Unter anderen Umständen - sprich: bei einem deutlich angenehmeren Film - würde ich jetzt mindestens zwanzig Euro ins Phrasenschwein schmeißen müssen, da ich genau jetzt mit meinen Amateureissen flexen und darüber schwadronieren wurde, wie vielfältig japanische Kunst doch sei und als Beispiele mutmaßlich den Unterschied zwischen Babymetal und Merzbow oder zwei anderen willkürlich gewählten Kulturgüter der Insel hervorheben und wie beeindruckend diese Kultur doch sei. Was sie mit Sicherheit auch nicht. Bei "Guinea Pig" kommt mir wiederrum nur ein etwas allgemeineres, explizit nicht landerspezifisches Urteil in den Sinn: Menschen sind überall gleich scheiße. Oder besser gesagt: haben zumindest überall das gleiche Arschlochpotenzial
Im Übrigen habe ich total vergessen, wann und wo ich erstmals von diesem Film hörte, wann ich ihn selbst sah und kann das Warum wahrscheinlich nur mit niederen Beweggründen wie Langeweile oder Neugier beantworten. Ich mutmaße mal, dass ich da gerade noch im ausklingenden Teeniealter und entsprechende Wikipediaartikel mit ihrer Schilderung des Charlie Sheen - Zwischenfalls und der Gewalt Schuld waren. Gesehen habe ich zumindest die ersten beiden, viel später dann den Rest. Warum ich die jetzt hier bespreche? Weil die letzten zumindest noch effekthistorischen Wert besitzen und man daher über die ersten beiden amoklaufenden Elefanten im Raum sprechen sollte.
Das Drehbuch des ohnehin recht kurzen Filmes besteht im Wesentlichen aus Folter Experimenten, die ein Haufen Jugendlicher (Drei Mörder und ein Kameramann) an einer wehrlosen Frau durchführen. Unterbrochen wird das widerliche Treiben dabei lediglich durch Einstellungen der Frau, kurz vor ihrer Verschleppung in einem Netz hängend, sowie jeweils ein Kanji kurze Zwischeneinblendungen der kommenden Foltermethode, wobei das Martyrium der Protagonistin auch gerne mal bemessen und beziffert wird. Von einer Alibitexttafel am Anfang, die das Geschehen als authentische Videoaufnahme hinstellt gibt es keine nennenswerte Rahmenhandlung.
Dass "Guinea Pig" mal für Real gehalten wurde halte ich durchaus für realistisch, aber der Wahrheitsgehalt ließ sich seinerzeit bereits mit Making of - Material widerlegen. Und wem das nicht als Beweis reicht, der kann sich ernsthaft die Frage stellen, wie wahrscheinlich es ist, dass irgendwelche Vollpsychos sich die Mühe machen, den Tatort angemessen zu beleuchten und im Anschluss zu schneiden und mit Zwischentiteln zu versehen. So eitel wäre nicht mal Ted Bundy gewesen.
Dass es sich bei den dargebotenen Torturen hier noch um die Anfängertricks des Grand Guignol - Zauberbuches handelt macht das Geschehen nicht gerade erträglicher, wobei von Horror oder Spannung weniger die Rede ist, nicht mal mehr von Ekel, eher von Empörung sprechen wir hier. Das ist einer der wenigen handverlesenen Fälle, wo ich die Beschlagnahme eines Filmes absolut nachvollziehen kann.
Als Film scheitert "Guinea Pig" komplett, als Lektion in Sachen "Edgelording on a Budget" wiederrum kann man diesen Film kaum übertreffen. Die Frage nach dem Wiedersehen beantworte ich im Übrigen mit "'Nee, lass mal, Kapelle." Dann lieber nochmal "The Ring" oder von mir aus auch "Organ".