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„Scream“ abgedreht, „Scream 2“ ebenfalls und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ surfte munter im Fahrwasser, dass noch Platz für eine ganze Riege misslungener Tennieslasher bieten sollte. „Düstere Legenden“ ist fast schon ein Paradebeispiel dieser Machwerke, geht hier doch alles in die Hosen, bis die Böxen durchgeweicht und braun/gelb gefärbt sind. Dabei ist die Idee, den gesichtlosen Killer munter nach „Urband Legends“ schnetzeln zu lassen, gar nicht mal übel und geradezu innovativ, wenn man sich an Genrekollegen orientieren will, die durchgehend von persönlichen Motiven (Keine Bange wird hier auch mit eingekoppelt..) zum Racheakt getrieben werden.

Warum funktioniert es also nicht? Weil alle Klischees der Szene hervorgeholt werden, die Schauspieler unterdurchschnittlich spielen und der Plot nicht mehr als ein paar ungewöhnliche Kills zu bieten hat. Dabei ist das Intro, teilweise aus dem Trailer bekannt, noch das Beste am Film: Zuckendes Gewitter, Sintflut auf der Straße, ein Mädel, der dass Benzin ausgeht und der Häßling eines Tankwarts, den man einfach für einen Psychopath halten muss. Aber nur wer auf die Rückbank schaut, wird seine Vitalität erhalten.

Wie sollte es anders sein, spielt auch „Düstere Legenden“ an einer Schule, wo genug Opferfutter die Pausenhallen säumen. Dreh- und Angelpunkt ist Natalie Simon (Alicia Witt, die zur Scream-Queen wie Roseanne zum Model taugt), mit schicksalhafter Vergangenheit angereichert und heißem Draht zu Schulskandalreporter Jared Leto (mit Lammblick), dem schon bald, angesichts der Schülerdezimierung, die Fingernägel brennen. Heißa, was ist die „Bild“ gegen mich? Was gibt es noch alles? Rebecca Gayheart darf nach „Scream 2“ mehr Screen-Time genießen, Joshua Jackson seine Haare blond färben, Tara Reid für Sarah Michelle Gellar einspringen und Freddy Krueger als Lehrer die Legenden predigen. Dazu gibt es Loretta Devine als schwarze Parodie einer Foxy Brown, die das Geschehen nicht so ernst nimmt und daher auch den Fortsetzungsbonus einheimst. Muss der Hausmeister erwähnt werden? Nein, das lassen wir.

Die Schulleitung stellt auf stur, der Killer schwingt die Axt und alles bleibt wie es ist. Fast jeder Mord, und ist er nach der düstersten Legende durchgeführt, kann, zumindest der Genrekenner, in seiner Abfolge vorher sagen, ohne dafür Nostradamus um Hilfe bitten zu müssen. Wenn ein junges Paar mit dem Auto in den Wald fährt, muss zwangsläufig eine(r) sterben. Wenn ein Mädel allein auf weiter Flur einen Radiosender betreibt, bieten sich die dunklen Gänge doch nahezu an. Wenn ein leicht eigenartig eingestelltes Mädel im hauseigenen Intranet Lover zum flachpimpern sucht, ist sie als Opfer nahezu aufdringlich. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden…

Leichen verschwinden, keinen interessiert es, nur das ungleiche Pärchen ahnt welch’ Grauen hier durch die Schule geistert und dem Bildungsnotstand seine eigene Note aufdrückt. So entwickelt sich hier nichts, kein Geheimnis wird gelüftet und überhaupt kommt man sich als Zuschauer zu Recht verarscht vor, da die in Frage kommenden Personen der Reihe nach in die ewigen Jagdgründe gehakt werden. Dass die Identität des Killers dann schon nicht mehr logisch ist, weil er von Kraft und Statue her nie zu den Morden in der Lage gewesen wäre, ist nur das Sahnehäubchen bei dieser Aneinanderreihung von Ärgernissen.

Dazu gesellen sich nämlich reihenweise Inszenierungsdefizite von Seiten Jamie Blanks, der später noch ein ähnliches Gerät namens „Valentine“ verbrechen sollte. Goofs sind im gesamten Film verteilt, was nicht so schlimm wäre, wenn es nur Nebensächlichkeiten (Davon gibt es viele..) wären. Wenn aber Opfer von Geländern geschupst werden und dann auf einem Vorsprung landen, der in der vorherigen Szene noch nicht vorhanden war, oder tiefe Schnittwunden eines Skalpells sich in blauen Dunst auflösen und sich in Arbeit befindliche Äxte keinen tropfen Blut aufnehmen, darf ernsthaft darüber spekuliert werden, ob Blanks nicht lieber umschulen sollte.

Das Szenario endet in einem, immerhin, ausführlichen Finale, dass fast ein Drittel des Films einnimmt und dabei ein paar abwechslungsreiche und blutige Momente zu bieten hat. Leider muss es hier dann auch wieder kräftig blitzen und donnern, was deutlich macht, dass ohne dieses, fast schon obligatorische, Slasherwetter hier kein atmosphärischer Blumentopf zu gewinnen ist. Der Killer wird enttarnt, ein dramaturgisch wenig überzeugender Zusammenhang mit Aha-Effekt wird zum Intro hergeleitet, der Killer ist wieder renitenter als erwartet und ein doppelt heraus gezögertes Ende vollenden den Murks, der an der Kinokasse aber so erfolgreich lief, dass eine bessere Fortsetzung ebenfalls seinen Weg ins Kino fand.

Fazit:
„Düstere Legenden“ ist wohl DAS Paradebeispiel für den misslungenen Teenie-Slasher. Die Schauspieler haben keinen Bock ihre Klischeeparts herunterzuspulen, die Geschichte findet nicht statt, die Inszenierung ist eine von Fehlern geprägte Katastrophe und die Morde sind durchweg vorhersehbar. Jamie Blanks kramt alle Fehler des Genres heraus, verwurstet sie, kann dabei jedoch immerhin mit viel Kunstblut und ordentlicher Kameraarbeit überzeugen. Das war’s dann aber auch…

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