Review
von Leimbacher-Mario
In einem Land vor unserem Leid
Liebe Dinos die von fleischfressenden Dinos gejagt werden, Dinos die vor einem explosiven Monstermeteoriteneinschlag weglaufen, gute Dinos die verdursten, Dinos die von Steinen erschlagen werden, Dinos die verhungern, Dinos die kein Zuhause mehr haben, Dinos die sich untereinander misstrauen und streiten, Dinos die gefühlt kurz vor ihrer Auslöschung stehen - „Dinosaur“ von Disney ist definitiv einer der düstersten modernen Filme des sonst so kinderfreundlichen Studios - und das ist was Gutes! Ansonsten bietet das Zwitterwesen aus Computeranimation und Live-Action-Hintergründen (im Grunde ein Vorgänger der neuen „Planet of the Apes“-Teile) allerdings nur wenig, was seinen Status als eines der nun fast schon 60 Meisterwerke innerhalb des Maushauses rechtfertigen würde...
Erzählt wird von einem kleinen, pflanzenfressenden Saurier, dessen Ei per Zufall/Schicksal bei einer Affenbande landet, von der er großgezogen wird - bis ein Meteoriteneinschlag alles verändert und die Überlebenden auf die Flucht schickt und vor tödliche Feinde und Herausforderungen stellt... „Dinosaurier“ war damals technisch ein echter Hingucker, die animierten Dinos vor den realen Hintergründen. Heute lockst du mit dem unscharfen Look keine Staunen mehr hervor, wodurch die inhaltlichen Schwächen und storytechnische Routine mehr denn je zum Vorschein kommt. Die genannte Härte und Dunkelheit sind lobenswert, doch ansonsten hat man das von Little Foot bis Manni in dieser Art schon viel besser gesehen. Ein Dino-Abenteuer, das für die Kleinen vielleicht einen Tick zu gefräßig und heftig sein könnte, für uns Große ganz sicher aber auch nicht fesselnd und unterhaltend genug ist. Da gelingt der Spagat nie ganz. Selbst wenn in der B-Note durch starke Sprecher oder den afrikanisch angehauchten Score noch ein wenig Boden gut gemacht wird. Daher: einmal gucken, Achselzucken.
Fazit: damals noch Wow, heute eher grau... „Dinosaur“ ist alles andere als ein großer Wurf für Disney. Schönheit vergeht, Innovation besteht? Immerhin mutig, wegweisend, die Nauturaufnahmen/Hintergründe sind über jeden Zweifel erhaben, die Synchronsprecher top und die (zu wenigen) stummfilmartigen Sequenzen stechen heraus. Dennoch würde ich beispielsweise den neueren, nicht so auf fotorealistisch machenden „The Good Dinosaur“ von Pixar jederzeit weit vorziehen.