Review
von Leimbacher-Mario
Selbst ein niederer Fulci… bleibt ein Fulci!
Als Fan von Fulci ist man schnell ein Profi darin ein bis drei Augen zuzudrücken. In seiner Früh- wie Spätphase, selbst in seiner Hochzeit wenn man nach klassischen, möglichst objektiven Filmkriterien bewerten würde. Aber seine Werke sind eben so viel mehr als „klassisch“ und „qualitativ hochwertig“, sie kommen natürlich viel eher über Bauchgefühl und Gefühlswallungen bei uns Horrornerds. Aber das ist eine andere Geschichte, darüber gibt’s mittlerweile ja ganze Bücher und gefühlte Doktorarbeiten. Gerade in Deutschland ist der Mann meiner Meinung nach mehr als rehabilitiert in dem Kreis wo's drauf ankommt. Und wenn selbst Filme wie „Demonia“ aufwändig restauriert über Arrow eine neue Veröffentlichung bekommen, weiß man, dass dies auch international au'm Weg ist und man scheinbar doch in den „richtigen“ Zeiten lebt. Dennoch muss man meiner Meinung nach schon ein klarer Fulci'ist und vielleicht gar Komplettist sein, um „Demonia“ zu lieben. Oder immerhin die positiven Seiten für sich in den Vordergrund zu rücken. Obwohl eigentlich schon sehr viele der typischen Fulci-Elemente vorhanden sind, nur eben nicht mehr in der Dichte und Qualität wie bei seinen Highlights. Naja. Lange Rede, kurzer Sinn: Nonnen, Folter, Fragezeichen (auf der Stirn?!) - in einer kleinen sizilianischen Gemeinde kommen altertümliche Geheimnisse ans Licht als eine junge Frau nach einer Seance von gespenstigen Erscheinungen heimgesucht wird und Nachforschungen anstellt…
„Demonia“ schlägt nicht nur mit der verwirrenden deutschen Titelwahl in dieselbe Kerbe wie „Aenigma“, beide kann man aus vielerlei Hinsicht leicht verwechseln und beide befinden sich auf einem ähnlichen Niveau. Für manche lahm, für andere gerade noch akzeptabel, für Fans wie uns (und du bist einer, sonst wärst du kaum auf dieser Seite/diesem Review/skurrilen Filmchen gelandet!) mit ein paar feinen Momenten. „Demonia“ befindet sich irgendwo zwischen „The Nun“ und „The Fog“. Mit viel italienischem Mittelalterflair. Mit tollem blauem Himmel, heftigem Weichzeichner, vielen Ruinen und dunklen Kammern, nebligen Höhlen und stinkigen Gruften, Totenköpfen und Trunkenbolden am Spieß. Insgesamt durchaus was man bei Fulci mag, schätzt, feiert - aber eben sehr abgespeckt und im Lightmodus. Alles andere als fettfrei oder durchgehend spannend. Mit argen Längen und Leerlauf. Die Atmosphäre ist weniger infernal und apokalyptisch wie zuvor, ein solider Sommerschocker Made In Italy fast. Zäh und unzüchtig. Könnte jedoch auch ein TV-Projekt gewesen sein, hätte ich geglaubt. Danach durfte Fulci ja oft wirklich nur noch für's Fernsehen schaffen. Der hier lief wohl noch in einzelnen Lichtspielhäusern, kann im Endeffekt jedoch nur als melancholische Randnotiz in seinem Oeuvre gesehen werden. Mit Fanbonus aber halbwegs passabel. Filler mit rosaroter Gorebrille. Fahle Pfählungen. Ein wenig Erinnerungen, keine Neuerungen, ein bisschen Enttäuschungen. Boni: sizilianische Sonne, eine hübsche Heroin, untergründige (nicht unrealistische) Dorfskepsis/-fremdenfeindlichkeit. Und einen spektakulären „Banana Split“ für Fulcis feinste Splatterhits.
Fazit: „Demonia“ verbindet Fulci-Fantasy-Splatter mit Nunsploitation - und das hat definitiv seine Momente. Dennoch nagten schon hier spürbar fehlendes Ansehen und schwindende Reputation, Budgets und neue Ideen an Fulci. Von seiner Krankheit ganz zu schweigen. Für seine heutzutage immer zahlreicher werdenden Anhänger allerdings kein Grund diese dämonische Schwesternschaft zu meiden!