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Mehr als 20 Jahre nach seinem abschließenden Ritt durch die Sexfilmlandschaft der ausgehenden 70er ließ sich Kult-Regisseur Russ Meyer wieder auf dem Regiestuhl nieder, um noch ein Werk hinterherzuschieben. Sein Ziel: offensichtlich die Demontage seines bis dahin alles in allem durchaus diskussionswürdigen Oeuvres durch einen absolut erbärmlichen Schrottstreifen. Das jedenfalls ist ihm voll und ganz gelungen.

Was ihm engstirnige oder prüde Kritisierende schon seit Jahrzehnten vorgeworfen hatten, trifft auf „Pandora Peaks“ tatsächlich zu: Der Film ist ein inhaltsleeres, niveauloses Machwerk, das 70 Minuten lang der reinen geifernden Fleischbeschau durch alte weiße Herren dient. Unter dem Deckmantel, die Strip-Ikone Pandora Peaks zu porträtieren – was hier lediglich heißt, sie permanent tanzen und strippen zu lassen und das Ganze mit völlig sinnlosen Plattitüden aus dem Off zu kommentieren – liefert Meyer eine billige Riesentittenshow, die inhaltlich rein gar nichts zu bieten hat und ästhetisch derartig speziell daher kommt, dass der Film höchstens als reiner Fetischstreifen funktionieren kann. Denn die absurd gigantisch aufgeblasenen Brüste der Hauptdarstellerin und ihrer drei Kolleginnen, die völlig wahllos zusammengeschnitten ebenfalls tanzen, sich räkeln und stöhnen dürfen, dürften nun wirklich nur für ausgewählte Geschmäcker von Interesse sein.

Aber gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, von daher wäre dieser Aspekt noch zu verschmerzen, wenn „Pandora Peaks“ sonst noch irgendetwas zu bieten hätte. Aber weit gefehlt! Dramaturgisch und inhaltlich von der Tiefe eines Bildschirmschoners, mäandert die Inszenierung vollkommen sinnentleert zwischen den verschiedenen nackten Tänzerinnen hin und her, verwurstet altes Filmmaterial aus einer Handvoll früherer Streifen, schneidet einige neue Aufnahmen dazwischen und zeigt ansonsten nur nackte Riesenbrüste in Dauerschleife. Dass viele Aufnahmen in Deutschland entstanden, weil Meyer wohl noch aus seiner Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg Kontakte hat, verleiht dem Ganzen für deutsche Zuschauende noch einen Hauch abstrusen Humors, wenn er etwa kitschige Bilder von München, Berlin oder irgendwelchen Käffern zeigt, die für Meyer irgendeine Bedeutung haben.

Der Versuch, seinen alten Sinn für ironische Verschiebungen wiederzubeleben, geht hier allerdings konsequent daneben. Selbst das Durchbrechen der vierten Wand funktioniert in diesem Sinne nicht, wenn er etwa sich selbst beim Fischen zeigt und dazu kommentiert, warum denn in einem Sexfilm Aufnahmen von ihm selbst beim Fischen gezeigt werden – das ist nicht selbstironisch, sondern selbstbeweihräuchernd, ebenso wie die Off-Kommentare, die seine alten Sexfilme zu avantgardistischen Meisterwerken umzudeuten versuchen. Und mitunter greift er auch voll daneben: Da sagt er von seinem deutschen Freund, er habe einen speziellen Humor, und dann steht dieser Freund im Fenster und ruft zur Begrüßung: „Sieg Heil!“ Entweder ist Meyer nicht bewusst, was so etwas in Deutschland bedeutet – ganz sicher keinen „speziellen Humor“ – oder, noch schlimmer, es ist ihm bewusst und er pfeift drauf. So wird selbst aus seiner bizarren Vorliebe für Nazi-Andeutungen, wie sie in seinen letzten Filmen zu bestaunen war, ein eher eklig riechendes Alter-Mann-Gewäsch.

Dasss „Pandora Peaks“ über 70 Minuten hinweg keinerlei Handlung oder Story aufzuweisen hat, macht die endlosen Tänze, Strips und Räkelspiele im Bett oder in der Wanne keineswegs aufregender, sondern tatsächlich ziemlich schnell todlangweilig. Und ähnlich wie schon damals bei „Mondo Topless“ schlagen die abstrusen Off-Kommentare der Tanzenden dem Fass noch zusätzlich den Boden aus: Da wird in einem Maximum an Sinnleere über Dienstpläne schwadroniert („Manchmal hat man frühe Shows, manchmal späte, aber es macht immer Spaß“), über fröhliche Jugendzeiten und wie verschämt man doch früher war, heute aber den eigenen Körper liebt und gerne zeigt. Das alles kommt so billig und offensichtlich auf plumpeste Männerfantasien zugeschnitten daher, dass es nur noch peinlich ist – ganz besonders das erbärmliche Sexgestöhne der deutschen Tundi, das wie beim schlechten Telefonsex abgelauscht wirkt.

Mit „Pandora Peaks“ hat sich der Altmeister des subversiven Sexfilms weiß Gott keinen Gefallen getan. Ganz im Gegenteil zeigt er, was für ein alter, geiler Bock er geworden ist, präsentiert absurde Riesenbrüste auf die denkbar stupideste Weise und zelebriert Nacktheit, Degradierung von Frauen auf Sexualobjekte und tödliche Langeweile bis zur Unerträglichkeit. Ein durch und durch erbärmliches letztes Werk, das seinen besten Leistungen nicht einmal im Ansatz gerecht wird.

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