Eigentlich sollte Regisseur Oliver Hirschbiegel (Das Experiment) ja mit dem dritten "Blade"-Streifen sein US-Debüt geben. Daraus wurde nichts, weil er sich von Erfolgsproduzent Bernd Eichinger (Resident Evil, Fantastic Four) mit "Der Untergang" die letzten Stunden im Führerbunker andrehen ließ. Denn gemeinhin dachten beide, dass man mit einem Film über deutsche Geschichte nichts falsch machen könnte. Bei "Das Boot", "Das Wunder von Bern" und "Goodbye, Lenin" hatte es ja auch geklappt. Schließlich sollte die Rechnung Eichingers aufgehen und "Der Untergang" mutierte zum Erfolgsstreifen, von dem einige sogar behaupteten, dass er Deutschlands wichtigster Film sei. Unerwarteterweise klopfte sogar Hollywood an die Tür, was eine Oscar-Nominierung nach sich zog. Natürlich lachte der Eichinger sich weiterhin ins Fäustchen, doch mit dem Oscar wurde es dann doch nichts. Anscheinend hatte die Oscar-Jury in letzter Minute bemerkt, dass "Der Untergang" von der Thematik her zwar kein schlechter Film war, aber aus erzählerischer Sicht einer Schlaftablette glich. Dies blieb auch mir nicht verborgen, obwohl der Streifen auch weiterhin von Zeitschriften und Kritikern beweihräuchert wurde.
Berlin 1945: Der Russe haut auf die Kacke und ist nur noch wenige hundert Meter vom Führerbunker in Berlin-Mitte entfernt. Trotzdem glaubt Hitler (Bruno Ganz) noch an den Sieg, schwadroniert von drei Armeen und tausend neuen Strahlenbombern, die den Feind völlig vernichten würden. Als er schließlich dennoch kapiert, dass dies nun das Endspiel sein sollte, diktiert er seiner Sekretärin Traudl Junge (Alexandra Maria Lara) sein Testament und begeht samt Gattin Eva Selbstmord. Joseph Goebbels (Ulrich Matthes) tritt an seine Stelle. Auch für ihn kommt eine Kapitulation nicht in Frage...
Hier hat sich (fast) die gesamte schauspielerische Elite Deutschlands versammelt. Lediglich Til Schweiger, Franka Potente, Moritz Bleibtreu, Heiner Lauterbach und Daniel Brühl hatten anscheinend keinen Bock sich in die Nazi-Kluft zu zwängen. Wenn der Schweiger nichtmal für Spielberg den Nazi spielen will, warum sollte er es dann für den Eichinger tun? Ansonsten sind hier allen voran natürlich die beiden Hauptdarsteller Bruno Ganz (Der Manchurian Kandidat) und Alexandra Maria Lara (Was nicht passt, wird passend gemacht) zu erwähnen. Schauspielerisch ist Ganz natürlich top und man nimmt ihm durch seine Performance Hitler leicht ab. Manchmal kommt es einem so vor, als wäre es Hitler persönlich, der da in die Kamera motzt. Mit mädchenhaft unschuldiger Ausstrahlung kann Alexandra Maria Lara ebenso punkten und man merkt ihrem Charakter den inneren Kampf deutlich an. Was den Rest angeht, so machen sowohl Thomas Kretschmann (King Kong) als realistisch denkender SS-Gruppenführer wie auch Heino Ferch (Straight Shooter) in der Rolle des Speers und Corinna Harfouch (Das Monstrum) als eiskalte Goebbels-Bitch einen ordentlichen Job. Des weiteren begegnen einem noch bekannte Gesichter wie eben Götz Otto (Der Clown) und der "Das Experiment"-erprobte Christian Berkel (Lautlos).
International kann man sich mit "Der Untergang" zwar wieder sehen lassen, doch weiß Hirschbiegel bei seiner Inszenierung nicht das richtige Tempo zu finden, weshalb sich der Film erzählerisch ziemlich zäh in die Länge zieht. Bei dem einen oder anderen Zuschauer (wie mir z.B.) kann das dann natürlich zu Ermüdungserscheinungen führen. Zwar bin auch ich jemand, bei dem es im Film nicht immer schnell und IQ-frei zugehen muss, doch sollte man bei einem Film mit dieser Länge schon das entsprechende Füllmaterial haben. Und das hat Hirschbiegel eben nicht. So zieht sich das Szenario bis Hitlers Suizid unendlich in die Länge, wobei außer Nazi-Propaganda und -Durchhalteparolen seitens Hitler und seinem hirntoten Gefolge kaum was passiert. Ab und zu entpuppt sich Eva Braun zwar als Stimmungskanone und uneinsichtige HJ-Bratzen werden erst vorlaut, ehe sie sich selber die Kugel geben, als der Russe anrückt. Doch ansonsten passiert da nicht wirklich viel. Zum Durchhalten bis Filmende sorgen lediglich die Performance von Alexandra Maria Lara und der historische Hintergrund des Streifens. Immerhin geht es ja um die Geschichte unseres Landes und dementsprechend wäre es auch nicht verkehrt sich zu informieren. Und da Geschichtsunterricht bei der heutigen Jugend anscheinend wenig hilft, muss man sie halt ins Kino peitschen, damit sie Klarheit über die Vergangenheit des Vaterlandes erlangen. Gehen tut das halt nur mit einem solch hochgepuschten Werk wie "Der Untergang" oder einem weiteren Beitrag Spielbergs. Bei der Optik hat man sich größtenteils mit Grau- Dunkelgrün- und Brauntönen begnügt, da Kriegsgebiete im Film bekanntlich nie bund sind. Erst als Alexandra Maria Lara mit einem strohblonden sowie blauäugigen Nazi-Bengel ins Happy-End radelt, kommen auch fröhlichere Töne zum Einsatz. Begonnen und beendet wird "Der Untergang" mit bedeutungsschwangeren Worten der realen Traudl Junge.
Im Endeffekt ist "Der Untergang" ein kotzlangweiliges Stück Film, das nur durch die Darsteller und den historischen Begebenheiten vorm totalen Untergang gerettet wird. Der Rest ist schlicht und einfach belangloser Zelluloidmüll, bei dem einmaliges Anschauen ausreicht ... nicht mehr und nicht weniger!