Die 70er (und später die 80er) waren nochmal ganz groß, dem Tierhorror eine neue Variante abzugewinnen, nicht zuletzt mit dem Einbindung von Umweltzerstörung und Naturschutz – also arbeitete man sich an allen möglichen Sorten, Rassen, Klassen und Vielbeinern ab.
Ein bisschen geringschätziger fällt der Umgang mit den geliebten Vierbeinern, den Hunden, aus, denn die haben nun mal keinen großen Exotenbonus und hat man einen beißwütigen Hund gesehen, kennt man doch alle, „Cujo“, den Baskerville-Bello und den „weißen Hund von Beverly Hills“ mal als klassischen Stoff vorausgesetzt.
Zwischendurch wurden die flauschigen Fährtensucher aber auch weiter eingesetzt und das führte zwischen Ameisenimperien, Naturaufständen und kampfbereiten Känguruhs zu einigen Kuriositäten, über deren Vergessen noch mal Gericht gesessen werden sollte.
Einer dieser Filme ist sicherlich „Dogs“ – so simpel wie möglich betitelt und wenn ich gleich mal eine Analogie ziehen darf, weil ja auch „Grizzly“ ein Ripoff von „Jaws“ war: „Dogs“ ist ein Ripoff von „Die Vögel“.
Hier wie dort versammeln wir unseren Cast in einer relativen Kleinstadt mit Naturnähe, wo irgendwo in der Nähe eine ominöse Regierungseinrichtung mit einem gemutmaßten Linearbeschleuniger arbeiten soll, was der Fauna in der Nähe eventuell nicht gut tun könnte. So denkt unser aller Held Harlan, den wir schon aufgrund seines Spät-Monkees-Haarschnittes und seiner Jeans-Klamotten allen Anzugträgern der nahen Hochschule vorziehen. Was es wirklich crazy macht: gegeben wird diese Schlumperrebellen-Figur von David McCallum, irgendwo auf dem Weg von „Ilya Kuriakin“ zu „Sapphire and Steel“.
Harlan schafft es, einen der Anzugträger, der noch seine fünf Sinne zusammen hat, auf seine akademische Seite zu ziehen, zumindest nach und nach. Denn gleich zu Beginn gehen ungefähr 5 Dutzend Fiffis aus aller Herren Haushalte stiften, sprengen durch den Sonnenuntergang und versammeln sich dann in der Steppe zum tödlichen Rudel.
Erst trifft es Kühe (hier sind wieder mal Bezüge zu „Jaws“ mit einer Obduktion), dann werden Personen angegriffen, auf dem Land und dann auch bald in ihrem eigenen Vorgarten.
Was sich lächerlich anhört, hat für die Verhältnisse von 1976 viel für sich, denn Regisseur Burt Brinkerhoff kennt hier keine Verwandten und holt die große Ketchupflasche raus. Die Doggies sind enorm gut trainiert und gehen richtig in die Vollen, so dass der Tod durch Zerreißen hier auch mal bemerkenswert übel rüberkommt.
Und: niemand ist sicher, denn wenn man befürchtet, die Chose könnte sich bald mal totlaufen, wird daraus genau die Belagerungssituation, die wir alle aus Bodega Bay kennen, als sich bald die Studentenschaft im nahen Uni-Gebäude verschanzen muss, weil draußen die Meute immer mehr Zulauf bekommt.
Selbst Hitchcocks Fluchtauflösung, nach der sich die Überlebenden mal vorsichtig auf die Strümpfe machen, während das Radio tönt, dass unsere gefiederten Freunde überall im Ländle Attacken reiten, haben die Macher hier radikal geklaut.
In anderen Zeiten hätte die Regierungseinrichtung in der Nähe vielleicht noch eine wichtige Rolle gespielt – tatsächlich testen unsere wackeren Helden hier an einem Fiffi eine Reihe von pheromonomanischen Abschirmungsmaßnahmen, die die Hunde unter Kontrolle halten sollen, aber obwohl das Paranoiakino ja noch fröhliche Urständ feierte, wird auf diesen roten Hering nicht mehr eingegangen, zu viel Zeit verspaßen die Macher damit, weite Teile des Casts von in Zeitlupe dahin stürzenden Doggies zerfetzen zu lassen und das Ganze mit ordentlich roter Soße zu garnieren.
Schade also eigentlich doch, dass der Film zwischen all den anderen Tierhorrorstreifen der 70er ein wenig in Vergessenheit geraten ist, verbreitet er doch das getreue isolierte Kleinstadtfeeling, welches dann ein Jahr später in „Mörderspinnen“ auch atmosphärisch unter die „Haube“ kam.
Aber spielt man einen Song zu oft hintereinander, geht er zum anderen Ohr wieder raus – so wohl auch hier. Dennoch sollte man sich McCallums fürchterlichen Späthippie-Frühöko-Pottschnitt unbedingt mal zu Gemüte führen, den er hier zu allerlei blue jeans ausführt, die knapp 90 Minuten lohnen sich endlich mal. (6/10)