figuren und null Statisten rumtapern (dabei soll das Ganze während des Semesters spielen). Im Seminar von Professor William Wexler (Robert Englund) geht es derweil um Vorstadtlegenden (düster dürfen sie meinetwegen auch sein) und so wird der Zuschauer schon mal auf die kleinen Mythen eingenordet, die hier verwurstet werden.

Denn scheinbar scheint der Mord an Michelle nach einer Vorstadtlegende gestaltet und bald ereignen sich weitere Todesfälle nach diesem Schema wie die Studentin Natalie Simon (Alicia Witt) feststellen muss. Doch natürlich will ihr keiner glauben und so beginnt sie allein zu recherchieren…
Im Sog des „Scream“-Erfolgs wurde ja hurtig alles Mögliche an Slashermovies auf den Markt geworfen, doch wirklich überzeugend waren nur wenige davon. Auch „Düstere Legenden“ ist bloß Mittelmaß, obwohl der Film gar nicht mal schlecht anfängt. Immer zügiger werden die Studenten niedergemacht, es wird erst langsam angedeutet, was die Heldin damit zu tun hat und reichlich falsche Fährten bezüglich der Killeridentität gelegt. Da will man dem Film anfangs sogar noch verzeihen, dass die Figuren teilweise übelst klischeehaft sind (der smarte Witzbold darf ebenso wenig fehlen wie das Gothic Girl) und es nur wenige, aber gelungene ironische Brechungen (Joshuas Jacksons Charakter hat das „Dawson’s Creek“ Theme im Auto laufen, die Campuspolizistin imitiert Pam Grier) die Klischees abmildern.
Doch gegen Ende versagt „Düstere Legenden“ dann ziemlich: Das Motiv fürs Töten ist älter als das Genre des Slasherfilms und zudem macht es auch nicht Sinn, warum so viele Leute dran glauben müssen, wo sich der Zorn des Killers an sich nur gegen wenige richtet. Zudem erweist sich der Killer als menschlich, aber hält im Finale genauso viele Verletzungen wie Jason Vorhees und Michael Myers aus. Da geht die Glaubwürdigkeit schon direkt flöten, zumal das Finale total lustlos daherkommt (so spannungsarm war der Kampf Killer contra Überlebende selten).

Größter Vorteil des Films ist sicherlich der Aufhänger mit den Vorstadtlegenden, denn der gibt Anlass für reichlich kreatives Killen. Da werden sämtliche urbanen Mythen verbraten, von denen man als Europäer nur teilweise etwas gehört hat (der Klassiker mit dem Pärchen im Auto ist aber dabei), doch in diesem Punkt ist „Düstere Legenden“ deutlich phantasievoller als diverse 08/15-Slasher. Zudem sind die Mordszenen noch halbwegs spannend mit falschen Andeutungen usw. in Szene gesetzt, sodass „Düstere Legenden“ in diesen Szenen auch am stärksten ist.
Höchst unterschiedlich ist die schauspielerische Qualität, die das agierende Jungvolk hier bietet. Jared Leto und Rebecca Gayheart kann man voll vergessen, da beide irgendwie total neben der Spur spielen und Danielle Harris kann in ihrer absoluten Klischeerolle wenig Akzente setzen. Erfreulich gut schlägt sich hingegen Alicia Witt in der Hauptrolle und auch Tara Reid erbringt eine zufrieden stellende Performance. Den besten Auftritt hat allerdings Joshua Jackson, doch leider wird er schnell Opfer des Killers. Gewohnt gut ist auch Robert Englund.

An sich wäre „Düstere Legenden“ ein solider 08/15-Slasher mit phantasievollen Mordszenen, doch aufgrund der total enttäuschenden Schlussphase ist hier nur Mittelmaß angesagt. Lieber die Fortsetzung gucken, die ist deutlich spannender und besser.

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