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Großartiger Kurzfilm, wie man ihn im Arte-Nachtprogramm zu sehen hofft, aber nie bekommt. Es startet mit zwei Homosexuellen im abgefucktesten, versifftesten Pissloch eines Raumes, den man sich nur vorstellen soll: Der eine masturbiert, während er sich vom anderen ankotzen lässt. Das Ganze wirkt wunderbar unaufgeregt und unprätentiös. Also das komplette Gegenteil eines Slaughtered Vomit Dolls (2006), der schreit: Ich bin voll edgy! 

Wir sehen Kriegs-Footage mit brennenden Gebäuden, während einem der übelste Noise von Merzbow um die Ohren geschreddert wird. Szenenwechsel in eine Bar/einen Club, in dem alte Männer sitzen und eine Frau, auf dem Tresen stehend, in ein Glas pisst. Diese Szenerie ist exzellent ausgeleuchtet, ausgestattet und gefilmt. Hier steckt Kohle und Knowhow drin! Kurzum, das ist kein billiger Schund, sondern hochkarätiges transgressives Kino! Allerdings entzieht es sich gängigen Erzählformen und präsentiert einem eine audiovisuelle Erfahrung der nicht alltäglichen Sorte. Es ist mehr eine Szenenabfolge als eine sinnvolle Handlung. Ziemlich experimentell, aber immer interessant und kontrastreich: Aus einer weißen Fläche zeichnen sich allmählich zwei Personen ab, während Noise die Gehörgänge durchschüttelt, Umschnitt auf brachliegende Industriebauten von skurriler Architektur, zum stillen Rauschen der Natur. 

Lässt viel Spielraum zur Interpretation und funktioniert auf sensorischer Ebene als 25-minütiger Rausch ebenfalls hervorragend.

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