Review

Wieviel Schmerz kann ein Mensch ertragen?

Als der böseste, authentischste und ekelhafteste Film ist er im Munde aller Horror,- Splatterfans, unter Sickofans ist er der Klassiker des Genres - doch warum? Guinea Pig (Meerschweinchen) - Devil's Experiment, so der Titel dieses Kurzfilmstreifens, der eigentlich keine Geschichte, keine Dialoge und keinerlei Atmosphäre kennt, soll verstörend sein, da man im Vorfeld unter Einfluss von Hören und Sagen immer mal wieder aufgetischt bekommt, dass die Versuchskaninchenversuche, mehr ist das hier nicht, echt sein sollen.

Snuff oder Pseudosnuff zum Selbstzweck für die Werbetrommel hin und her, das Prädikat sinnlos, ekelhaft und authentisch hat er allemal verdient, auch wenn der Vorwand das ganze unter "real" ablaufen zu lassen, absolut gar nicht stimmt. Das Seherlebnis taumelt zwischen "uninteressant" und "interessant", ertappt man sich ständig dabei nach voyeuristischen Zügen oder dem Rätsel, ob das nun jetzt doch vielleicht echt sein könnte, wird hier doch sehr realitätsnah umgegangen. Auch wenn man nicht wegschauen kann, aber möchte, muss man im Endeffekt sich eingestehen, nach all dieser Gehaltlosigkeit als grundnormalen Film, kann man das Alles nicht geniessen. Im Gegenteil, fragt man sich nämlich, warum man es überhaupt sehen musste und sich dazu hat hinreissen lassen es überhaupt zu schauen.

Ein Sinn dahinter ist wiederrum auch nicht zu sehen, denn dokumentarischen Charakter, hat dieser Pseudosnuff, dieses Pseudoexperiment keineswegs. Es ist in allen Belangen nur recht fraglich, für welche Zielgruppe sowas geeignet sein könnte, und - wer sowas sogar letztendlich unterhaltsam finden könnte? Mainstreammimöseschen, wie es ein Autor zuvor erwähnte, sicher nicht, aber auch Horrornerds der abgehärteten Sorte und Splatterfans, die die §131 Liste auf und ab auswendig kennen nur in Maßen, denn fragwürdig als Film und Kunst ist das allemal.

(Spoiler)
In ziemlicher billiger Optik,werden so die ziemlich kranken Experimente an einer Frau durchgeführt, um dabei in Kapiteln sich vehement in der Explizität des Gezeigten zu steigern.

1.
Die Frau wird mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Die Frau wird mit Salzwasser im Gesicht eingerieben und mit der flachen Hand geschlagen. Die Frau wird mit einem mit Geld befüllten Stoffsack ins Gesicht geschlagen. (0/10)

2.)
Die Frau liegt gefesselt am Boden und wird getreten, bis sie nicht mehr aufstehen kann. (0/10)

3.)
Mit einer Zange bekommt die Frau die Handhaut und Oberarmhaut angehoben. (1/10)

4.)
Die Frau wird auf einem Stuhl bis zur Bewusstlosigkeit gedreht, um danach mit einer ganzen Whiskyflasche abgefüllt zu werden. Sie wird so lange gedreht, bis sie sich erbricht. Sie bekommt unter Einklang verzerrter Geräusche einen Kopfhören festgebunden, bis sie wahnsinnig wird. (2/10)

5.)
Die Frau bekommt mit einer Zange die Fingernägel abgerissen. (4/10)

6.)
Die Frau liegt gefesselt auf dem Tisch und wird mit siedendem Öl begossen. Die gereizte Haut beginnt sich zu verfärben und Blut quillt aus den Wunden.  (3/10)

7.)
Auf die Wunden und ihren gesamten Körper werden Mehlwürmer gestreut. (3/10)

8.)
Die Frau wird mit Innereien beschmissen, mit Skalpell in die Hand geschnitten und mit dem Hammer auf die Hand gedrescht.
(3/10)

9.)
Die Frau bekommt eine Nadel in die Schläfe eingeführt, um dann im Augapfel wieder herauszukommen. Ihr Auge unterläuft mit Blut.

Gerade bei den letzten 3 Szenen herrscht soviel Realitätsnähe vor, dass das Gezeigte absolut schmerzt, nicht nur für den Protagonist im Film, der wohl ziemlich leiden muss, sondern auch für den Zuschauer, so echt sehen die Einschnitte mit Skalpell in der Hand und das Eindringen der Nadel aus. Doch gerade die ersten Szenen, in denen die Frau lediglich geschlagen und getreten wird, sind so krank und sinnlos, dass man den Machern eine ohrfeigen möchte. Was soll daran interessant sein. Ach mir bleibt die Spucke weg, vorallem wenn ich auch sehe, wieviel Menschen tatsächlich dem Ganzen etwas abgewinnen können. Wertungen von über 3 Punkten, und das sage ich echt nicht oft, zeugen wahrlich von zerstörtemGeist, und genau deswegen ist das auch alles bloss für solche sehbar, wenn nicht sogar bloss für all jene männliche Existenzen interessant, die mit Frauen ihre Probleme haben.

Fazit:
Der Film wird seinem Ruf als härtester Film weltweit gerecht, wird aber bloss all jenen gefallen, die sich in ihrer Zerissenheit an solch gehaltlosem, kranken und frauenfeindlichen Pseudodokumist erheitern können. Kranker Pseudosnuff ohne wirkliche Aussage oder Unterhaltungsfaktor. Für gescheiterte Existenzen wohl der Hammer, unter Kult verstehe ich etwas Anderes.

23%

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