Review

"Wow! Ein europäischer Horrorfilm!", habe ich gedacht. Zudem einer, der in der Öffentlichkeit aufgrund seiner drastischen Gewaltdarstellungen angeprangert wurde. Zwei Gründe eigentlich um sich den Film auszuleihen und anzuschauen - eigentlich...
Letztlich wäre der Begriff "Enttäuschung" aber noch immer ein zu großes Lob für einen verworrenen Horrorfilm, der weder Atmosphäre noch richtige Spannung aufbaut. Doch zunächst der Reihe nach:
Die Story eines misshandelten, menschenähnlichen Geschöpfs, das jahrzehntelang in stillgelegten Londoner U-Bahn Tunnel lebt und sich von Zeit zu Zeit ein Opfer sucht um es, warum auch immer, möglichst bestialisch hinzurichten ist an und für sich nicht schlecht, allerdings lässt die Ausführung dieser Idee dann doch zu wünschen übrig.
Das erste Manko des Streifens ist das mangelnde Produktionsdesign. Insgesamt wirkten die Bilder auf mich zu steril, zu sauber, zu glänzend als dass sie eine wie auch immer geartete Gruselatmosphäre hätten aufbauen können. Die klassische Taschenlampe im Dunkel ist dabei schon einer der besseren Effekte um Stimmung aufkommen zu lassen.
Die Darsteller scheinen allesamt über- oder unterfordert. es ließ sich nicht genau ausmachen, ob es an den schlechten Dialogen oder dem mangelnden Vermögen der Darsteller lag, zumindest nimmt man Franka Potente das hysterische Beinahe-Opfer nur bedingt ab. Externe Zeitschriften Reviews (Piranha Magazin), die Potente zur Scream Queen küren, schießen vollends über's Ziel hinaus.
Auch das "Monsterdesign" ist eher misslungen. Ein Slasher, vielleicht eher an Stan Winstons Hinterwäldler aus "Wrong Turn" angelehnt, hätte für weniger Lacher gesorgt; der animalische Schrei des Wesens wird spätestens, wenn es anfängt ganze Sätze zu sprechen unlogisch. Vergleiche mit dem legendären "Leatherface" oder "Michael Myers", so der Presse entnommen, grenzen an Majestätsbeleidigung.
Bleibt die Frage: Was hat der Film überhaupt Gutes an sich? - Nicht viel... leider! Einzig die OP - Szene wusste zu überzeugen. Hier passten Ausstattung und Spiel gut zusammen; der Splattereffekt tat seinen Teil zum guten Gesamteindruck der Szene bei.
Desweiteren gibt das Bonusmaterial der DVD Version einen guten Einblick in leider nicht integrierte Szenen, die dem Film mehr Tiefe und dem "Monster" mehr Leben, mehr Individualität eingehaucht hätten.
Fazit: Gute Idee, mangelhafte Umsetzung! Wer einen richtig blutigen Film sehen will, bei dem man auch trefflich über die FSK 16 Freigabe streiten kann, der möge das geld für "Creep" sparen und sich "Wrong Turn" zu Gemüte führen.

Filmwertung "Creep": 2/10

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