Nun Ja...Wieder einmal ist ein deutscher Film in die Kinos gekommen, der von sich selbst beghauptet, den OSCAR für den besten ausländischen Film erobern zu können...
Gleichzeitig steht der Film für mich persönlich schon in einem besonderen Licht: Es ist der einzige Film, in dem ich im Kino war, OBWOHL ER DEUTSCH IST. Eigentlich das größte Kompliment, das ICH einem Film aus deutschem Hause je gemacht habe. Um dieser These einmal entgegenzukommen: Besonderes Ansehen haben Filme deutscher Art, wie etwa Autorenkinofilme, der neue Deutsche Film à la Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog bei mir nie gehabt.
Es ist wohl schon bittere Ironie, dass neben dem "besten deutschen Film aller Zeiten", DAS BOOT, dem selbst die hervorragensten Kritiken nicht die Mittelmäßigkeit im Gegensatz zu 100 gleichwertigen Filmen, die Hollywood jedes Jahr herausbringt, nehmen und "dem erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten", DER SCHUH DES MANITU, über dessen Witze wohl wirklich nur Leute unwitzigen Gemüts lachen können, ausgerechnet DER UNTERGANG über die letzten 12 Tage Adolf Hitlers den weltweit angeschlagenen Ruf des deutschen Kinos wieder aufrichten soll, der vor und nach 1945 noch niemals nur einen Funken qualitative Professionalität im Gegensatz zu wahrscheinlich jedem anderen Land der Welt erreichte.
Die Frage muss also hier geklärt werden, ob wir mit dem UNTERGANG endlich in eine Riege von Filmnationen einsteigen und auf der ewigen Liste von Ländern mit GUTEN Filmen auch mal VOR den USA, England, Frankreich, China, Russland stehen...NaJa, sogar Indien bringt bessere Streifen auf dem Markt als es Deutschland je vermocht gehabt hätte...
Also,
mit den gelungenen Partien des Films fangen wir mal an:
Die schauspielerischen Leistungen des Films sind, obwohl doch SEHR überraschend, SEHR gut, was man, wenn man das mit untalentierten Serienstars und von der Presse als hoch eingeschätzten "Schauspielern" durchflutete Deutsche Kino wie ich schon vor Jahren aufgegeben hat, auf den Schweizer Bruno Ganz zurückzuführen vermag.
Ich teile vollkommen die Reaktionen in der Presse: Noch nie wurde Hitler in solch einer überzeugenden,darstellerische brillianten und glaubwürdigen Art dargestellt wie von Ganz.
Auch Traudl Junge´s Kameraersatz brilliert hervorragend und erweißt sich als eine der wenigen ernst zu nehmenden (Neu)Entdeckungen des dt. Kinos.
Ihr stehen auch andere Schauspieler in nichts nach, auch der ein bisschen komisch wirkende schielende Goebbels macht mir mit seiner realen Darstellung eine Gänsehaut.
Glanzpunkt bleibt trotzdem Ganz, der mit dieser Rolle den Part seinens Lebens spielt und für mich, wenn dies bei der Bürokratie der AMPAS durchzusetzen wäre, mit wenigstens einer OSCAR-Nominierung gerechtfertigt bedient wäre...
Natürlich gibt es weitere interessante Aspekte des Films: Die Kamera ist ausreichend.
Die Musik brilliert zwar nicht, was aber auch nicht zu erwarten gewesen wäre.
Die Kulisse ist sehr gut an die damalige Zeit angepasst und wirkt perfekt mit in den Film ein.
Wenn es wirklich negative Punkte geben sollte, ist es der Film selbst...:
Das Drehbuch bietet eine typische Klammer zwischen Aufbau, Konfrontation und Lösung durch die Interviews Junges, die, wenn man tatsächlich hinhört, eigentlich nicht zu der Thematik des Films passen...
Insgesamt enttäuscht dieses Drehbuch durch einfache Einseitigkeit; man könnte sagen, dass die wahre Leistung der Schreiber und der Regie auf der Tatsache beruht, dass das Script und die Inszenierung nicht groß herausragen...
Es gibt leider zu wenig wirkliche Höhepunkte, die die Scriptklammer I und II und den Höhepunkt charakterisieren und zu wenig Unterschied zu den als Ruhepunkte angesiedelten Tiefpunkten schaffen. Zum Beispiwel hätte mich die letzte Feier vor dem Untergang als Calm-Down-Punkt doch sehr interessiert, die man gut länger hätte auslegen können...
Auch ist die Atmosphäre im Bunker zu einseitig dargestellt, ruhige Momente, die die (dadurch fehlenden) Höhepunkte herausragen lassen, fehlen.
Auch ist die Lösung der Klammer um Junges Interviews nicht immer perfekt übernommen worden; es gibt in dem Film Szenen, die eigentlich nicht direkt mit Junge in Verbindung stehen und somit unnötige Längen schaffen.
ProPo Längen: Auch wenn ein (verdeckter) Hochpunkt die Ermordung Magda Goebbels an ihren Kindern ist...etwas zu lang!
Noch ein Wort zur "Vermenschlichung" Hitlers; Wer daran Anstoß nehmen könnte, dass Hitler ja wirklich als "netter Onkel" dargestellt wird, obwohl er viele Millionen Menschen und 1/3 des gesamten jüdischen Volks auf dem Gewissen hat: WARUM SOLLTE DAS EINE DAS ANDERE AUSSCHLIESSEN? Warum sollte Hitler nicht für die einen ein Massenmörder, für sein eigenes Volk in einer fast schon perversen Art und Weiße als "Führer"und netter Mensch, der sein Volk IN SEINER ART das beste Wollte, sein?
Warum sollte es eine eigeschriebene Regel sein, Hitler als Monster zu ENTMENSCHLICHEN?
Vielleicht steht Hitler ja wirklich für das Böse in uns allen...
Und noch ein Wort zur Entscheidung der FSK:
SKANDALÖS
Ich habe noch niemals einen Film ab 12 Jahren gesehen, in dem so viele Kopfschüsse, Selbstmorde und tote Menschen zu sehen waren!!! [man vergleiche die 16er Freigaben von "Harry und Sally" oder "American Beauty"].
Nicht, dass ich es keinen 12jährigen zumuten lassen würde, den Film zu sehen...aber dieser Kulturpatriotismus, der sowohl bei den Redakteuren von CINEMA, wie auch in der breiten Masse zu finden ist und der im Vergleich harmlosen AMERIKANISCHEN Filmen BESSERER QUALITÄT ihren Stempel aufdrückt, muss einen doch aufregen!!!
FAZIT: Wie schon gesagt ist der Mängel bei dem Film der Film selber...trotz einer OSCARreifen Hitlerdarstellung und netter Ideen wird sich der Film in eine Reihe von Scriptideen- und Regieeinfällen-losen Filmen deutscher Schmiede einzuordnen haben...
6/10