Der Börsenmakler Harry Ross kommt auf seiner allabendlichen Jogging-Runde am Haus einer rothaarigen Unbekannten vorbei, die regelmäßig zusammen mit einer weiteren Frau heiße Sex-Spielchen für ihren Freund veranstaltet... ein illustres Treiben, das Harry fast schon zwanghaft durch die herabgelassenen Jalousien ihrer Fenster heimlich beobachtet. Schließlich schwant es ihm dann auch, dass das von ihm an den Tag gelegte Verhalten ja wohl nicht so ganz koscher ist und um sicherzustellen, dass er nicht unwissentlich zu einem Perversen mutiert ist, begibt Harry sich kurz darauf bei der Psychologin Alex in Therapie. Die Spannerei kann er allerdings nicht sein lassen und so spitzt sich die Situation für ihn auch auf eine unangenehme Art und Weise zu, als er eines Abends Zeuge der Ermordung der rothaarigen Frau wird und aufgrund der von ihm am Tatort unachtsam hinterlassenen Spuren im Anschluss für die Polzei auf der Liste der Verdächtigen ganz oben steht... "Der Zeuge der Nacht" ist so eine Art B-Film-Pendant zu Brian De Palmas "Der Tod kommt zweimal" aus demselben Jahr, ergo ein weiterer jener von "Das Fenster zum Hof" beeinflussten Thriller, die sich an voyeuristischen Obsessionen und dergleichen abarbeiten, um ihre mit Ach und Krach zurechtgebogene Handlung zum Laufen zu bringen. Inhaltlich dürftig kommt das Ganze ergo hier wie dort daher, doch was in den Händen eines Regie-Könners wie De Palma immerhin noch für ein wenig Hitchcock'sche Spannungs-Mache gut gewesen ist, wirkt in der Inszenierung durch den wesentlich uninspirierter arbeitenden William Fruet letztendlich weitaus weniger überzeugend nur ziemlich zwiespältig. Zwar gibt sich "Der Zeuge der Nacht" in Hinsicht auf sein Entstehungsjahr erstaunlich unprüde und nimmt mit seinen freizügigen Sex- und Nackedei-Einlagen ein wenig die durch "Basic Instinct" initiierte Erotik-Thriller-Masche der 90er vorweg, gerät andererseits aufgrund seiner bewusst gesetzten humorigen Spitzen, die dadurch erreicht werden, dass der Protagonist - ganz kurios für dieses Sujet - als ziemlich verklemmtes Würstchen gezeichnet wird und die Ermittlungen nach dem Mord von ein paar Bummel-Bullen geleitet werden (deren Szenen man förmlich über sich ergehen lassen muss), aber irgendwie doch ziemlich quatschig und fast schon zur unfreiwilligen (?) Komödie. So eiert die Erzählung da munter vor sich hin, lässt in Sachen Thrill zwischendurch so einiges zu wünschen übrig und erreicht da schlussendlich ein Finale, das weder überraschend noch dramaturgisch sinnvoll erscheint, denn irgendwie hätte sich da auch alles ohne das Zutun unseres "Helden" doch genauso ergeben... und so dämmert es einem dann auch, dass man sich wertschätzende Vergleiche zu den genannten De Palma- und Hitchcock-Streifen doch lieber klemmen sollte und man das Ganze - auch ob der der *ähem* ziemlich rustikalen Machart - wesentlich passender in der Schmuddel-Ecke neben so einem Schund wie "Killing Eyes" verortet. Schade, denn zumindest ansatzweise ist "Der Zeuge der Nacht" gar nicht so verkehrt, aber die guten Momente, die auch wie angedacht funktionieren, kann man hier doch wirklich an einer Hand abzählen und braucht dafür nicht mal alle Finger...
4/10