Mit „Pandora Peaks“ lieferte Russ Meyer sein letztes Werk, ein Film der sich an keine Konventionen anpasst, den Geist der Klassiker atmet. Meyer inszenierte sein Vermächtnis, ein filmisches Testament und zugleich eine Hommage an sein eigenes Gesamtwerk. Für die Hauptrolle verpflichtete er Pandora Peaks und benannte auch seinen Film nach ihr – die ehemalige Pornodarstellerin und Stripperin (war auch in diversen Männer-Magazinen wie „Playboy“ zu sehen) stellte für eine perfekte Verkörperung seines Busen-Fetischs dar. Und schon nach zwei Minuten Laufzeit gibt es die ersten entblößten Brüste zu sehen, während Russ Meyer von seinen frühesten sexuellen Erinnerungen erzählt, zum Beispiel von einer drallen Lehrerin, schon früh wurde bei ihm der Appetit auf große Brüste gelenkt, was sich zeitlebens nicht mehr ändern sollte.
Der Film lässt sich nicht eindeutig in ein Genre einordnen, locker und lässig werden Funktionsweisen des Dokumentarfilms gekreuzt mit jenen der Komödie, des Erotik- und Musikfilms, sowie auch des anspruchsvollen Essayfilms. Was sich konfus anhört, wird vom Regisseur aber bestens unter einen Hut gebracht, mit derselben frivolen Unbeschwertheit wie die kultigen Spielfilme der 60er und 70er. Mehr als einmal beweist Meyer Mut zur Selbstreflexion und zitiert munter aus seinen eigenen Filmen, orientiert sich überhaupt nicht am Stil anderer Filmemacher. Besonderes Indiz dafür ist zum der typisch gestaltete Soundtrack, eine abwechslungsreiche Auswahl eingängiger Marschmusik gepaart mit den hinlänglich bekannten witzigen Soundeffekten (immer schon ein wichtiges Stilmittel klassischer Nudies und früher Hardcore-Filme) und natürlich lasziver Blasmusik sowie Swing-Töne.
In den USA wurde lediglich eine Kurzfilmversion gezeigt, die internationale Fassung ist allerdings die wesentlich bessere. Aufgrund der immer noch recht knappen Laufzeit und dem hohen Tempo kommt keine Langeweile auf. Grund hierfür ist vornehmlich die ausgelassene Stimmung und der Spaß beim Dreh, der in jeder Minute spürbar ist. Ganz frei jongliert Meyer persönliche Anekdoten seiner selbst, Monologe seiner Hauptdarstellerin Pandora und kommentiert den Film mit hörbarem Vergnügen. Eingebettet sind die losen, allesamt sehr kurzen Sequenzen, in unterschiedlichsten Kulissen und Hintergründe, völlig frei springt man von San Francisco nach Deutschland (vornehmlich Bayern), die amerikanische Wüste – beinahe jede Szene ist in der Natur gefilmt, nur wenige Innenaufnahmen schmälern das bunte Gesamtbild. Unter anderem kehrt Meyer auch an Handlungsorte seiner früheren Filme zurück, nur ein Beispiel ist ein Stück Wüste, welches den Fans bestens vertraut ist aus „Faster Pussycat! Kill! Kill!“
Zentrales Thema ist die sexuelle Macht der Frau über den Mann, ohne aber jemals richtig feministischen Charakter zu entwickeln. Auch die für Meyer charakteristischen Anspielungen auf Nazi-Deutschland und die damit verbundene politische Provokation sind vorhanden und verleihen dem Film etwas Zeitloses. Politisch inkorrekt, schamlos obszön und handwerklich nahezu perfekt. In über zwanzig Jahren Pause hatte Meyer nichts verlernt und beweist sein unfehlbares Gespür für die richtige Schnitttechnik, für Timing und sein Talent für eine exzellente Montage. Seine Bildkompositionen sind unverkennbar und trotz aller Simplizität in Sachen Charme bis heute unerreicht. Diese Tatsache führt uns der Meister selbst mit seinem letzten Werk noch einmal vor Augen, ohne aber irgendwie selbstverliebt zu wirken. „Pandora Peaks“ ist ein Film für die echten Fans des Machers (neue zu gewinnen beabsichtigte er wohl kaum), in erster Linie aber ein Film den sich Meyer selbst zu schenken scheint.
Einige der vielen Nacktszenen sind sehr detailliert und zeigefreudiger als die Meyer-Klassiker, Sex gibt es allerdings weder in gestellter noch in realer Form zu sehen. Pandora und eine handvoll andere gut bestückte Damen geizen nicht mit ihren Reizen, posieren in schrillen Outfits oder völlig nackt vor verschiedenen Hintergründen. Ob nun auf einer Alm oder neben Kakteen im heißen Wüstensand, die Kameraführung schwelgt geradezu hingebungsvoll im eigenen Voyeurismus.
Fazit: NUR für Fans vollauf zu empfehlen. Für alle die sich ein Bild von Russ Meyer machen wollen unverzichtbares Pflichtprogramm, denn „Pandora Peaks“ ist sein persönlichster Film. Ein würdiger Abschied für eine Legende, nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung verstarb der Regisseur, R.I.P. Russ…
7,5 / 10