Review

Aus der Abteilung „Unnötig dem gesegneten Vergessen entrissen“ jetzt mal gefühlte acht Zeilen zu dem TV-Thriller „Trial by Terror“, den zur deutschen VHS-Verhüttung irgendwer mit dem unheimlich reißerischen Anmachertitel „Das Haus“ veredelte.

Immerhin, es geht um „das Haus“, welches dem Ehepaar Armstrong einen hübschen Neuanfang in unbekannter Nachbarschaft ermöglichen soll. Allein, irgendwer hat was dagegen.
Warum, wird nie geklärt und man erfährt auch nicht, um wen es sich dabei handelt und warum er ausgerechnet dieses Pärchen auf dem Kieker hat, aber nach einem Autoaufbruch bei der Housewarmingparty wird bald der Müll aus 50 Mülltonnen auf ihr Grundstück geschüttet und kurz danach werden ihre Möbel umgestellt und alles verwüstet. Soviel zum American Dream.

Der weis(s)e Amerikaner – selbst wenn er nicht scharf auf Waffenbesitz ist – kauft sich bei solchen Aussichten natürlich selbst mal eine Flinte und als das nächste Mal in der Nacht jemand durch die Räume hampelt, legt Greg den Eindringling kurzerhand in Notwehr um. Aber hoho, erstmal wird er in der Folge Opfer von Polizeigewalt (fast alle Beamten in diesem Film sind kurzsichtige Grobklötze oder nur marginal an ihrem Job interessiert), dann verklagt ihn die Mutter des Opfers bis aufs Blut und seinen verkehrberuhigter Rechtsanwalt klärt ihn einfach nur auf, dass ihn das dann wohl ruinieren würde. Tja, ist halt Pech.

Hilfe findet man nur bei den netten Kollegen in der Schrauberwerkstatt, wo Greg arbeitet – doch als der Film sich langsam aber sicher in ein Sozialdrama wandelt, entscheiden sich die Angreifer zu einer Racheattacke und die Produktion switcht für die letzten 20 Minuten zu einem großen Shootout mitten in der Wildnis, wo die Fluchthütte eigentlich den Armstrongs Unterschlupf gewähren sollte.
Danach erfährt man nur, dass viele Verbrechen ungelöst bleiben, vermutlich auch die an den Brieftaschen der Opfer, doch dieses Thema wird nicht noch mal aufgegriffen, stattdessen optet man für ein generisches Happy End.

Ja, das war es dann auch schon mit einem Film, der sich für ein Sujet nicht entscheiden kann, weil er vermutlich nicht nur die üblichen Revenge-Klischees, Banden-Thematiken oder rassistische Klänge ins Spiel bringen wollte. Also bleiben die Angreifer tatsächlich gesichtslos, im Finale kann man nur einen oder zwei der Darsteller kurz mal sehen – da sind es weiße Angreifer. Aber was sie antreibt, wieso und weshalb und wer sie sind – das bleibt alles ungeklärt, bis sich die Kontroverse im amerikanischsten Showdown überhaupt in Luft auflöst.
Bis dahin passiert wenig Spektakuläres, es wird viel geredet, im Mittelteil geht der Unterhaltungsfaktor komplett flöten (dafür hält Martin Landau ein paar salbungsvolle Reden) und als man schon dahin dämmert, knallt es noch mal.

Bei all dem möchte ich ergänzend darauf hinweisen, dass das Haus an sich keine große Rolle in der Geschichte spielt und gegen Ende nicht mal Schauplatz des Showdowns ist - insofern hätte man die Chose auch "Nachbarschaft" oder für das Finale "Die Hütte" taufen können, es wäre genauso neben der Spur gewesen.

Produziert hat das alles CBS, aber einen Gefallen haben sie sich nicht damit getan, weswegen internationale VHS-Fassungen offenbar auch leichter zu erhaschen sind als eine US-Veröffentlichung, weswegen dieser zahme Reißer verdient in Vergessenheit geraten ist. Wer mag, bitte suchen und dann aber nur die ersten und die letzten 20 Minuten schauen, das genügt. (3/10)

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