Review

Wenn ein Regisseur sich selbst als größter Fan der Materie outet und deswegen in seinem Debüt eine Fülle an Anspielungen und Querverweisen einarbeitet, ohne sein eigene Vision aus den Augen zu verlieren, muss das einfach honoriert werden. Stephen Norringtons („The League of Extraordinary Gentlemen“) Erstling „Death Machine“ beeindruckte die Produzenten Hollywoods so sehr, dass man ihm drei Jahre später die Regie für „Blade“ übertrug – der endgültige Durchbruch.

Seine Charaktere heißen John Carpenter, Sam Raimi, Scott Ridley, Yutani und Weyland. Selbstironisch werden „Scarface“, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger (inklusive eines „I’ll be back“) zitiert oder Dialoge aus „Hellraiser III – Hell on Earth“ parodiert. Für den erfahrenen Fan gibt es hier einige Verbeugungen vor Genregrößen zu entdecken. Aber „Death Machine“ hat noch mehr zu bieten.

Das Drehbuch, ebenfalls von Norrington verfasst, hält sich ganz simpel an ein einfaches Genrerezept und versetzt das Publikum in eine nicht allzu ferne Zukunft, wo der Waffenkonzern Chaank Corporation mit seinem Slogan „Harte Waffen für eine harte Welt“ wirbt. Nach dem rätselhaften Tod des Firmenbosses tritt Hayden Cale („L.A. Takedown“) das schwere Erbe an. Die PR-Abteilung arbeitet saumäßig, das Image des Konzerns ist am Boden, die Kollateralschaden fordernden Experimente erzürnen die Öffentlichkeit und zu allem Überfluss scheinen auch noch alle gegen sie zu arbeiten.

Grund dafür ist der brillante Wissenschaftler Jack Dante (Brad Dourif, „Best Men“, „Alien: Resurrection“). Dourif spielt sich hier als vollblütiger Mad Scientist in einen regelrechten Rausch. Optisch der Mode Ozzy Osbournes folgend, hat sich dieser kranke Wahnsinnige längst jeglichen ethischen Grundsätzen entledigt und experimentiert unkontrollierbar vor sich hin. Seine Macht reicht inzwischen soweit, dass er niemanden innerhalb des Konzerns mehr Rechenschaft ablegen muss und alles vor ihm zittert. Immerhin hackt der begnadete PC-Freak sich noch in alle Systeme und weiß deshalb über alles bescheid, was innerhalb des Komplexes vor sich geht. Mit verschmierter Langhaarfrisur, Ödipus-Komplex und gleichzeitig putzmunteren Hampelmann-Attitüden darf Dourif hier jedenfalls seinen Spaß haben und ganz auf der Psychopathenschiene weilend, ohne Zwischenhalt durchfahren.
In einer kleinen Minirolle ist hier übrigens zu Beginn auch Rachel Weisz („The Mummy“, „Constantine“) zu sehen.

„Death Machine“ ist ein düsteres, metallisch schmeckendes Unterfangen, das die Vorzüge so eines riesigen Komplexes komplett auslotet. Als Dante des Nachts Cale seine Liebe gesteht, sie ihn aber ablehnt und bewaffnete Pazifisten (Gibt’s sowas eigentlich?) in das Gebäude eindringen, um den Konzern zu Fall zu bringen, lässt das durchgeknallte Genie seine neueste Kreation los: Eine roboterähnlicher Fleischwolf mit messerscharfen Zähnen und Klauen, das Angst wittert und alles in Scheiben schneidet, was es zwischen die Klingen bekommen kann.

Streng genommen ist das natürlich bestenfalls der Stoff für einen einfältiges B-Movies und weil Norrington das weiß, nimmt er sich selbst hier gehörig auf die Schippe. Der ehemalige Effektspezialist (u. a. „Aliens“ und „Alien³“) jagt eine Handvoll Protagonisten quer durch den Komplex, durch dunkle Büros, Tunnel, Fahrstuhlschächte und die Außenfassade des Gebäudes herunter – nicht unbedingt klaustrophobisch, aber dafür spannend. Das unzerstörbare Monster immer an den Hacken. Nun spendiert er diesem Geschöpf gleich ein verspieltes Display mit Health-Anzeige und aufpoppenden Fragezeichen, wenn es mal etwas Unbekanntes zwischen den Krallen hält. Es werden unzählige Dauerfeuer verrichtet, weil sich praktischerweise in einem solchen Gebäude auch jede Menge großkalibrige Waffen anfinden lassen, doch das Ding scheint unaufhaltbar. Deswegen wird ein Mitstreiter dann in einen experimentellen Kampfanzug mit temporären Außensetzern gesteckt, um wenigstens etwas in der Hinterhand zu haben. Der später folgende Faustkampf ist dann so ein ironisches Highlight. Mit diesen überzogenen Einfällen driftet „Death Machine“ dann auch schon mal ins Comichafte ab.

Blutig ist die Angelegenheit weniger, weswegen die Indizierung doch etwas verwundert. Der Bodycount beinhaltet gerade mal eine Handvoll Opferlämmer. Die Stärken liegen hier auch nicht in den Goreszenen, denn davon gibt es erstens wenig und zweitens sind sie dann auch nicht sonderlich detailliert.
Stephen Norrington treibt den trotz seiner relativ hohen Laufzeit von 105 Minuten sehr flotten Genremix (Science Fiction, Action, Horror) mit hohem Tempo voran und gönnt den Dauerflüchtlingen keinerlei Auszeit, denn sicher ist hier niemand. Die durchhängerfreie Inszenierung ist allein deshalb schon erwähnenswert, weil das Budget augenscheinlich nicht sonderlich hoch war. Das wie auf Stelzen laufende Warbeast sieht aus der Totalen jedenfalls etwas gewöhnungsbedürftig aus und bewegt sich auch so, weshalb Norrington auch meist nur Klauen oder Fresswerkzeug zeigt.

Freunde der geradlinigen Hirn-Aus-Unterhaltung machen bei „Death Machine“ jedenfalls nichts verkehrt. Der rasante Filmspaß ist vollgepackt mit Action, Thrill und ordentlichen Effekten, die für eine rein britische Produktion nicht unbedingt selbstverständlich sind. Wer Norringtons unterkühlte Optik aus „Blade“ mochte, wird sich auch in diesem blau gefilterten Regiedebüt wohl fühlen. Dass er hiermit das Rad nicht wusste er selbst und bewies das dann auch mit etlichen Reminiszenzen und einer dicken Portion Selbstironie. Allenfalls die abseits von Dourif agierenden Schauspielleistungen wären zu bemängeln. Dennoch schlägt der geistig ab und zu mal aussetzende, amüsante, seine Direktiven ordnende und deswegen doch sehr deutlich Robocop veralbernde Supersoldat sich ordentlich.


Fazit:
Stephen Norringtons Regiedebüt ist ein irrwitziger, abgedrehter Science-Fiction-Actioner mit Horrorzutaten, der dank seines hohen Tempos richtig Laune macht. Als Filmfan zitiert Norrington hier einen Klassiker nach dem nächsten und bringt trotzdem einen eigenständigen Film zustande. Der banale Plot und die nur durchschnittlichen Darstellerleistungen trüben den Filmspaß dabei kaum. Dafür ist diese Dauerflucht vor dem mechanischen Mix aus T-Rex und Terminator einfach zu unterhaltsam. Actiongeladen, düster, selbstironisch und zudem noch optisch einiges hermachend, gehört „Death Machine“ auf jeden Fall in die erste Liga.

Details
Ähnliche Filme