„Der Untergang“ als Aufgang des deutschen Films.
Das Thema Nationalsozialismus liegt den Deutschen immer noch schwer auf der Seele. Ein historisches Ereignis, welches immer noch unbeschreibliche Wut und Zorn gegenüber den Tätern und ein großes Schuldempfinden und Trauergefühl gegenüber den Opfern in den Menschen hervorruft. Und das mit Recht!
Filmische Versuche die deutsche Geschichte zu verarbeiten kamen überwiegend aus dem Ausland- man traute sich nicht so wirklich an das Thema ran, denn es bestanden Zweifel an der Akzeptanz der eigenen Aufarbeitung der Nazizeit. Diesen Akzeptanzmangel belegen auch einige wenige Kritiken hier auf der Seite, die selbst in diesem hochkritischen Film von Oliver Hirschbiegel nationalsozialistische Elemente, in Form der Verharmlosung der Nazis, sichten möchten! Unverständnis macht sich diesbezüglich bei mir breit und wirft die Frage auf: „Wann sollen wir denn mit der Aufarbeitung anfangen?“
So lasse ich diese Stimmen Stimmen sein und hoffe das jenes Kritikbewusstsein dieser Autoren sich baldigst mit ihrem Geiste in Verbindung setzt.
Wir schreiben den 27 April des Jahres 1945.
Das Ende des deutschen Reiches ist besiegelt, denn die Rote Armee gewinnt langsam aber sicher die Oberhand über die Reichshauptstadt Berlin.
Adolf Hitler (Bruno Ganz) ist sich der drohenden Niederlage bewusst, doch der Kampf soll bis zum letzten Mann beziehungsweise Kind andauern. Die Wehrmacht resigniert langsam aber sicher wobei SS und Hitlerjugend unbeirrt ihren aussichtslosen Kampf gegen die feindlichen Truppen fortführen.
Im Schutz des Führerbunkers werden die letzten drei Tage der hohen Nazitiere dem Publikum präsentiert. Im besiegelten Schicksal des Naziterrors spiegelt sich im Bunker Chaos, erheuchelte Hoffnung, Selbstbetrug, Verdrängung und Feigheit wieder, wobei sich Letztere in Form des Suizids bei Hitler (30 April 1945) und Goebbels samt Familie (1 Mai 1945) manifestiert, ja selbst die Kinder wurden von Magda Goebbels mit Zyankali (Blausäure) vergiftet.
Hoffnungslosigkeit und krankhafte Megalomanie passen nicht zueinander und so war der Freitod Hitlers vorhersehbar!
Bruno Ganz ist einer der ganz großen deutschen Schauspieler, denn er verkörpert Hitler so authentisch, dass man das, entschuldigt, „Kotzen“ kriegt. Mir fuhr ein kalter Schauer über den Rücken als ich ihn sah. Ganz lässt Hitler für über zwei Stunden wieder auferstehen und das macht Angst! Er spielt alle anderen an die Wand, aber das soll auch so sein, denn neben Hitler sahen alle anderen hohen Beamten des faschistischen Apparates blass aus! So liegt das nicht an der mangelnden schauspielerischen Begabung der anderen Darstellerinnen und Darsteller!
Eichingers Produktion und Hirschbiegels Regieleistungen setzen einen Meilenstein der deutschen Filmgeschichte, in dem sie sich an ein brisantes Thema der deutschen Historie ranwagten! Sie haben diese Aufgabe mit Bravur gemeistert, was ohne Ganz seine Leistung und der anderen Darsteller undenkbar gewesen wäre. So wurden auch Zeitzeugenberichte, auch von ehemaligen Nazis (T. Junge) einbezogen, was die Authentizität dieses Films gewährleistet.
Erschreckend und genial; ermahnend und aufrüttelnd zugleich! Eine Pflichtlektion für alle Deutschen!
10 Punkte