Ich habe immer mehr den Verdacht, dass es unterschiedliche Ausgaben des Films "Der Untergang" gibt. Meine Version kann unmöglich der Film sein, der einen Oscar gewinnen sollte, für jede Menge begeisterten Redestoff gesorgt hat und selbst hier topp bewertet wird. Mein Film (DVD-Release, vielleicht lief die gute Version im Kino) besticht einzig und alleine von den Darstellern A. Hitlers und M. Göbbels. Wobei Bruno Ganz in der Tat herausragendes leistet. Aber was nützen einem zwei gute Mimen, wenn sie zusammen mit wirklich schwachen Schauspielern agieren? Nichts! Gerade die sehr gelungene Darstellung von Frau Göbbels leidet stark unter der stümperhaften Darbietung von Matthes, die nicht ansatzweise an den zu recht gefürchteten Propagandaminister erinnert. Da hätte man sich vielleicht doch mal die eine oder andere Originalaufnahme vorher ansehen sollen. Und wo war der vielgerühmte Regisseur, der ein derartig peinliches Possenspiel unterbindet?
Desweiteren leidet der Film darunter, dass er sich nicht entscheiden kann, welchen Strang er nun erzählen soll. Will er eine neutrale Sicht der Dinge vermitteln (da ist er noch am nächsten drann), so stellt sich die Frage nach der ersten Szene, bei der eine Focussierung auf Traudl J. vorgenommen wird. Will er die Zeit aus der Sicht von Hitlers Sekretärin erzählen, stellt sich rasch die Frage nach dem Sinn des gesamten Beiwerkes (der den Film auf stolze 150 Minuten aufbläst), aber auch nach dem Verlust anderer Szenen, die der offensichtlich zu grunde gelegten Biografie entscheidende Impulse geben läßt.
Mit der scheinbaren Vermenschlichung der braunen Menschheitsfeinde habe ich keine Schwierigkeiten. Sie muss sein, um die Gefahr des Nationalsozialismus begreifbar zu machen. Wieso aber immer Speer so toll rüberkommen muss verschließt sich mir. Hier sollte die historische Forschung zur Hand genommen und ein realistischeres Bild gezeichnet werden. Und wieso sind Göring, Himmler und Bormann nur Randerscheinungen? Gerade das Ende von Bormann hätte der Fiegheit des Nationalsozialismus ein passendes Gesicht gegeben.
Richtig übel finde ich das Ende. Der kleine Junge, der Traudl an die Hand nimmt, durch die final doch noch sichtbaren Russen führt (das Bild der Russen gefällt mir, da es nicht die Klischees der marodierenden Bande oder der verheizten Masse bedient - auch wenn diese sicherlich und leider von viel Realität genährt werden), ein Fahrrad hervorzaubert und dann mit der Erretteten fröhlich über eine ruhige Landstraße fährt. Da hätte man noch eine Blumenwiese einbeziehen können, und die Idylle wäre perfekt. Ich bin sicher, dass die Millionen Menschen, die mit Ende des 2. WK perspektivenlos die Straßen bevölkert haben, Flucht und Suche nach Familienmitgliedern ähnlich fröhlich erlebt haben - eine Frechheit.
Es fehlen dem Film auch nenneswerte Impulse von Regie und Kamera. Bis auf eine Szene (bei der Frau Braun und Frau Göbbels ihre Briefe schreiben, die mit parallel laufenden Randereignissen gänzlich anderen Inhaltes hinterlegt sind) krankt der Film schwer an Einfällen und wird dadurch ein fades Machwerk.
Ich freue mich, dass der Film ein wirtschaftlicher Erfolg war. Er ist aber kein Meilenstein, sondern aus meiner Sicht nur ein trostloser Versuch, großes, inhaltsreiches Kino zu machen. Eine Ganz-Glanz-Leistung, ohne Zweifel. Aber das war es dann auch. Deshalb nur enttäuschte 4 von 10 Punkten.