Dieser Film hat mich zwiespältig zurückgelassen.
Sicherlich ist es an an vielen Stellen guter Film, auch grundsätzlich ein wichtiger Film, der eine so bisher in dieser Intensität noch nicht dargestellte Sicht auf die letzten Tage des Hitler-Regimes bietet [und hier kann man der Meinung Joachim Fests nur zustimmen, dass sich dadurch "in nuce" die ganze Bandbreite der Verbrechen, der Grausamkeit, aber auch der Banalität der NS-Diktatur und ihrer Vertreter aufzeigen lässt].
Aber hier fangen auch zum Teil meine Schwierigkeiten an. Der Film ist mit über zweieinhalb Stunden schon recht lang geraten, aber er bemüht sich auch möglichst viele Facetten abzudecken, womit er den einzelnen Themen dann aber nur noch bedingt gerecht werden kann, da die Zeit fehlt, sie zu vertiefen (sie werden halt nur angerissen) - Beispiele dafür wären: antsemitische Ausfälle Hitlers in den Gesprächen (die Shoa selber spielt jedoch keine Rolle), der SS-Arzt, der sich und seine Familie tötet, da er auf Befehl des Führers nicht fliehen darf (eine Auseinandersetzung mit seinen Taten findet aber nicht statt), die "Lynchjustiz" durch marodierende Banden auf den Straßen Berlins, die Leiden der Bevölkerung im Bombenkrieg gegenüber den ausufernden Feiern im Führerbunker, die Menschenverachtung einzelner Vertreter des Regimes, die auch vor den eigenen Kindern nicht Halt macht (besonders grausam die Tötung der Kinder durch Frau Goebbels) und und und... - all das sind wichtige Aspekte, die aber zum Teil in der großen Zusammenschau untergehen. Ich frage mich, ob hier der Film nicht zu viel wollte bzw. ob sich die Komplexität des Themas überhaupt in einem abendfüllenden Kinofilm zusammenfassen lässt.
In Bezug auf die oben angesprochene Tötung der eigenen Kinder durch Magda Goebbels erscheint mir - wie vielen anderen Rezensenten - die Altersfreigabe ab 12 nicht nachvollziehbar. Überhaupt meine ich, dass auf die ungekürzte Darstellung dieser Tötung - quälende Minuten in denen Corinna Harfouch als Magda Goebbels den sechs schlafenden Kindern die Giftkapseln in den Mund legt und zerdrückt - besser hätte verzichtet werden sollen - es hat schon etwas vom "Weiden an der Grausamkeit". Ein kurzes Zeigen, wie Frau Goebbels in das Schlafzimmer geht und nach einer Weile wieder herauskommt, hätte m.E. gereicht, um die Unfassbarkeit der Tat zu verdeutlichen. In der Zwischenzeit hätte ggf. ein Zoom auf das Gesicht des vor der Tür wartenden Ehemanns weitere Aspekte des Ehepaars Goebbels verdeutlichen können.
Die Darstellung Joseph Goebbels durch Ulrich Matthes soll als Ausgangspunkt dienen, um noch etwas zu den Schauspielern zu sagen. Grundsätzlich sind alle bemüht, die von ihnen verkörperten historischen Figuren möglichst den Vorgaben entsprechend wiederzugeben (diese Schwierigkeit ist nicht zu unterschätzen, sind doch viele dieser Personen aus zeitgenössischen Dokumenten oder durch andere filmische Darstellungen gut dokumentiert bzw. entsprechend besetzt - hier eine eigene "Interpretation" der Rolle abzugeben, gestaltet sich sicher schwer). Zudem ist es sicherlich nicht einfach so menschenverachtende Personen der Zeitgeschichte (insbesondere als Deutscher) verkörpern zu müssen, was man m.E. in einigen Szenen den Schauspielern anmerkt. Sie flüchten in ein "overacting" bzw. sind sichtlich bemüht, die entsprechenden Szenen schnell hinter sich zu bringen (wobei für ein intensives Spiel - manchmal auch ohne Worte keine Zeit bleibt). Für mich am augenscheinlichsten bei Ulrich Matthes, aber auch bei anderen. Verantworten muss aber dies in letzter Konsequenz der Regiesseur Oliver Hirschbiegel, der die Anweisungen gegeben hat. Ausnehmen von dieser Kritik möchte ich jedoch Bruno Ganz, auch wenn man ihn an einigen Stellen aufgrund der vernuschelten Aussprache nicht versteht (vielleicht hat er als gebürtiger Schweizer auch die größere Distanz zu den Figuren und Themen, die deutsche Schauspieler nicht haben).
Grundsätzlich finde ich es richtig und wichtig auch die "Banalität des Bösen", wie es Hannah Arendt nannte, in einem solchen Film über die letzten Tage Hitlers darzustellen. Man sollte aber aufpassen, dass es nicht zu sehr "menschelt" und man unwillkürlich Sympathien für die dargestellten "Menschen" empfindet. Überhaupt sollten auch mit Blick auf die Hauptfigur, der Hitlersekretärin Traudl Junge, auch kritischere Töne angeschlagen bzw. deren Sichtweise zumindest hinterfragt werden. So behauptet sie in einen Interviewausschnitt am Ende des Films, dass sie vom Ausmaß der Verbrechen nichts gewusst habe und ihr erst lange nach dem Krieg durch eine Hinweistafel auf Sophie Scholl klar geworden sei, dass man mehr hätte wissen können. Dies halte ich für eine Schutzbehauptung, um mit der eigenen Mitschuld klar zu kommen. Wenn schon die Bevölkerung auf dem Land bzw. in den Städten die Verhaftung und den Abtransport ihrer jüdischen Mitbürger und anderer unliebsamer Personen mitbekommen hat, sollte die Sekretärin des Führers im Machtzentrum deutlich mehr gewusst haben, als sie letztendlich zugibt. Ärgerlich hier die unkritische Sicht der Journalistin Melissa Müller, wie sie im Bonusmaterial deutlich wird.
Meine Sicht auch den Film ist wie gesagt zwiespältig. Ich glaube, er ist wichtig, scheitert aber an einzelnen Stellen.
Was er jedoch auf alle Fälle erreicht, ist eine Auseinandersetzung des Zuschauers mit ihm und seinem Thema - und das ist vielleicht das Wichtigste.