Review

Mal wieder ein Sequel des Erfolges wegen ist “Blade of the Rose” geworden, weil “Twins Effect” zumindest in der Heimat recht erfolgreich lief. Diese Fortsetzung hat aber lustigerweise abgesehen von den Hauptdarstellerinnen Charlene Choi und Gillian Chung sowie dem Cameo von Jackie Chan keinerlei Konstanz zu bieten und insofern ist es eigentlich fraglich, sie überhaupt als Sequel zu betrachten.

Aber es passt in seiner konsequenten Inkonsequenz hervorragend ins Konzept und betont nochmal mit Nachdruck alle Schwächen von “Twins Effect”. Der ohnehin pseudohaft aufgezogene und nur als Zugeständnis an amerikanische Vorbilder (“Blade”, “Buffy”) mahnende Vampir-Ansatz wurde ohne mit der Wimper zu zucken einem sehr merkwürdigen, fiktional-matriarchalischen Gesellschaftsszenario geopfert, in dem es zwar in ein, zwei Szenen total irrsinnigerweise ein paar Vampirzähne zu bestaunen gibt, dies aber eigentlich in dem Kontext keinen Sinn macht. Aber was macht hier schon Sinn - mehr noch als das Original ist “Blade of the Rose” ein irreales, knallbuntes Fantasy-Trash-Spektakel für Kinder und Jugendliche geworden. Mit kitschigen Kostümen wird man überhäuft und schaut einem überladenen Produktionsdesign ins Angesicht, das ohne jede Ordnung alle Farben durcheinanderwirft, die irgendwie knallig sind und was hermachen.

Zumindest hier lässt sich also eine Brücke zum Vorgänger schließen. Worum es überhaupt geht, ist Jacke wie Hose. Das Drehbuch ist wieder der Mülltonne vorbestimmt. Es geht darum, ein paar knackige Teens ein Abenteuer bestehen zu lassen, dabei möglichst viel möglichst elegant zu Klump zu schlagen und auch noch eine Liebesgeschichte zu erzählen, mit der sich das junge Publikum identifizieren kann.

Irgendein Witzbold hat sich gedacht, Jaycee Chan damit sein Debüt als Schauspieler zu bescheren. Immerhin ist sein Vater der große Jackie Chan, inzwischen über 100 Filme als Darsteller und Regisseur auf dem Konto und längst ein internationaler Star, ohne jemals schauspielerisch irgendwie begabt gewesen zu sein. Doch mit seinem Gespür für erfolgversprechende Rezepte und seiner Standhaftigkeit hat er es weit gebracht und Millionen von Menschen mit seinem Charme und seinen Kampfkünsten über Jahrzehnte hinweg begeistert - muss da nicht auch was auf den Sohnemann übergegangen sein?

Denkste! Jaycee ist absolut talentfreie Zone und leider gleichzeitig einer der vier tragenden Eckpfeiler dieses Filmes. An Ausdruckslosigkeit kaum zu überbieten, schleicht sich der Junge, der von seinem Vater eindeutig Augen und Nase geerbt hat (und ein wenig von dem trübe-Tasse-Gesichtsausdruck), durch gigantische Fußstapfen, die er wohl niemals auch nur ansatzweise auszufüllen imstande ist. Man möchte nicht zu weite Prognosen wagen, denn immerhin sah sein alter Herr in seiner ersten Hauptrolle als “Der Master mit den gebrochenen Händen” auch ziemlich teilnahmslos aus. Doch wenn sich da nicht noch ordentlich was tut (immerhin wird wohl gerade schon sein fünftes Projekt gedreht), wird auch der große Name, der ja Fluch und Segen zugleich sein kann, nicht mehr lange Pate stehen. In Kämpfen erwischen wir Jaycee jedenfalls nie (im Gegenteil, er wirkt immer ein wenig plump), und von der einprägsamen “Nice Guy”-Art des Vaters hat er auch nichts vorzuweisen.
Sein männlicher Kollege Wilson Chen stellt sich etwas geschickter an, ist aber immer noch weit entfernt davon, einen sympathischen Charakter abzugeben, mit dem man sich identifizieren könnte. Die charakterliche Markanz fehlt ihm nämlich auch.
Die Deckelchen auf die Töpfchen geben dann die aus Teil 1 bekannten Popstar-Girlies Charlene Choi und Gillian Chung ab, freilich in anderen Rollen, spielt sich die Handlung doch in einer anderen Zeit und der Verschrobenheit des Szenarios nach auch in einer anderen Dimension ab. Auch hier wird man von Talent verschont, bekommt aber immerhin ein wenig Charme, der den männlichen Stockfischen bis ins Mark hinein fehlt. Charlene Choi darf sogar wieder ihr quengelndes Gequäke von sich lassen, das sie irgendwie drollig wirken lässt, während Gillian Chung erneut die etwas ernstere Spur bevorzugt, dabei aber nicht minder attraktiv ins Objektiv schmollt.

