Ich bin alles andere als ein Van Damme Fan und ich halte Ringo Lam für einen der überschätztesten Regisseure, die sich Anfang der 90er Jahre auf den Weg von Hongkong nach Hollywood gemacht haben. Also alles andere als gute Vorraussetzungen für einen Film wie "Replicant", zumal der Belgier dann auch noch mal wieder in einer Doppelrolle zu sehen ist und sich also auch wieder selber verkloppen darf. Soweit also alles beim Alten, und man muss ja schon froh sein, wenn es nicht wieder um explodierende Hosen geht.
Um so erstaunter war ich, als sich insbesondere die Handlung und, noch um einiges erstaunlicher, die Schauspielerische Leistung von Van Damme als Rettungsanker für den Film offenbarten.
Gut, die Story hat ihre Schwächen, wirkt teilweise geradezu peinlich konstruiert, aber sie ist zumindest mal eine nette Abwechslung zum sonstigen Actionfilm Einerlei.
Ein wahnsinniger Killer (Van Damme) tötet junge Frauen (Mutterkomplex ich hör dir tapsen) und da ihm keiner so recht beikommen kann wird dem harten Cop Riley ein Klon (natürlich auch Van Damme) des Killers zur Seite gestellt. Der ist zu Begin aber auf dem Stand eines kleinen Kindes und muss erstmal lernen was die Welt um ihn herum so zu bieten hat (inklusive peinlichem Auftritt bei einer Prostituierten, den man sich eindeutig hätte sparen können). Während der Klon also eifrig am lernen ist und dabei von Riley wie ein Hund behandelt wird, stellt er immer wieder telepathische Verbindung zum Killer her. Es läuft also auf einen ordentlichen Showdown raus.
Wie gesagt, die Story hat ihre Schwächen und teilweise auch einfach logische Löcher, in denen Van Damme im Spagat durchspringen könnte, aber dafür bietet sie auch einige Ideen, die man in einem Film, der letztlich nur Vorwände zu Actionszenen sucht, eindeutig nicht erwarten kann. So etwa die Entwicklung des Klons, die auch schön an seinem Kampfstil abzulesen ist. So nimmt er mit jedem Gegner auch Bewegungen und Moves dieser auf und lernt dazu, auch die Entwicklung vom verschüchterten "kleinen Jungen" zum Kämpfer und Menschen wurde erstaunlich ausführlich gewürdigt, ohne dabei all zu sehr in "Rain Men" Gefilde zu driften oder sich in Langeweile zu flüchten.
Dazu trägt auch der Hauptdarsteller bei, der insbesondere als Klon eine der wohl besten Leistungen (schauspielerisch natürlich) seiner Karriere abliefert. Das ist zwar nicht wirklich schwer, aber wenn ihm schon mal was auf dem Gebiet der Schauspielerei gelingt, solte man das auch entsprechend würdigen. Das ganze ist sicher nicht Oscar reif, aber da hat man eindeutig schon bedeutend schlechtere Darstellerische Leistungen gesehen. Auch von Leuten, die aus dem Charakterfach kommen.
Wer dafür mehr oder weniger ein Komplettausfall ist, ist einmal mehr Michael Rooker, der sich ja nun wirklich schon seit Jahren von einem Tiefpunkt zum nächsten hangelt und auch hier mal wieder zeigt, dass er ein miserabler Darsteller ist. Vor allem wohl, wenn er keinen Bock hat.
Die Actionszenen wirken routiniert, sind aber weder sonderlich spektakulär noch bleiben sie lange im Gedächtnis haften. Van Damme zeigt, dass er sein Markenzeichen, den Spagat, immer noch drauf hat und verkloppt ansonsten die Gegner nach belieben. Auch der finale Kampf zwischen Killer und Klon wirkt wenig aufsehenerregend. Da hätte man selbst von Ringo Lam ein wenig mehr erwarten können.
"Replicant" ist ein ordentliches B-Movie, das man sich auch ohne weiteres anschauen kann , wenn man kein Fan des Belgiers ist. Nichts was Maßstäbe setzt, aber auch ganz sicher kein so grandioser Mist, wie Van Damme ihn ansonsten in den letzten Jahren abgeliefert hat. Nette Action, eine etwas wirre aber interessante Story und ein Hauptdarsteller, der auch schauspielerisch überzeugt. Mehr als man von vielen B-Movies erwarten kann. Macht eindeutig Spaß. 6,5 von 10 Punkten.