+++Sieg heil für die deutsche Filmwirtschaft+++
Ja, ich habe diesen Film gesehen und ich muss sagen, ich war schwer beeindruckt von der deutschen Filmkunst. Dies ist wahrhaftig der beste deutsche Kinofilm seit „Das Boot“ (1981), der auch international sehr beliebt ist. In Amerika war er für einen Oscar nominiert für den besten fremdsprachigen Film, bekam ihn aber leider nicht. Woran es gelegen hat? Mehr dazu später.
Vorneweg der Hinweis: Leute, die bei diesem Machwerk einen waschechten Kriegsactionfilm wie aus Amerika erwarten werden hier enttäuscht. „Der Untergang“ ist weniger ein „Soldat James Ryan“, enthält mehr Drama als Kriegszenen, so wie bei „Apocalypse Now“ nur noch harmloser. Weshalb der Film auch ab 12 Jahren freigegeben ist. Im Vordergrund stehen die nach wahren Ereignissen dokumentierten Abläufe im Führerbunker in Berlin zu der Zeit als der zweite Weltkrieg zu seinem Ende kam. Die Russen sind tief nach Deutschland vorgedrungen und haben die Hauptstadt dreiviertelst umstellt. Sie kämpfen sich weiter voran bis ins Zentrum, in dem sogar schon 12jährige Kindersoldaten an einer Flakstellung ihre Heimat verteidigen. Aber solche Kampszenen sind Mangelware in diesem „German Masterpiece“, wie es auf der Seite imdb.com genannt wird. Das Wichtigste daran ist die beeindruckende Darstellung der Verantwortlichen Politiker und Hintermänner des Nazi-Regimes, die sich alle im Führerbunker verstecken und auf den Untergang warten. Denn sie wissen, dass sie den Krieg nicht mehr gewinnen können. Nur noch Adolf Hitler selbst, der von dem schweizer Schauspieler Bruno Ganz brillant und in noch nie da gewesener Form dargestellt wird will weiterhin Truppen zur Verteidigung kommandieren, die gar nicht mehr existieren.
Von Anfang an bis zur Mitte des Films saß ich angespannt da und bewegte mich keinen Zentimeter. So sehr zog mich die bisher unerlebte Personifizierung der bösartigsten Kreatur aller Zeiten in ihren Bann. Der immerwährende Anblick der Fratze des Diktators stößt einen vor den Kopf, bis man sich langsam daran gewöhnt hat. Eine beängstigende Wirkung haben auch die Kanoneneinschläge, die man ständig im Hintergrund hört (habe den Film zu Hause auf Leinwand und in Dolby Digital 5.1 gesehen). Die bedrückende Atmosphäre in der Bunkeranlage bekommt man beinahe hautnah zu spüren, weil der Film sich größtenteils nur dort befindet. Alle Handlungen im Bunker werden aus der Sicht, der Hitler-Sekretärin Traudl Junge gezeigt, weshalb man manches nicht so zu sehen bekommt wie es bei einem Film üblich ist.
Einige wichtige Sequenzen hätte der Regisseur Oliver Hirschbiegel ruhig etwas intensiver inszenieren können, damit der Film ab 16 ist. Denn meiner Meinung nach ist dieser Film als Gesamtwerk für ein 12jähriges Kind psychisch viel zu belastend und zweitens fehlt seitens eines so jungen Menschen noch das nötige geschichtliche und politische Verständnis, um so einen Film dementsprechend mitverfolgen zu können. Bei „Schindlers Liste“ dasselbe. Aber das ist eben nur meine Meinung.
Und nun zu dem am Anfang schon angesprochenen Punkt mit dem Oscar: Der Film ist eben leider eine Mischung aus Kriegsdrama und Dokumentation und besitzt daher keine wirklich spannende Handlung, die schnörkellos und geradlinig und ohne filmkünstlerische Extras wie z.B. Zeitlupenaufnahmen oder Subjektive Kampfkamera inszeniert wurde. Deswegen ist er bis zur Mitte spannend, wird von da an bis eine Viertelstunde vor Schluss etwas zäh, und dann bekommt man nur noch erzählt wie es der Sekretärin ergangen ist, dann ist Ende.
Also ich habe mit meinen 23 Jahren diese Zeit ja nicht miterlebt, aber dennoch habe ich nach diesem Film das Gefühl, dass man sich die geschichtlichen Ereignisse wirklich so vorstellen kann, wie sie hier gezeigt werden. Klar, ein Film kann die Realität nicht völlig wiederspiegeln, wenn er 60 Jahre später aus den Erzählungen einiger weniger Beteiligter zusammen getragen wurde. Aber er vermittelt vielleicht zu 75% dem Zuschauer das, was er sich als die wahren Begebenheiten vorstellen kann.
Fazit: Einer der wichtigsten Filme aller Zeiten, der je in Deutschland gemacht wurde. Er zeigt in noch nie da gewesenem Format die Hauptfiguren seitens Nazi-Deutschlands im Krieg, damit man sie besser als nur aus dem Geschichtsbuch kennen und verstehen lernt.