Review

"Ich muss hier in Berlin eine Entscheidung herbeiführen oder untergehen."

Im April 1945 liegt das deutsche Reich in seinen letzten Zügen. Adolf Hitler (Bruno Ganz) hat sich infolge des zweiten Weltkrieges mit seinem Stab in einen Bunker in Berlin zurückgezogen, während die Alliierten die Stadt stürmen. Während Hitlers Freundin Eva Braun (Juliane Köhler) noch am Partys feiern ist, spalten sich die ersten seiner engsten Untergebenen ab. Sie versuchen den Führer dazu zu bewegen Berlin zu verlassen und denken an ihre eigene Flucht. Mitten unter ihnen befindet sich auch die Sekretärin Traudl Junge (Alexandra Maria Lara), die den langsamen Verfall beobachtet.
In den Ruinen von Berlin steht die Zivilbevölkerung unter Beschuss. Die wenigen deutschen Soldaten können den Ansturm der Alliierten nicht verhindern. In diesen Kriegswirren setzt sich der Arzt Ernst Günther Schenck (Christian Berkel) für die Bedürftigen ein.

Erstmalig befasst sich ein Film mit einer historischen Person, die gerade im deutschen Raum immer wieder als Abschreckungsbeispiel genommen wird: Adolf Hitler. "Der Untergang" ist jedoch keine komplette Biographie sondern befasst sich nur mit den Ereignissen zwischen dem 20. April und 02. Mai 1945, sprich, seinen letzten Lebenstagen. Die politischen Einflüsse und die Judenverfolgung muss sich das Publikum also kein weiteres Mal zumuten lassen.

Der Erzählstrang teilt sich auf. Einerseits steht Hitler mit seinem politischen und militärischen Stab im Fokus, andererseits ein paar Personen in den zerbombten Ruinen von Berlin. Daraus ergibt sich eine gute Mischung aus klaustrophobischem Drama und explosivem Kriegsfilm. Trotz der Nähe zu seinen Figuren und der dokumentarischen Herangehensweise, bleibt "Der Untergang" zu den meisten Charakteren distanziert. Bei einer so brisanten Thematik ist das kein Wunder. Aber auch die geringe Sympathie zu den Charakteren leistet ihren Beitrag dazu.

Die Entmystifizierung von Hitler ist erstaunlich. Die stets nebulöse Person erhält hier ein menschliches Profil, dass stellenweise beinahe bemitleidenswert erscheint. In keinem anderen Film lief Hitler so gekrümmt, so blass, faltig und mit den Nerven am Ende über den Bildschirm. Zu Beginn des Films wirkt er sogar sympathisch. Und dennoch bleibt sein Wahnsinn erhalten. Wenn er mit seinem Stab diskutiert, sind seine Worte drastisch und die ausdrucksweise radikal.

Für eine deutsche Produktion ist die Technik gehoben. Explosionen und Partikeleffekte sind zwar durch unharmonische Einbettung schnell als digitale Effekte enttarnt, die farblich entsättigten Bilder, die zerstörten Kulissen und die aufwendige Ausstattung gleichen dieses Manko aber wieder aus. Die bedrückende Stimmung ist allgegenwärtig, macht "Der Untergang" aber auch etwas mühsam.

Bruno Ganz ("Der Baader Meinhof Komplex") verschmilzt gänzlich in seiner Rolle. Sein variantenreiches Schauspiel ist impulsiv und eindringlich. Weitere bekannte deutsche Größen, wie Christian Berkel ("Das Experiment"), Thomas Kretschmann ("King Kong", "Resident Evil: Apocalypse", "Stalingrad") und Justus von Dohnányi ("Das Experiment"), sind ähnlich verspielt, stehen aber gänzlich im Schatten von Ganz.

In präzisen, aufrüttelnden und eiskalten Bildern vermittelt "Der Untergang" ein Stück Geschichte aus einem neuen Blickwinkel. Hitler ist hier nicht nur Wahnsinniger sondern auch Mensch. Eine gewagte Herangehensweise, die selbstverständlich nicht von allen Zuschauern gut aufgenommen werden kann. Sieht man von der Kontroverse ab, eröffnet sich ein eindringliches Drama eingebettet in einen aufwendigen Kriegsschauplatz. Die Langfassung gibt noch etwas mehr Hintergrundinformation, wirkt aber auch gestreckt.

8 / 10

Details
Ähnliche Filme