Review

Ein letzten Endes relativ unbefriedigender Beitrag der Teenie-Slasher-Welle rund um Scream, hat Urban Legends zwar eine sehr interessante Prämisse zu bieten (Morde nach urbanen Legenden), die er jedoch über die volle Filmlänge nicht zu voller Blüte bringen kann, da meilenweit über dümmste Klischees und Logikfehler stolpert, bei denen jeder Filmfan sich nur permanent an den Kopf fassen kann.

Es scheitert zwar nicht an den recht motivierten Darstellern, doch an der Motivation der Figuren, vor allem des Killers kann man wieder einiges aussetzen.

Vom Start kommt der Slasher zwar gut weg dank einer beeindruckenden Pre-Plot-Sequenz, die vor allem atmosphärisch mehr als gelungen ist, doch danach kehrt inhaltlich Routine und logisch die Null-Linie ein, vor allem weil die Jagd nach dem Plüschkragen-Parka tragenden Mörder nicht so recht in die Puschen kommt, bzw. mal wieder zu viele Leute (Erwachsene) ihr Gehör auf Durchzug stellen. Treudoof stellt da keiner Zusammenhänge zwischen dem ersten Mord und dem Unfall-Motiv an, weil wir ja am Ende eine Überraschung brauchen. Dann verschwinden logischerweise reichlich Leichen, damit das Gemetzel schön locker abgetan (und damit fortgesetzt) werden kann und die Heldin nimmt auch nicht wahr, daß es sich ganz offensichtlich um sie dreht. Dann mixen wir noch den Schuldplot mit einem anderen alten Massaker, um die Verwirrung noch zu steigern, um dann eine Bombenauflösung zu präsentieren.

Auch die Figurenkonstellation und Zeichnung ist wieder mal aus dem Ausschneidebogen. Ein rasender Reporter mit Ambitionen, ein sarkastischer Witzbold mit Hang zu bösen Scherzen, ein blondes, vollbusiges Blödchen mit Sexberatungs-Radiosendung, wo jede Menge noch bescheuerter Studis, in denen gerade der Freund feststeckt, anrufen. Als hirntoter Zuckerguß natürlich ein Prof, der Urbane Legenden lehrt und das Massaker überlebt hat (oha, auch noch Robert Englund), ein behinderter Tankwart und als Krönung (it pulls me the shoes out) ein düsterer Hausmeister, der scheinbar einen Hau weg hat. Wer noch sitzt, kann sich an Heldin Natalies Zimmergenossin erfreuen (übrigens die ehemals kleine Jamie aus Halloween 4 und 5), einen agressiven, manisch depressiven und tablettensüchtigen Gothic, die den ganzen Tag ketterauchend im Internet surft und nach anderen Schwarzkitteln sucht, die sie in Anwesenheit ihrer Zimmergenossin zureiten kann (uhaha...). Und den ignoranten Dekan spielt auch noch John Neville, der mit miesepetrigem Gesichtsausdruck dreinschaut, als wüßte er nicht, was er in diesem Dreck soll. Als Sahnehäubchen natürlich noch eine übergewichtige (!), schwarze (!!), total auf Pam-Grier-70er-Blaxploitation-Movies stehende (!!!) Campus-Polizistin.

Dazu natürlich reichlich total unwahrscheinliche und geradezu lächerliche Mordsequenzen (die nur durch ihre schiere Bösartigkeit punkten), ausgeführt von einem Mörder (nein, ich verrate nichts), der dieses Massaker nach menschenmöglichen Gesichtspunkten (Kraft, Statur etc.) auf keinen Fall hätte ausführen können, bzw. dem wesentlich mehr Widerstand hätte entgegengebracht werden müssen.
Besonders hirnlose Beispiele: Beim Autodachmord plaziert der Mörder unseren Scherzbold offenbar über einen großen tiefhängenden Ast über dem Wagen und Herzchen Natalie merkt mal wieder gar nix. Zu hören ist auch niente, Logik ade. Oder: wenn der liebe Dekan zerschnetzelt wird, erfolgt der Angriff auf ihn ungefähr drei Sekunden, nachdem sich Moppel-Cop Reese von ihm verabschiedet hat (in einer Tiefgarage!). Ruft er um Hilfe? Nein! Ist sie durch eine Bodenklappe verschwunden? Offenbar!

Hie und da glänzt zwar noch etwas Atmosphäre durch und filmisch ist das sorgfältig und erlesen eingefangen, doch der Film verschenkt beim finalen Schlußduell sein letztes Bißchen an Zuschauergutwilligkeit, wenn der Killer trotz mörderischer Treffer und Fälle mal wieder nicht totzukriegen ist. Wutzig dabei unsere Überlebenden, die zwecks Rettungsholens mal eben da vorbeilaufen müssen, wo der Killer liegen müßte, aber seine Abwesenheit eben mal nicht bemerken, weswegen er auch dann im Auto noch mal "Buh!" machen darf. Aber wer nicht vorher bei eh schon klaren Motiv-Erläuterung wegen extremem Overacting herzlich gemurrt hat, ist eh nicht zu retten. Darauf natürlich noch einen Knüller als Schlußgag, der ordentlich Zungenbelag verursacht.

Ein nettes Augenzwinkern übrigens für den Einfall, im Autoradio kurz die Dawson's Creek-Titelmelodie "I don't wanna wait" anzuspielen, als Joshua Jackson den Motor anläßt.

Ansonsten bleibt nur ein erschreckend blöder Beitrag zur Teenie-Slasher-Welle, der als dritter Beitrag nach "Scream" und "Ich weiß, was..." den akzeptablen Qualitätsanspruch auch gleich wieder zu Grabe getragen hat. "Urban Legends" ( die in deutsch keinesfalls "Düstere Legenden" heißen, liebe Synchroautoren) ist verantwortlich für permanentes Kopfschütteln wegen akuter Pannen, wobei dieses lächerliche Konstrukt tatsächlich Lust auf die Standardslasher der auslaufenden 70er macht, wo derlei dämliche Fehler trotz Simplizität weitestgehend vermieden wurden. Natürlich ist dieser Stoff von handwerklich noch ärmeren Produkten inzwischen unterboten worden, aber wer Fehler zählen will, hat an diesem Film bestimmt seine helle Freude. (3,5/10)

Details
Ähnliche Filme