Franka Potente verpasst den letzten Zug und erlebt eine grauenvolle Nacht.
Story:
Model Kate (Franka Potente) ist auf dem nach Hauseweg von einer Party, nach der sie eigentlich noch George Clooney treffen wollte. Da daraus nichts wird, nimmt sie die U-Bahn, verpasst aber ihren Zug. Jetzt sitzt sie alleine im abgeschlossenen Bahnhof, bis weiter unten noch ein ZUg kommt. Den erwischt sie noch und wird dort von einem Kollegen versucht zu vergewaltigen. Doch bevor es dazu kommt, wird dieser plötzlich auf die Gleise gezogen und furchtbar zugerichtet. Wie sich herausstellt, treibt ein entstellter Wahnsinniger hier sein Unwesen, der schon etliche Opfer getötet hat. Kate befindet sich fortan auf der Flucht und findet in dem Kanalisationsarbeiter George einen Gehilfen...
In Hollywood scheint es für die gute Franka nicht so recht zu klappen und so stand sie letztes Jahr mal wieder für einen deutsch-britische Co-Produktion vor der Kamera, die prinzipiell alles auffährt, was zu einem guten Slasher gehört. Da hätten wir die Opferriege, bestehend aus Obdachlosen, Wachleuten, Arbeitern usw. plus natürlich der einzig überlebenden Hauptfigur. Eine sehr düstere Atmosphäre (die Londoner U-Bahn) steht ebenfalls zur Verfügung, auf künstliche CGI-Effekte wurde dankenswerterweise verzichtet und das Erzähltempo ist auch schön hoch. Nur mit dem irren Killer hat's nicht so hingehauen. Der "Creep" sieht aus wie ein mutierter Suppenkasper und wirkt trotz des guten Make-ups keineswegs furchteinflößend. Dazu beitragen tut auch sein lächerlicher Schrei, den er von Zeit zu Zeit mal loslässt. In dieser Hinsicht spielt unser Freund also nur in der 2. Bundesliga der Filmkiller, für die Referenzklasse von Freddy, Jason oder Micheal reicht es bei weitem nicht.
Es wäre vielleicht wünschenswert gewesen, wenn man ein bisschen was über die "Entstehungsgeschichte" des "Creeps" erzählt hätte. So sehen wir nur, dass er wahllos mordet. Warum und weshalb wird nicht erklärt. Da hilft auch die kurze Szene mit den Babies im Glas - von denen eins vielleicht unabsichtlich ein bisschen an Yoda erinnert - und dem Foto nicht wirklich weiter. Aber gut, konzentriert man sich halt nur auf die Morde und die sind teilweise ganz schön heftig. Da haben ähnliche Filme schon "Keine Jugendfreigabe" erhalten, während der hier ab 16 freigegeben ist - aber Logik war bei der FSK ja bekanntlich schon immer ein Fremdwort.
Ganz wichtig bei einem Horrorfilm - sei es Splatter oder Suspense - ist die Atmosphäre. Die wurde ziemlich gut eingefangen und wird beklemmend, auch dank der gut gestalteten Sets abseits des Tunnelsystems (der "Operationssaal" sieht schon ziemlich ekelhaft aus ;-)). Dennoch will sich die Spannung im Verlauf des mit nicht mal 80 Minuten sehr kurzen Films nicht immer so einstellen, wie man es sich vielleicht erhofft hat. Das dürfte aber in erster Linie an diesem Möchtegern-Jason-Verschnitt liegen, der wie erwähnt nicht ansatzweise gruselig rüberkommt und vor allem zum Ende hin viel zu häufig zu sehen ist, so dass er dann vollends seine Wirkung verliert. Ein bisschen weniger wäre da durchaus mehr gewesen.
Vielleicht hätte man statt endloser Jagden die Story aber auch anders aufziehen können. So hätten Franka und diverse andere Opfer in dem Zug festsitzen können und mehrere Irre/Monster hätten sich bedienen können. Das hätte zumindest den Bodycount noch ein bisschen in die Höhe getrieben.
Aber egal, auch so ist der Film gut gelungen und erinnert von seiner Aufmachung her an die guten alten 80er, als es noch geradlinig ohne großes Geschwafel zur Sache ging. Der Soundtrack wird sparsam, dafür aber effektiv eingesetzt und untermalt die Szenen ordentlich. Großartige schauspielerische Leistungen kann man nicht ausmachen, aber von welchem Splatterfilm lässt sich das auch schon behaupten? Die Darsteller machen ihre Sache auf keinen Fall schlecht, lediglich die Endsequenz ist etwas vermurkst.
Fazit: Wenn der Killer nicht so misraten wäre, würde auch mehr Spannung aufkommen. So ist es ein guter Splatterfilm, aber nicht mehr. Kann man sich als Genrefan aber durchaus mal ansehen.
7 von 10 Punkten