Review

Der Film zeigt aus der Perspektive von Traudl Junge, gespielt von Alexandra Maria Lara, der Sekretärin von Adolf Hitler, gespielt von Bruno Ganz, die Ereignisse, die sich in den letzten Stunden des deutschen Reiches, während die russischen Soldaten Berlin Stück für Stück einnahmen, im Führerbunker abspielten.

Mit einem Budget von 13,5 Millionen Euro war "Der Untergang", von keinem geringeren als Bernd Eichinger produziert, eine der mit Abstand teuersten deutschen Produktionen, die jemals abgedreht wurden, was sich allein schon beim bloßen Überfliegen des überaus namenhaften Casts erahnen lässt. Das Aufsehen, das der Film erregte, zumal die filmische, wie auch die literarische Verarbeitung der Geschehnisse im Rahmen der NS-Diktatur nach wie vor allgemeinen Anlass zur öffentlichen Diskussion gibt, enorm hoch. Darüber hinaus war "Der Untergang" mit einer Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film, einer Platzierung in der Top 100 der IMDB, als einer der wenigen deutschen Vertreter, und einem weltweiten Einspielergebnis von über 90 Millionen US-Dollar in allen Belangen sehr erfolgreich. Und das zu Recht!

Zunächst einmal steht bei "Der Untergang" die historische Authentizität, die Korrektheit des Geschehens deutlich im Vordergrund, so basiert das Werk unter Anderem auf dem, was Hitlers Sekretärin Traudl Junge über die Geschehnisse im Führerbunker berichtete und bleibt über die volle Laufzeit auf dem Boden der Tatsachen und allein dieser, beinahe dokumentarischer Charakter, den der Spielfilm zwischenzeitlich entfaltet, ist das Ansehen der Geschichts-Stunde schon einmal wert. Zudem geht die Entscheidung, Traudl Junge, auf deren Berichten der Film teilweise basiert, als Identifikationsfigur, aus deren Perspektive der Einblick in den Führerbunker gezeigt wird, zu wählen voll auf, da Hitler, Goebbels und die anderen überzeugten Nationalsozialisten als Identifikationsfiguren ausscheiden, woran der Film vermutlich im Endeffekt gescheitert wäre. Da die Ereignisse dennoch wiedergegeben werden, ohne vorher durch die Identifikationsfigur reflektiert worden zu sein, bleibt so dennoch ein Höchstmaß an Authentizität erhalten.

Die Charaktere gewinnen im Laufe des Films durchaus an Profil und werden von Eichinger, der auch das Drehbuch verfasste, gelungen entwickelt. So wird Hitler nicht ausschließlich als Massenmörder, als Feindbild, als Monster und Teufel dargestellt, sondern auch als alter Mann, der nicht mehr wahrzunehmen scheint, dass er gescheitert ist, oder es sehr wohl weiß und es nur verdrängt, sowie als beinahe fürsorglicher Mann, der seine Frau und seine Sekretärin des Öfteren tröstet und beruhigt. Die Distanz zu Hitler halten Eichinger und Hirschbiegel dennoch hoch und lassen ihn zu keinem Zeitpunkt sympathisch erscheinen, und dies auch ohne, dass man ihnen eine monoperspektivische Konstruktion vorwerfen könnte. Selbiges gilt für die Nebenfiguren, von denen die wichtigsten gelungen konstruiert sind, wobei vielleicht ein paar Personen zu viel in den Film integriert werden, die den Film mitunter etwas unübersichtlich gestalten. Vorwürfe, dass manche Nebenfiguren dann doch etwas idealisiert wurden, wie etwa Prof. Dr. Ernst Günther Schenk, der im Film als Humanist und Stimme der Vernunft dargestellt wird, obwohl er als Arzt beispielsweise Menschenversuche an Juden durchgeführt hatte, gab es seitens der Historiker natürlich dennoch, aber mehr konnte der Film bei einer Laufzeit von unter drei Stunden in Anbetracht der Anzahl der Figuren definitiv nicht leisten, wobei man, wie gesagt, auch ein paar von ihnen hätte auslassen können, um die Übersicht zu erhöhen und die vorhandenen Charaktere tiefer konstruieren zu können. Da der Zeitgeist jedoch gut verdeutlicht wird und veranschaulicht wird, was das Ende des Nationalsozialismus für seine glühenden Anhänger bedeuten musste, etwa, wenn Goebbels seine eigenen Kinder tötet, weil sie nicht in einer Welt ohne Führer aufwachsen sollen, oder Traudl Junge, die sich nie so recht mit den Idealen der Nazis identifizieren konnte, in Tränen ausbricht, weil es sich dem Ende nähert, lassen sich diese Fehler durchaus verzeihen.

