Unglaublich, aber wahr: nach dem Genuß dieses Streifens könnte man glatt zu der Einsicht kommen, daß "Das Haus an der Friedhofsmauer" einer von Fulcis besseren Streifen ist.
Och nö, lieber doch nicht...
Dafür aber hinein in ein weiteres Spätwerk des Altmeisters, der hier der Unterkategorie Nonnenhorror neue Tiefs verleiht.
Vorneweg informiert uns ein Prolog von 1486 über das schröckliche Ende von drei sizilianischen Nonnen am Kreuz des eigenen Klosters. Alle haben ein verschlungenes Symbol über der Nasenwurzel, so daß man folgern könnte, die drei Fragezeichen vor sich zu haben. Aber das waren ja Jungs.
Egal, die drei werden genagelt (nicht so, das gibt's später...) und gut war's. Fünfhundert Jahre später bekommt die Archäologiestudentin Liza während einer Einhandseance (womit diese Grabräuber so ihre Freizeit verbringen...) diverse Visionen von der Freveltat, obwohl sie noch in Kanada weilt. Alsbald schifft man sich jedoch nach Sizilien ein, wo man eigentlich nach Giros buddeln wollte, den die alten Griechen liegengelassen haben, doch Liza macht stets den Schuh in Richtung altes Kloster, wo die ausgelutschten Damen immer noch zu Kreuze hängen.
Ihr Prof ist darüber nicht begeistert, die Einheimischen kauen eh schon vor Vorfreude an der Tischkante und dann geht im sinistren Zehnminutentakt das Gemeuchel los. Nicht, daß wir hier nach dem Killer fahnden müßten: es ist der Nonnengeist von Mutter Oberin, der jedoch die Nachfahren der Peiniger meist in Ruhe läßt, dafür aber mit Vorliebe die Maulwürfe meuchelt. Die sind eh mehr an Saufen und Gitarrespielen interessiert und warum ein Mütterlein ihr dreckgeiles Blag mitschleppt, bleibt im Nebel verschollen. Zwischendurch muß auch mal ein Sizilier dran glauben, dann aber ohne Sinn und Zusammenhang.
Und was passiert sonst noch? Gar nüscht!
Fulci fotografiert die Landschaft, schneidet wieder reihenweise auf Augenpaare in Großaufnahme und braucht über eine Stunde, um den Hauptcharakter darüber aufzuklären, was wir schon mit den Vortiteln erfahren haben. Schlechte Montage nennt man das.
Übrigens war der Mob im Recht, die die Pinguintanten haben gehaust wie im Orgienkral, da kann man schon zu Feuer und Schwert greifen.
Was uns nicht erklärt wird, ist die Verbindung, die unsere talentfreie Liza zu der Dame hat. Ist sie von ihr besessen? Begeht sie einige der Morde? Warum werden gerade diese Leute umgebracht und nicht andere? Und was zum Teufel passiert eigentlich beim Showdown, wenn man ihn so nennen kann? Oder besser noch: was will die Alte eigentlich?
Fulci weiß es wohl selbst nicht, auch wenn er hier in einer besonders flachen Rolle als Kommissar eher keine Ermittlungen anstellt, auch wenn er stets behauptet, dies zu tun.
Stattdessen delektiert man sich an ein paar Grausamkeiten, wie der coverfreundliche Kopf auf dem Anker, wieder mal einem Sturz auf Pflöcke oder dem lustigen Schlachter, dem erst sein Kühlvieh um die Ohren gehauen wird und dann die (deutlich zum Vieh gehörige) Zunge auf ein Brett genagelt wird. Ein anderer Hammer der Geistlosigkeit ist die kaum erklärbare Zweiteilung des Vatis von Pig Pen. Das Blag wird erst von der recht fleischlichen Nonne entführt, Daddy hinterdrein durchs Mischgehölz, der Junge reißt sich los, rennt zurück und plötzlich hängt Daddy zwischen zwei Bäumen. Ich vermute mal dreist ein paar Zusatzschnitte auf der Astrokopie, aber die Tatsache, daß Kiddie verantwortlich ist, daß Daddy einen Komplettreißverschluß bekommt, heitert auf, auch wenn der Trick durchsichtig bleibt.
Ein echter Knüller auf der Humorseite ist jedoch der Tod der stadteigenen Informantin, die ihren Todestag angeblich schon weiß, dann aber wie Kuh dasteht, als ihr ihre beiden Stubentiger an den Kehlkopf gehen. Termin vergessen?
Das muß man gesehen haben, wie zwei deutlich sichtbar ausgestopfte Pussys der armen Darstellerin immer wieder von unten ins Gesicht gerammt werden, bis dann eines der Steiftiere in Großaufnahme einem schlecht gefakten Kunstkopf einen Augapfel aus der Höhlung zupft. Ohne Sehnerv natürlich, soviel Flutsch muß sein.
Leider sind diese Sekunden der Heiterkeit relativ selten und wenn dann etwa zur Filmmitte Fulci eine wirklich beachtliche Traumsequenz gelingt, in der Liza durch das nächtliche Amphitheater wandelt, während der Prof von oben ruft und der Wind rauscht, dann muß man um den alten Mann wohl eher trauern, daß so ein zusammenhangsloses Stückwerk noch abgeliefert hat. "Demonia" ist nur was für Die-Hard-Fulci-Fans und alle, die die Langeweile nicht fürchten. Und wie es nicht richtig ist, kann man hier natürlich auch noch lernen. (2/10)