Zugegeben, schauspielerisches Talent fällt wohl ohnehin nicht in den Bedarfsbereich der Zielgruppe, aber auch sonst wirkt dieses Quartett, das uns durch die Geschichte führt, wenig erquicklich. Dass die Jungs so begehrenswert sein sollen, fällt schwer zu glauben, da chemisch keine Spannung zu vernehmen ist. Nicht einmal im Geringsten. Andererseits mag das weniger selbstbewussten männlichen Teenagern auch ein wenig Selbstvertrauen zurückgeben, denn wenn diese Dummpfeifen (tatsächlich werden die sklavenartig gehaltenen Männer in diesem Matriarchat “Dumbbells” genannt und ausgerechnet Jaycee Chan und Wilson Chen beanspruchen für sich, nicht so genannt zu werden) so locker die Gunst hübscher Popsternchen gewinnen können, sollte es doch nicht mehr so schwer sein, zumindest das Nachbarsmädel anzusprechen...

Obwohl die tüchtigen Vier selbst kaum in der Lage scheinen, einen vernünftigen Kick hinzubekommen, strotzt “Blade of the Rose” selbstverständlich wieder nur so vor lauter Kampfszenen, erwartet man doch schließlich, dass die ohnehin toll gewordenen Anfangs- und Endkämpfe von “Twins Effect” noch getoppt werden. Das geschieht zwar nicht ganz, aber wenigstens ist zu berichten, dass es auch diesmal wieder ein, zwei Highlights gibt und die Restaction ansonsten viel sauberer über die 100 Minuten verteilt wurden. Der Mittelteil von “Twins Effect” war ein sehr unbequem goutierbares Gewurschtel, das für die Fortsetzung gerichtet werden konnte. Die Story (so dumm sie ist) läuft flüssig durch und die wirework- und effektlastige Action schmiegt sich sehr vielseitig in den Verlauf.

Das angesprochene Highlight geht daher auch nicht von dem Vierer aus, sondern von zwei Gästen. Donnie Yen und Jackie Chan bieten endlich das, was sie ein Jahr zuvor in “Shanghai Knights” nur ansatzweise zeigen durften: Ein hervorragendes Zweikampfduell der Extraklasse. Die kleine Szene in der US-Komödie war ja schon ein kleines Schmankerl, wirkte aber eher wie der Trailer auf ein richtiges Event, das nun endlich hier geboten wird. Vielleicht nicht ganz so hart und körperfokussiert, aber mit viel Einsatz gehen Yen und Chan gegeneinander zu Werke und werden dabei von allerlei Effekteeinsatz verstärkt, so dass der Kampf ausschaut wie ein Frühlingstanz. Klar hat man es inzwischen schon oft gesehen, wie Körper in Zeitlupe eine Wasserwand teilen und sich die Regentropfen in Zeitlupe auseinanderreißen, doch optische Feinkost ist es immer noch, ungeachtet der Tatsache, dass vor allem “Hero” und auch “The One” (Angreifer bewegt sich in Normalgeschwindigkeit, während Gegner in Zeitlupe durch die Luft wirbeln) sich als Vorlage anbieten.

Die Kulissen wirken dem entgegen oft ein wenig trashig und unausgereift, was aber nicht so ganz unpassend ist, bedenkt man, welche Kuriositäten einem da handlungstechnisch vorgesetzt werden: Männern, denen Busen wachsen, Männer, die sich ihre Genitalien abschneiden, um der Gesellschaft zu gefallen und Höhlentrolle, die stets jene Gefühlsregung annehmen wie ihr Gegenüber. Da braucht man schon ein dickes Fell und eine gewisse Vorliebe für Brachiales, will man diesen Film überstehen - was man aber wohl sowieso nie versucht hätte, wenn man bereits den Vorgänger kannte.

Ja, zurück bleibt prominent besetzter, megatrashiger Big Budget-Kitsch, der den vorausgehenden “Twins Effect” wenigstens in Sachen Erzählfluss und Actionverteilung übertrumpft. Ansonsten ist “Blade of the Rose” ein ähnlich überkandideltes Event mit schwachen Darstellern, opulenter Ausstattung haarscharf an der Grenze des guten Geschmacks, einer unglaublichen Story (unglaublich im Sinne von schwer zu glauben) und teils ziemlich fetzigen Fights. Obwohl storytechnisch keine Verbindungen bestehen, kann man eine Empfehlung an jene aussprechen, die “Twins Effect” wegen seiner Überstilisierung mochten. Allen anderen sei versichert: Es wird nicht besser.

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