In dem Gewirr aus dutzenden Charakteren, einigen Handlungssträngen und einigen Subplots, die neben den Ereignissen im Führerbunker auch die auf Berlins Straßen während des Angriffs der Russen aufzeigen, behält Oliver Hirschbiegel, der schon mit "Das Experiment" sein Können unter Beweis stellen konnte, die Übersicht. Zu keinem Zeitpunkt verirrt er sich im Handlungskonstrukt und baut die einzelnen Subplots dramaturgisch geschickt genug auf, um durchgehend Spannung aufbauen zu können. Über weite Strecken hält er auch ohne einen wirklich auffälligen Score eine bedrückende, gespannte Atmosphäre aufrecht, wobei ihn auch die starken Darsteller tatkräftig unterstützen und erreicht so einen enorm hohen Unterhaltungswert, ohne, dass das Geschehen überdramatisiert wirken würde und damit die Authentizität verloren ginge.

Auch ansonsten ist der Film handwerklich überaus gelungen, immer wieder inszeniert Hirschbiegel dramaturgische Spitzen, die kaum fesselnder sein könnten, etwa, wenn Magda und Joseph Goebbels ihre eigenen Kinder töten, oder im halb zerstörten Berlin Soldaten und Zivilisten sterben, obwohl der Krieg schon lange verloren ist. Das allgemeine Gefühl der Angst, dass seinerzeit geherrscht haben muss, wird von Hirschbiegel auf Dauer erzeugt. Auch wenn der, je nach Fassung 150 bis 175 Minuten lange Film durchaus die eine oder andere Länge haben mag, da ja einige Schauplätze, Plots und Figuren vorhanden sind und verknüpft werden müssen, fesselt der Film damit beinahe durchgehend, da auch die wenigen Action-Szenen überzeugend inszeniert sind und auch die Ausstattung, sowie die Kulissen sehenswert sind.

Auch darstellerisch ist "Der Untergang" einer der besten deutschen Filme aller Zeiten. Dass sich Bruno Ganz enorm intensiv auf seinen Part vorbereitet hatte, merkt man so mehr als deutlich. Gestik, Mimik, Stimme, Akzent und Betonung könnten praktisch von Hitler selbst stammen, so sehr verschmilzt er mit seiner Rolle. Neben der Authentizität, mit der er Adolf Hitler exzellent spielt, erzeugt er eine gigantische Leinwandpräsenz, die Präsenz, das Charisma, das Hitler im Endeffekt an die Macht kommen lies und zieht damit die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich, der so durchaus verstehen kann, weswegen selbst seine engsten Vertrauten und seine Berater in seiner Gegenwart unsicher, beinahe ängstlich agierten und es niemand wagte, Hitler mitzuteilen, dass der Krieg im Grunde schon verloren ist. Dafür hätte er bei den Oscar-Nominierungen eigentlich berücksichtigt werden müssen.

Der restliche Cast weiß aber ebenfalls zu überzeugen. So spielt Alexandra Maria Lara ihren Part versiert und ist mir ihrer sympathischen Art eine hervorragende Identifikationsfigur. Besonders herausragend ist darüber hinaus die Leistung von Corinna Harfouch in der Rolle der Magda Goebbels, deren leidenschaftlichen Einsatz für die Nazis und Hitler, sie hervorragend auf die Leinwand bringt. Bis in die Nebenrollen ist die Besetzung auch ansonsten einfach grandios und gespickt mit namenhaften deutschen Darstellern wie Heino Ferch, Thomas Kretschmann, Christian Berkel und Ulrich Noethen.

Fazit:
"Der Untergang" ist definitiv einer der besten deutschen Filme seit langer Zeit. Der Film fesselt mit seinen grandiosen Darstellern, allen voran natürlich Bruno Ganz, der hohen historischen Authentizität und seiner nahezu erdrückenden Atmosphäre von Anfang bis Ende und bietet kaum Kritikpunkte auf, auch wenn kleinere Längen entstehen, da die Story stellenweise vielleicht mit zu vielen Nebenfiguren etwas überladen ist.

90%

Details
Ähnliche Filme