Park Chan-Wook, Miike Takashi und Fruit Chan (in Zusammenarbeit mit Kameramann Christopher Doyle) in einem Film vereint - wem da nicht das Wasser in Munde zusammenläuft! Freunde des aktuellen asiatischen Kinos lecken sich da schon die Finger, und überraschenderweise verschlägt es dieses Dream-Team dann auf den Sektor des Horror-Films, auf dem bis auf Miike noch keiner einschlägige Erfahrungen gesammelt hatte.
Umso erstaunlicher ist es, wenn sich der japanische Viel-Filmer am weitesten von der Gerne-Vorgabe entfernt - Sein Auftaktsfilm "Box" ist eine ruhige, fast meditative Mystery-Story um Zwillingsschwestern und einen grausigen Unfall in ihrer Vergangenheit. Die Bilder sind von außergewöhnlicher Schönheit; in den ausgeprägten, kräftigen Farbkontrasten erinnern sie ein wenig an Kitano's "Dolls". Dazu fängt der sorgsam und stimmungsvoll eingesetzte Soundtrack die morbide, surreale Atmosphäre perfekt ein. Die schlichte, wenig überraschende und notdürftig verschachtelte Story kann mit der Ästhetik leider bei weitem nicht mithalten. Dafür setzt Miike mit gewohnt sicherer Hand ein Schlussbild, welches den Zuschauer mit reichlich Fragezeichen über dem Schädel in die zweite Runde schickt.
Hier schlägt Fruit Chan mit seinem Horror-Debüt "Dumplings" dem geneigten Betrachter erstmal kräftig in die Magengrube. Die Story fährt harte Geschütze auf: Eine alternde Fernsehschauspielerin lässt sich von einer Festlandchinesin ein spezielles Jugendelixir aus >gulp!< menschlichen Föten zusammenkochen. Chan köchelt einen nihilistischen Cocktail aus Schönheitswahn, Kannibalismus und Inzest zusammen, der einmal mehr Hongkongs fast paranoide Furcht vor dem großen Bruder China nach der Eingliederung wiederspiegelt. Dazu stützt Christopher Doyle, Wong Kar-Wais Hauskameramann, das grausige Geschehen mit verwesten, perfekt komponierten Bildern, die zielstrebig das Ekelempfinden des Zuschauers umspielen. Problematisch ist allerdings auch hier wieder die Storyline: "Dumplings" erschien in Hongkong parallel als eigenständiger Feature-Film. Dementsprechend wirkt die auf weniger als die Hälfte der Spielzeit geraffte Erzählung löchrig und in einigen Nebensträngen nur notdürftig angedeutet, wie beispielsweise in der Beziehung der Schauspielerin zu ihrem untreuen Mann (Tony Leung Kar-Fai, ein absoluter Ausnahmedarsteller Hongkongs, der mehr Auftritte verdienht hätte). Trotzdem funktioniert auch die geraffte Fassung noch außergewöhnlich gut.
Zum Abschluss schlägt jedoch Park Chan-Wook ("Oldboy") mit "Cut" dem Fass den Boden aus. Unglaublich, aber alles, was der Mann anfasst, wird zu Gold! Die an sich schon schräge Film-im-Film-Story um einen Regisseur, der samt Ehefrau von einem enttäuschten Nebendarsteller gekidnappt wird, ist da fast noch nebensächlich. Park zieht besonders auf visuellem Level sämtliche Register, lässt die Kamera zwischen extremen Weitwinkel-Totalen, die selbst ein Kubrick nicht besser hätte komponieren können, verwackelten Handkamera-Close-Ups und innovativen CGI-Fahrten mühelos hin und her springen. Der Schnitt visiert die Höhepunkte des Films unglaublich zielstrebig an, und zwischendurch sorgt ein genialer Regie-Kniff nach dem nächsten für Grauen und Erheiterung in perfekter Verbindung. "Cut" ist mit Abstand der schrägste und beste der drei Filme und lässt sogar auf optischem Niveau die genialen Vorarbeiter nochmal locker hinter sich. Bis auf den letzten, etwas überflüssigen Storytwist (das optimale Schlussstatement war doch eigentlich schon gefunden...) ein absolut perfektes Filmchen und allein schon die Anschaffung der DVD wert!
Am besten gleich noch "Dumplings" in der Feature-Fassung dazu anschauen, dann hat man eine einmalige, hochästhetische Sammlung von drei asiatischen Außnahmeregisseuren vor sich!