Review

Viel habe über „Guinea Pig" gehört und gelesen. Fast durchgängig reichten die Meinungen Derer, die sich den Film antaten von Ekel über Unverständnis bis Abscheu.

Nun - ich sag's ungern - genau das hat mich an den Film gereizt. Auch ich wollte die perfekte Illusion erleben, wie eine Frau von ihren drei Peinigern aufs Entsetzlichste zu Tode gefoltert wird. Das spricht freilich nicht für die stärke meines Charakters und ich bin auch nicht stolz drauf, jedoch bin ich als Horrorfan immer daran interessiert mich anekeln zu lassen.

Ich suche immer den absoluten Schauder, um dann am Ende froh zu sein, nicht selbst der oder die Gepeinigte zu sein, sondern auch nach zwei Stunden immer noch bequem auf meinem Sofa sitze - im Idealfall mit einem kühlen Bier in der Hand. Soviel also zu meiner Motivation den Film anzusehen. Der Film selbst hat mich dann bitter enttäuscht. Bis an meine Grenzen wollte ich gehen - Das nie Gesehene wollte ich tapfer ertragen und ich bin fest davon ausgegangen, dass ich in den kommenden 40 Minuten das Grauenvollste sehen werde, was mir je vor die Augen kam. Nichts war. Drei Männer schlagen und treten eine gefesselte Frau. Ja, was für tolle Typen - Riesenleistung. Das geht so eine ganze weile, bis der Frau Kunstblut aus den Mund läuft. Das war dann der „Spezialeffekt". Sie wurde dann gedreht, bis sie ohnmächtig wurde, sie musste sich 20 Stunden einen Zahnarztbohrer anhören, sie musste sich mit der Zange kneifen lassen, man übergoss sie mit kochendem Öl, überschüttete sie dann mit Maden und bewarf die Gute dann mit Innereien. Das alles ist nicht schön und relativ eklig, filmisch oder effekttechnisch erwähnenswert war nichts davon. Einzig das rausreißen eines Fingernagels ließ kurz Unbehagen in mir hoch kriechen. Jedoch war diese Szene so kurz, dass man nur die Zange am Fingernagel sah und in der nächsten Einstellung eine rot getünchte Fingerkuppe. Entwarnung.Zuletzt sah man dann eine Szene, die wirklich gut gelungen war. Ein Augapfel wurde mit einer Nadel durchstochen. Man sah diese Szene nur in Großaufnahme. Mein Ekel hielt sich auch hier in grenzen - es war zu klar, dass es sich um einen gelungenen Spezialeffekt handelt.
Vielleicht war es auch die fehlende filmische Handlung, die in mir keinen echten Schauder hervorrief. Schauspielerisch war von den drei Folterern nichts zu erwarten, jedoch sahen die Tritte nicht wirklich realistisch aus- es ist eben nicht so einfach auf jemanden einzutreten ohne ihn wirklich wehzutun. Die Frau spielte ihre Rolle runter ohne sie wirklich zu verinnerlichen. Da war keine Spur von Panik und Entsetzen und wenn ein Mensch mit 150 °C heißem Öl übergossen wird, stößt er mit Sicherheit Geräusche aus, die man nicht mehr vergisst, wenn man sie mal hören musste. Das blieb uns hier alles erspart - vielleicht auch gut so. Nein - Das war nicht die perfekte Illusion. Es gibt heutzutage Kinofilme, die härter sind.Ich habe einen teilweise ekligen aber unmotivierten Experimentalfilm gesehen, der in mir nicht das auslösen konnte was er wollte: Die Illusion einen echten Snuff-Film zu sehen.Fürs Auge durchstechen und eine nach mehrmaliger Heißöldusche verbrutzelte Haut noch zwei Punkte. Geld ausgeben würde ich dafür allerdings nicht.

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