Tja, was soll ich zur Handlung sagen? Ein Killerauge aus einer anderen Dimension sorgt in einem Haus bei den Bewohnern nicht nur für Angst und Schrecken, sondern auch für sexuelle Erregung...
Au Backe!
„Killer Eye“, eines der vielen Schundwerke aus der berüchtigten Full-Moon-Schmiede, wurde hastig innerhalb von nur vier Tagen und mit einem gegen Null strebendes Budget abgekurbelt. Dabei ist klar wie Kloßbrühe, gerade wenn sich mit David DeCoteau ein Regisseur von äußerst zweifelhaftem Ruf für den Schmu verantwortlich zeigt, daß kein cineastischer Leckerbissen oder zumindest ein einigermaßen erträglicher Ultrabillig-Schocker herausspringen konnte. Und tatsächlich: Das vorliegende Resultat spottet jeder Beschreibung, fiel noch weitaus schlimmer aus als ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte.
Man sollte schon ausreichend die Erwartungen auf den tiefstmöglichen Punkt hinuntergeschraubt haben (fällt bei einem Film mit einem solchen Titel nicht schwer), um „Killer Eye“ bis zum bitteren Ende ohne bleibende Schäden durchzustehen. Vom Start weg bewegt sich der Kram in den untersten filmischen Abgründen, die man sich nur vorstellen kann.
Ein Möchtegern-Professor namens Grady (Jonathan Norman, womöglich der ausdrucksloseste Weißkittel seit Menschengedenken) träufelt in einem karg ausgestatteten Labor (einer von insgesamt ungefähr fünf stolzen Räumen, in dem das Geschehen stattfindet (!)) einem männlichen Versuchsobjekt, einem namenlosen Straßenjungen (Ryan van Steenis - ein Anti-Anti-Anti-Darsteller!), zwei Tropfen in eines seiner Augen - mit dem Ziel, als erster Mensch überhaupt Einblick in die achte Dimension zu erhalten. Stattdessen hat er erst einmal Ärger am Hals, weil nämlich aus dem Auge des daraufhin sterbenden Versuchsobjekts etwas schlüpft, was sich schnell als die titelgebende Kreatur entpuppt. (Schon nach fünf Minuten schießt DeCoteau ein klassisches Eigentor, indem er uns das Ding nämlich zeigt - eine offensichtliche Attrappe von Killerauge, das fortwährend mysteriös-böse grüne Blitze in der Pupille zucken läßt und vorsichtshalber nur in Großaufnahme gezeigt wird, damit man nicht das Stativ sieht, an dem das Requisit befestigt ist.)
Außerdem verfügt das Killerauge, wie sich schon bald herausstellen soll, über einige Tentakel, die nicht etwa zum Ermorden der Protagonisten verwendet werden, sondern erstens zur Fortbewegung und zweitens dazu dienen, sowohl Gradys unbefriedigte und nymphoman veranlagte Gattin Rita (Jacqueline Lovell) als auch die Frau seines Assistenten Morton (Costas Koromilas), Jane (Nanette Bianchi), über ihre nackten Körper zu streicheln (!). DeCoteau fand die Idee wohl dermaßen gut, daß er es sich nicht nehmen lassen konnte, sie geschätzte vier Mal in den Plot einzubringen und runde zehn Minuten mit derlei Dingen totzuschlagen. Und diese Tentakel fühlen sich offenkundig wie Männerhände an. Jedenfalls verwechselt Jane sie sogar einmal mit den Flossen ihres Ehepartners (!).
Neben den „erotischen“ Spielereien soll dann eigentlich auch noch ein bißchen Horror stattfinden, worauf man jedoch - wundert das jemanden? - vergebens wartet. Einmal allein deswegen, da die „Titelfigur“ bekanntlich eher zu Heiterkeitsstürmen einlädt als zum Gruseln. Der andere Grund: Das sogenannte Killerauge macht seinem Namen keine Ehre. Es kann zwar, wenn es will, mittels primitivster Tricktechnik der Effekthexer kräftig Blitze durch die Gegend schleudern lassen, aber diese bewirken bei Nutzung lediglich eine Hypnose bei unseren Figuren und sorgen erst auf der Schlußgeraden für eine halbe Handvoll Tote bzw. Weggezappte.
