Ok, HipHopper in Filmen sind immer so eine Sache. Kaum einer von ihnen hat es wirklich geschafft sich auch abseits der Musik zu etablieren, dafür scheint das alles unter dem Motto "Jeder darf mal" zu laufen. Eigentlich sind es nur 3 der Sprechgesangler, die sich schon seit Jahren immer wieder in Hollywood tummeln. Ice T, der inzwischen in jedem C-Actioner mitzuspielen scheint, der ihm angeboten wird; LL Cool J, der sich immer wieder als sympathischer Darsteller in Filmen wie "Deep Blue Sea", "Mindhunters" oder ähnlichen gezeigt hat. Der dritte ist Ice Cube.Der hat inzwischen auch schon knappe 25 Filme gedreht und dazu seine eigene Produktionsfirma gegründet, die bei Independent Hits wie "Barber Shop" oder "Friday" beteiligt war. Ice Cube selber pendelt immer wieder zwischen diesen eher kleinen Filmen und Mainstream Krachern wie zu letzt "XXX2 - The next Level". Was ihn aber dazu bewogen hat mit "Sind wir schon da?" jetzt auch noch in die Kinder Entertainment Schiene zu gehen, bleibt wohl sein Geheimnis.
Um es vorweg zu nehmen, "Sind wir schon da?" ist nette, Familientaugliche Unterhaltung, die aber wohl jedem der älter als 12 Jahre ist bereits nach wenigen Minuten gehörig auf die Weichteile geht. Die Story bietet wenig bis gar nichts Neues und so quält man sich als Zuschauer durch 90 Minuten Vorhersehbarkeit, ehe es am Ende das obligatorische Happy End gibt, das dann auch noch gewaltig in Richtung Kitsch driftet.
Bis es aber soweit ist darf man dabei zu sehen was passiert, wenn man Kinder nicht richtig erzieht. Nick (Ice Cube) lernt die schöne und erfolgreiche Suzanne (Nia Long) kennen, die alleinerziehende Mutter zweier nerviger Rotzgören ist. Als die Mama zum Arbeiten nach Kanada muss, liegt es bei Nick die Kids ebenfalls dort hin zu bringen. Dabei wird natürlich der Flug verpasst und auch die Idee mit dem Zug war nicht sonderlich gut, so dass Nick die beiden Kids, die jeden neuen Verehrer ihrer Mum hassen, in seinem neuen Geländewagen fahren. Aus dem Roadtrip wird, wie man sich denken kann, ein chaotischer Trip, der letztlich aber doch dafür sorgt das sich alle ganz doll lieb haben.
Bis es so weit ist, wird man aber mit allem gequält was man sich nur denken kann, und sich erhofft hatte es nie wieder sehen zu müssen. Das Auto wird natürlich Stück für Stück zerlegt, Nick muss einiges an Schmerzen aushalten, die Kids hauen ab, ein Kind wird krank, der leibliche Vater der Kinder wird besucht, hat aber inzwischen eine neue Familie und so weiter. Witzig ist das alles in den wenigsten Fällen, dazu hat man die Gags zu oft gesehen und wirkt die Zusammensetzung des Humors zu willkürlich. Der Film kann sich nie entscheiden ob er jetzt in die Fäkalrichtung oder die Familientaugliche Kerbe schlagen soll. Dazu kommt noch, dass Regisseur Brian LeVant nie ein einheitliches Tempo schaffen kann und der Film so immer wieder gehörig ins Schwimmen kommt und sich schnell Langeweile breit macht. Der dramatische Einschlag, den die Trennungsgeschichte und die damit verbundenen Probleme der Kinder mit neuen Bekannten ihrer Mutter bieten könnte, werden immer wieder plump angerissen aber nie befriedigend gelöst oder thematisiert, so dass es hier vielleicht besser gewesen wäre diesen Subplot ganz zu entfernen. Auch die finale Verwechslungsstory mit einem Trucker, der Nick für einen Entführer hält ist wenig humorvoll, sondern wirkt eher nervtötend und lästig.
Nervtötend und lästig sind auch die zwei Eigenschaften, die man den beiden wohl unerträglichsten Kindercharakteren seit langem in einem Film attestieren muss. Aleisha Allen und Philip Boldon als Lindsey und Kevin sind einfach nur unerträglich und man kann Nicks geduld nur bewundern. Da könnte selbst die Super Nanny nichts mehr retten. Verschlimmert wird das Trauerspiel dann noch durch eine unsägliche Gesangseinlage von Aleisha Allen, die man hier wohl schon als kommenden R´n´B Star aufbauen will. Na ja solange man sie dann nicht mehr im Kino sehen muss, gerne. Ice Cube spielt seine Rolle recht routiniert herunter und wird nicht groß gefordert. Zumeist reicht es wenn er etwas grimmig schaut und sich ordentlich auf die Kauleiste legt. Nia Long sieht zwar schön wie immer aus, aber ihr bleibt nicht viel mehr als eine Nebenrolle, die sie aber gewohnt mit Leben füllen kann.
Wie Jay Mohr zu einem Credit als 3. Hauptdarsteller kommen konnte, bei geschätzten 3 Minuten Screentime erschließt sich mir nicht ganz, aber trotzdem schön ihn mal wieder in einem Kinofilm zu sehen.
Letztlich ist "sind wir schon da?" ein Film, der ganz klar an ein junges Publikum gerichtet ist und dieses sicherlich auch gut unterhalten kann. Das man mit diesem Konzept auch heute noch Erfolg haben kann zeigt das ausgezeichnete Einspielergebnis des Films im Kino. Jeder über 12 Jahren wird aber irgendwann während des Films zu dem Punkt kommen, dass er von dem gesehenen unwahrscheinlich genervt ist. Lacher und gute Gags sucht man zumeist vergebens und somit ist der Film eindeutig was für jeden Kindergeburtstag der Brüller, aber auch nicht mehr. 3 von 10 Punkten.