Kinofassung
Feiges Führen, faules Fauchen, falsches Folgen
„Der Untergang“ hätte die Kraft gehabt das finale Wort des Deutschen Films zum zweiten Weltkrieg zu sein und erzählt von den letzten Tagen von Adolf Hitler und seinen Gefolgsleuten in Berlin - zwischen Wahnsinn, blindem Gehorsam, Verzweiflung und anrückendem Tod…
Bunker, der die Welt verleumdet
In seiner Intensität und Enge wahrscheinlich nur getoppt von „Das Boot“, ist „Der Untergang“ wortwörtlich eine harte Pille zu schlucken. Den Beton und die Erschütterungen, den Schweiß und die Spucke, den Hass und die Verzweiflung, die Verblendung und die Verleumdung - alles ist quasi durch die Leinwand zu riechen, zu fühlen, zu schmecken. Und es schmeckt nach Blut, nach Stahl, nach Tod, nach Gift, nach Chaos und eben (gerechtem!) Untergang. Ein toxisches Reich am Ende. Ein Tyrann am Boden. Eine böse Ideologie ad absurdum geführt. Das sind schwer durchzustehende zweieinhalb Stunden. Nicht weil es schade ist, dass und wie die Nazis zu Grunde gehen. Sondern wie das zustande kommen konnte, wen sie mit in den Abgrund reißen, wie unwürdig sie ihr eigenes Land behandeln, wie vercheckt man einem Mann und seiner glasklaren Boshaftigkeit folgen kann. Bruno Ganz spielt Hitler als ob es um sein Leben ginge - eine Leistung für die Ewigkeit! Die audiovisuelle Wucht ist brachial. Die beachtliche Menge an Charakteren ufert weder aus noch lenkt sie ab. Die Sets und Ausstattungen sind (nicht nur für deutsches Kino) top notch. Alexandra Maria Lara ist ein süßer Anker in all dem Elend. Und die hier dargestellte Unmenschlichkeit und Verheizung der deutschen Bevölkerung in einem längst verlorenen Krieg bleiben noch lange nach dem Abspann bei einem. Grauer, auswegloser und härter wird’s nicht. Und näher war man Hitler, sowohl als Führer wie als Mensch (!), filmisch außerhalb von Dokus nie. Und in dieser bestialischen Begleitung ist man nur äußerst ungern… Wahrscheinlich der eindringlichste und ehrlichste „Hitlerfilm“ aller Zeiten. Aber noch viel mehr als das. Denn einige ideologische Aussagen, die hier Hitler und seine Erschiessgesellen rauskeifen, hört man heutzutage leider schmerzhaft an manch einem Stammtisch oder gar auf manch einem Parteitag erneut. Ungeniert und unreflektiert. Was mich innerlich zittern und frösteln lässt. „Der Untergang“ hat eine direkte wie indirekte, damalige wie baldige Dringlichkeit, die die Erde beben lässt wie russische Flakgeschosse.
Berlin nicht am sondern im Abgrund
Fazit: starke Verdichtung, Aufarbeitung und Interpretation der wahrscheinlich (leider) berühmtesten „deutschen“ Persönlichkeit des vergangenen Jahrhunderts… Führer, Folterknecht, Fatzke, Feigling. Sehenswertester Geschichtsunterricht. Mehr als nur eine Szene geht an die Nieren. Ein Gänsehautcharakterporträt von weit mehr als nur einem Teufel - was es noch gruseliger macht! Plus eine Jahrhundertleistung von Bruno Ganz!
P.S.: Sehr schade, dass die (eigentlich sehr ansehnliche) UHD nicht den noch ausführlicheren und detaillierteren Extended Cut beinhaltet - eine vertane Chance!