Nachdem irgendwann Superhirn Grady endlich gecheckt hat, was Sache ist und man endlich allgemein herausgefunden hat, wie das Ding aus der anderen Dimension besiegt werden kann, nämlich durch auf das Auge gerichtete, Wärme erzeugende Taschenlampenstrahlen, tun sich bereits besagte Figuren zusammen plus Tom (Dave Oren Nard) und Joe (Roland Martinez) - zwei weitere Hirnlose, die die ansonsten peinlich ernstgenommene Story mit plattesten Dumpfbackensprüchen „auflockern“ dürfen („Wenn ein Monster auf mich zukommen würde, würde ich’s erschießen.“ - „Du hast doch gar keine Knarre.“ - „Ich würd’s trotzdem erschießen.“) und weiterhin den ganzen Film über mit nacktem Oberkörper herumlaufen, wenn sie nicht grad im Bett liegen - sowie dem verrückten, vor nervigen Kommentaren auch nicht zurückschreckenden Hausmeister Creepy Bill (Blake Bailey), um dem Killerauge an die Gurgel zu gehen und den Garaus zu machen.
Dabei stellen sich ausnahmslos alle dumm wie Brot an - Rita schmeißt sich zwischenzeitlich noch dem vermeintlich toten, aber vom Auge (wenigstens kurzzeitig) wiederbelebten Straßenjungen an den Hals, um ihre Libido zu befriedigen („Ich Herkunft woanders!“ - „Macht nichts! Ich steh‘ auch auf Fremde!“) -, ehe es nach einigen Verlusten zum großen, etwa hundertsekündigen, fast schon provokant unspektakulären Showdown im Labor kommt.
Ich habe noch nicht viele schlechte Filme gesehen, daher kann ich, ohne mich lächerlich zu machen, mit Fug und Recht behaupten, daß „Killer Eye“ der mit großem Abstand mieseste Heuler ist - noch vor „The Beast - Unheimliche Tiefe“ -, den ich jemals gesehen habe, und er wird es wohl auch für lange Zeit bleiben. „Plan 9 From Outer Space“, mehrfach (auch von mir in der entsprechenden Kritik) zu Unrecht als „der schlechteste Film aller Zeiten“ verschrien, steht Lichtjahre über dem, was DeCoteau abgeliefert hat.
Wenn schon keine Anstalten gemacht werden, etwas Schwung, etwas Tempo in die zum Haare-Ausreißen dämliche Geschichte zu bringen, wenn man schon so wenig Geld zur Verfügung hatte, daß es nicht mal für Außenaufnahmen reicht, sondern für gerade mal fünf Zimmer, wenn man schon mit der Absicht herangeht, einen HORRORfilm drehen zu wollen, dann erwarte ich wenigstens, daß man versucht, eine wenigstens hin und wieder beklemmende Atmosphäre zu kreieren und daraus zumindest einen Hauch Spannung zu ziehen. Davon kann man aber nur träumen. Noch nicht einmal einen Schockeffekt gönnt DeCoteau dem Zuschauer. Dafür baut er massig nackte Haut in seinen Film. Aber aus welchem Grund? Für die Voyeure? Ich glaube, daß nicht einmal die auf ihre Kosten kommen, denn was ist erotisch an einem nackten Körper, an dem ein Tentakel herumspielt?
Selbst in punkto unfreiwilliger Komik kann „Killer Eye“ kaum Boden gutmachen. Klar, das Monster ist eine Schau für sich, das sollte man fast schon gesehen haben, und einige Dialoge sind aufgrund triefender Dummheit kleine Brüller („Was suchst du?“ - „Das Killerauge.“), doch im großen und ganzen ist sie allzu selten präsent, so daß man am Ende auch als eingefleischtester Trashfan froh sein dürfte, wenn das Trauerspiel nach gerade mal 70 Minuten abgeschlossen ist.
Fazit: Jeder ambitionierte Filmemacher sollte - so glaube ich - in der Lage sein, etwas Besseres (und wenn nichts Besseres, dann wenigstens etwas Unterhaltsameres) auf die Kinoleinwand und/oder den Bildschirm zu zaubern als David DeCoteau mit „Killer Eye“. Ein abschreckendes Beispiel, ein Armutszeugnis, ein in allen Bereichen schlichtweg nicht zu unterbietendes Schundprodukt, sprich: auch in Unkenntnis aller schlechten Filme bin ich geneigt zu sagen, daß das hier eine der größten Bankrotterklärungen seit Bestehen der Kamera ist. Schlimmer geht’s wirklich nimmer!
GESAMT: 1/10