Review

Verfilmungen über das 3. Reich, Adolf Hitler und den 2. Weltkrieg gibt es viele. Doch wohl kaum eine wurde bereits im Vorfeld so heftigst diskutiert wie Bernd Eichingers Projekt "Der Untergang", basierend auf dem gleichnamigen Buch des Historikers Joachim Faust und dem Buch "Bis zur letzten Sekunde", den Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge! Die letzten 12 Tage der Schreckenstyrannei Adolf Hitlers und Hitler dabei nicht nur als Tyrannen, sondern auch als den "Menschen Adolf Hitler" zu zeigen. So etwas glaubwürdig hinzukriegen ist eine schier unlösbare Aufgabe. Und doch haben es die Macher des Films ohne Frage geschafft.

Regisseur Oliver Hirschbiegel zeigt den Krieg so wie er war. Historisch genau hält er sich an den Überlieferungen, an dem was man bis heute über diese letzten Stunden und Tage des Krieges weiß. Dabei führt er einem den Schrecken des Krieges auf schier erdrückende Art und Weise genauso vor Augen wie die Hauptfigur dieses Krieges.

Vor allem Adolf Hitler ist es, auf den der Film hauptsächlich blickt. Er wird als das Monster gezeigt was es ist, ein unnachgiebiger Tyrann, ein Grauen das niemals aufgibt oder kapituliert, auch wenn eh schon alles verloren ist. Doch im gleichen Atemzug sieht man Hitler als Menschen, obwohl er keinerlei Menschlichkeit mehr in sich trägt. Als jemand, der sich von den Kindern seines Stellvertreters etwas vorsingen lässt. Als jemanden, der noch vor seinem garantierten Tod seine Frau heiraten will. Als jemanden, der geknickt über seine Niederlage ist. Als jemanden, der krank ist. Ja als sogar als jemanden, der sogar eine Träne vergießen kann. Doch im nächsten Moment wird einem wieder der Tyrann gezeigt, der mit nichts und niemanden Mitleid hat, nur mit sich selber. Einem Teufel, der sogar bereit ist sein eigenes Volk zu opfern, weil es ihm den Sieg nicht schenken konnte. Hirschbiegel zeigt diese mächtige Gradwanderung auf glaubwürdigste Art und Weise, so dass man diesem "Menschen", den man da gerade auf der Leinwand erlebt, eigentlich nur die größte Verachtung schenken kann, die ihm gebührt.

Nebenbei zeigt "Der Untergang" aber auch die vielen Personen, mit denen Hitler sich umgab.
Traudl Junge, seine Sekretärin, die neben Hitler die Hauptperson des Films darstellt. Ihr Leben mit dem Schrecken, ihre Hassliebe zu Hitler, ihren Eifer dem Tyrannen jeden Wunsch zu erfüllen und ihm zur Seite zu stehen.
Eva Braun, die Geliebte Hitlers, die ihren Freund abgöttisch liebt und sogar noch heiraten will um mit ihm in den Tod zu gehen.
Magda Goebbels, die in ihrer unglaublichen Perversion sogar ihre eigenen sechs Kinder tötet, als sie durch den Tod Hitlers ihre Zukunft für immer zerschlagen sieht. Und dies sind nur einige der Personen die, verschlungen im Film, hier auf korrekte und glaubwürdige Art porträtiert werden.

Zwischendurch zeigt man uns aber auch Kriegsszenarien, die die beklemmenden und unglaublich traurigen Szenen noch erschreckender und realistischer an einen heran lassen kommen. Szenen in denen Bomben aufschlagen und Leben zerstören, Szenen in denen unschuldige Menschen durch Kugelhagel getötet werden. Ein Schreckensszenario, welches es leider heutzutage immer noch auf dieser Welt gibt.
Auf Blut-Effekte wird dabei, glücklicherweise, größtenteils verzichtet. Denn das grauenhafte Szenario, was sich einem bereits durch das Gezeigte im Kopf fest setzt, ist schon schlimm genug.

Die Inszenierung des Geschehens ist Hirschbiegel, wie schon öfters erwähnt, auf glaubwürdige Art und Weise gelungen. Es wurde sich wirklich viel Mühe gemacht, um diese erschreckenden Zeiten für die Leinwand wieder lebendig zu machen und dem Publikum mit unglaublicher Verachtung des Gezeigten, vor die Augen zu führen. Alle Kulissen, die Kostüme, die Ausstattung, die Maske, ja wirklich alles wurde mit Liebe zum Detail erstellt, so dass man das Geschehen auch wirklich glauben kann und muss. Ein Beweiß dafür, dass auch Deutschland Filme mit großem Format erstellen kann.

Ein ganz großes Lob gebührt aber vor allem Bruno Ganz. Ich glaube, dass ich schon sehr sehr lange keine so brillante Darstellerkunst mehr gesehen habe, wie bei ihm als Adolf Hitler. Auch wenn es etwas drastisch klingen mag, aber Ganz spielt in diesem Film nicht Adolf Hitler, er ist es! Sein Spiel des wohl grausamsten Lebewesen, das je auf dieser Erde existiert hat, ist so bedrückend wie genial. Egal ob es die Art des Sprechens ist, ob es die Wutanfälle sind oder seine ganze Mimik und Gestik. Bruno Ganz ist hier so stark in seine Rolle verfallen, dass er sicher selbst ganz erschreckt sein dürfte, wenn er sich seine Leistung im Kino ansehen wird (wenn er das überhaupt macht). Glaubwürdiger geht es nicht!

Aber auch alle anderen Darsteller sind großartig. Alexandra M. Lanz, Heino Ferch, Ulrich Noethen, Ullrich Matthes, Juliane Köhler, Thomas Kretchmann, Christian Berkel und die großartige Corinna Harfouch sind nur die ganz großen Namen unter den Darstellern. Allesamt spielen sie auf höchstem Niveau, die dem Spiel von Ganz kaum nachstehen. Genauso wie alle Statisten und Schauspieler, die mir gerade nicht einfallen. Ein Schauspielerexemple par excellence!

Fazit: Beklemmende und unglaublich realistische Wiederspiegelung der letzten 12 Tage von Hitler und seiner Diktatur. Weit entfernt von jeglicher Verklärung und ohne auch nur einem Fünkchen der Verharmlosung des Krieges, wird einem der Schrecken direkt vor Augen geführt und der unglaubliche zerstörerische Wahn einer einzelnen Person, welche den Tod von über 50 Millionen zu verantworten hat, auf erschreckende Weise greifbar gemacht. Mit einem brillanten Hauptdarsteller und einer aufwändigen Inszenierung, stellt dieser Film wohl ohne Frage einen der wichtigsten Streifen unserer Zeit da. Kleinere Längen zwischendurch kann man da locker übersehen!

Ein Film den eigentlich jeder sehen muss!

Wertung: 9,5/10

Details
Ähnliche Filme