„Der Untergang“ ist ein packendes, teilweise dokumentarisch anmutendes Drama über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs.
So verzichtet „Der Untergang“ auch auf eine Handlung im herkömmlichen Sinne: Die Geschehnisse sind so gut wie jedem Zuschauer zumindest in Grundzügen bekannt und schildern fast ausschließlich die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Berlin, wo Adolf Hitler (Bruno Ganz) mit seinen Offizieren in seinem Bunker hockt und sich weigert einzusehen, dass der Krieg verloren ist. Eine zentrale Figur hierbei ist auch Traudl Junge, im Film dargestellt von Alexandra Maria Lara. Die echte Traudl Junge starb 2002 und einige Interviewfetzen mit der ihr leiten den Film ein und beenden ihn auch.
So lebt der Film vor allem von seiner realistischen Atmosphäre: Alle damals dort anwesenden Personen und ihre Schicksale werden historisch korrekt dargestellt und die Darsteller sind so zu Recht gemacht, dass sie ihren Vorbildern möglichst ähnlich sehen. Auch wenn man nur einige Fotos der wichtigen Offiziere der damaligen Zeit kennt, so merkt man, dass man hier mit sehr viel Sorgfalt recherchiert hat, um das Geschehen auch optisch möglichst korrekt nachzustellen.
Glücklicherweise kommt hier Dramatik ohne moralischen Zeigefinger auf: Das Geschehen wird nüchtern präsentiert und auch aus der Art lässt sich an sich kaum ein Kommentar ableiten. Stattdessen erlebt man, wie Hitler immer mehr in Wahnvorstellungen abgleitet, nicht mehr existente Armeen anrücken lassen will und seine fehlgeleitete Ideologie immer noch weiter durchziehen will. Auch die entweder vernünftigen oder törichten Reaktionen seines Umfeldes (die weltfremde, immer noch feiernde Eva Braun, die um Frieden bemühten Offiziere usw.) werden einfach nur geschildert, sodass der Zuschauer selbst den Unwirklichkeit dieses menschlichen Wahnsinns erkennt, der zu den schrecklichsten Abschnitten der Geschichte gehört. Daher ist eine Moralpredigt gar nicht nötig und das hat Regisseur Oliver Hirschbiegel glücklicherweise erkannt.
Zudem verfällt der Film nicht in Schwarz-Weiß-Malerei, sondern zeigt diverse Seiten seiner Charaktere. Plumpe Gut-Böse-Schemata sind nicht ganz so einfach anzuwenden und so spricht der Film selbst Hitler menschliche Seiten zu, auch wenn aus dem Geschehen eindeutig klar wird, dass es sich bei ihm einen wahnsinnigen Diktator handelte. Auch einigen porträtierten Charakteren merkt man an, dass ihre Begeisterung für die NS-Ideologie auch zum Teil aus dem Mangel an eigener Persönlichkeit und eigenen Werten herrührte, sodass hier nicht alle Deutschen über einen Kamm geschoren werden. Doch nicht nur das Leben der Offiziere, sondern auch die Leiden der Zivilbevölkerung werden deutlich gezeigt. Hier können vor allem die Bilder des vom Krieg gebeutelten Berlin überzeugen, die zwar auch optisch was hermachen, aber nie für plumpe Action sorgen sollen. Hierbei scheut „Der Untergang“ auch kein Thema und der Zuschauer muss mit der schonungslosen Darstellung der damaligen Zeit zu Recht kommen: Kinder, die als Soldaten kämpften, Morde an angeblichen Deserteuren in der Zivilbevölkerung, sinnloses Verheizen von Soldaten trotz des verlorenen Krieges usw.
Trotz der Überlänge kann der Film fast seine komplette Spieldauer fesseln und präsentiert seinen nicht gerade einfach zu verdauenden Inhalt fast ohne Längen. Nur gegen Ende lässt „Der Untergang“ leider nach, denn dort artet das Geschehen fast in eine Abfolge von Selbstmorden aus. Dies ist zwar historisch korrekt und daher nicht sehr viel anders darstellbar, aber vielleicht hätte man dies doch geringfügig straffen können.
Die Darsteller sind allesamt große Klasse, von Jungtalenten wie Alexandra Maria Lara bis hin zu erfahrenen Schauspielern wie Heino Ferch. Vor allem Bruno Ganz gebührt großer Respekt, der sehr realitätsnah die Figur des Hitler darstellt (auch was die eigenwillige Sprechweise und ähnliche Charakterzüge angeht). Schließlich ist es für ihn und viele andere Darsteller des Ensembles keine leichte Aufgabe, einige der größten Verbrecher gegen die Menschlichkeit darzustellen und diesen trotzdem menschliche Züge zu verpassen.
Gegen Ende lässt „Der Untergang“ etwas nach, aber trotzdem hat Oliver Hirschbiegel einer der besten deutschen Filme gedreht, der auch kontroverse Themen nicht scheut und gleichzeitig mit sehr viel historischer Korrektheit überzeugt.