Von einer Party seilt sich Kate mit der fixen Idee ab, George Clooney noch zu treffen. Weit kommt sie allerdings zugedröhnt nicht, sondern wacht des Nachts auf dem mittlerweile abgeriegelten U-Bahnhof auf und dort ist sie nicht allein... Selbst wenn man von Franka Potentes Ausflügen in das Horrorgenre wie z.B. "Anatomie" nicht gerade begeistert war, hier ist das Setting düster und unterkühlt, Regisseur Christopher Smith lässt seinen Psychokiller im Neonschein des Londoner Untergrundes morden, Tageslicht sucht man vergeblich. Klar ist dieser Beitrag kein zweiter "Saw", dazu fehlt unter anderem die Kreativität, mit der die Story fesselt, die ist bei "Creep" beileibe nicht sehr ausgefeilt oder gar mit erstaunlichen Wendungen bedacht. Auch wenn jene ausgemachten Fiesheiten des amerikanischen Pendants etwas fehlen und vieles vorhersehbar ist, weiß der Film als Schocker zu gefallen und ist stellenweise sogar positiv überraschend. Das Drehbuch steigt direkt ins Geschehen ein und gönnt dem Zuschauer kaum eine Pause, zwar nicht immer Highspeedjagd, doch ohne wirkliche Längen. Auch auf ausführliche spätere Erklärungen hat man wohltuend verzichtet und die Identität des degenerierten Killers im Halbdunkel belassen. Dort wirkt er schön furchteinflössend, eine krude Mischung aus Jason Vorhees, Castle Freak und einem Wrong Turn Hinterwäldler, was die über seinen Körper verteilten Narben-FX anbetrifft. Sobald er jedoch in der zweiten Hälfte immer häufiger und ausgiebiger in etwas helleren Räumen der unterirdischen Katakomben zu sehen ist, lässt die Wirkung wieder nach und die Spezialeffekte sehen zunehmend nach Effekten aus. Weniger wäre mal wieder mehr gewesen, gerade die Anfangsszenen, bei denen nur schemenhaft etwas zu erkennen ist, verdienen das Prädikat gruselig und unheimlich. Auffallend sind auch die ausgebreiteten Blutlachen für eine Freigabe ab 16 Jahren, da spielt dieser Horrorschocker schon fast in der gleichen Oberliga wie "Wrong Turn" etwa. Die sichtbaren Goreeffekte, wie saubere Kehlenschnitte, beschränken sich zwar auf eine Hand voll, dafür versteht es dieser Film stellenweise fast so gut wie eben der Knaller "Saw", die Phantasie des Betrachters aus dem Off mit Schaudern zu beflügeln (immerhin scheint das etwas magere Kerlchen über immense Kräfte zu verfügen). Diese Qualität leidet allerdings unter den beiden unnötig schlechten und platten Hauptfiguren, während die übrigen Charaktere, die dekadenten Yuppies auf der einen und die abgewrackten Obdachlosen auf der anderen Seite, sehr gelungen sind und etwas jenseits von Hollywood gut funktionieren. Sowohl Franka Potente als toughes Yuppiemädel als auch der geläuterte, eigentlich nette Drogendealer sind schon fast die einzigen deutlichen Ärgernisse, ansonsten macht "Creep" seinem Namen alle Ehre und ist creepy, gelungene Atmosphäre statt cleverem Plot. Wer einen anspruchslosen Horrorfilm mit interessanten Bildern und einigen guten Schockeffekten erwartet und über Logikpatzer hinwegsehen kann, bekommt über anderthalb Stunden eine auf recht hohem Level gehaltene Horrorshow geboten. Leider ist die klaustrophobische erste Hälfte besser als die blutige zweite.
Fazit: Na es geht doch mit Frau Potente. Die läuft zwar mal wieder, was die Lunge hergibt, doch dieses mal hat sie allen Grund dazu, um ihre Haut zu retten. Echt creepy. 6/10 Punkten