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Nach den Grusel-Mystery-Shorts "Three" kommt hier die extreme Zusammenstellung dreier Regisseure aus Hongkong, Japan und Korea. 1. "Box" von Takashi Miike: Kyoko hat klaustrophobische Albträume und glaubt, ihre tote Schwester im Treppenhaus zu erkennen. Das einst als Kind verbrannte Mädchen bewegt sich geisterhaft mit knackenden Geräuschen, während die wunderschön gefilmten, beklemmenden Traumbilder die Schuldkomplexe von Kyoko wiederspiegeln. In einem ruhigen Film versucht sich Takashi Miike an gruseligem und wahrlich mysteriösem Minimalismus in tollen Bildern, die sich bis zur totalen Stille steigern, um sich dann in einer Explosion zu entladen. Das Kindheitsdrama verschmilzt wie ein Loop Kyokos Visionen mit der Vergangenheit in der Zirkuswelt, Schuld und Sühne als Albtraum in der realen Welt. Das Ende ist überraschend und verstörend in diesem grandiosen und surrealen Beitrag, der, untypisch für Miike, etwas wie ein Korea-Grusler erscheint. 2. "Dumplings" von Fruit Chan: Die leicht in die Jahre gekommene Prominente Ching kommt zu "Tante Mei", die für ihre Teigtaschen bekannt ist. Diese sollen eine verjüngende Wirkung haben, die auf eine spezielle Füllung zurückzuführen ist, nämlich menschliche Föten. Jene beschafft sie im Krankenhaus oder treibt zur Not behelfsmässig zu Hause ein ungewolltes Kind ab, bevor sie es kleinhackt und zu dem medizinischen Essen verarbeitet. Der Regisseur aus Hongkong breitet eben jene Zubereitung und vor allem den Verzehr immer wieder ordentlich aus, was angesichts des leicht knurpsendes Geräusches aufgrund der mitverarbeiteten, weichen Knochen nichts für empfindliche Mägen sein dürfte. Die Thematik erinnert ein wenig an andere asiatische Sickos wie "The Untold Story", nur das es hier zunächst keinen wahnsinnigen Killer gibt, sondern Frauen, die ihrem Schönheitsideal ein wenig nachzuhelfen versuchen. Doch der Horror fehlt hier keineswegs, wenn durch Inzest auch noch eine unglückselige Wendung in die verkorkste Moral kommt. Sicher der schockierendste und inhaltlich verstörendste Beitrag dieser Kurzfilme. 3. "Cut" von Park Chan-Wook: Ein Regisseur kommt eines Nachts nach Hause und findet sich kurze Zeit später in den Händen eines unbekannten Eindringlings wieder. Dieser Schauspieler, der sein Talent für unerkannt hält, versucht, das Image des Mr. Perfect aus dem beliebten Filmemacher auszutreiben und hinter die Fassade zu blicken. Seine Mittel sind brutal, wenn er den unbedarften Mr. Nice Guy entscheiden lässt, ob seiner Frau und Pianistin nach und nach alle Finger abgehackt werden oder er eigenhändig ein gefesseltes kleines Kind umbringt. Die Story ist nicht ganz neu, nebenbei wird der ungleich schlechtere Thriller "The Uninvited Guest" wohl nicht zufällig erwähnt. Trotzdem hebt man sich diesen wohl plakativsten Brutalostreifen bis zum Schluss auf, zumal hier durch einige Goreeffekte nicht alles im Geheimen bleibt, was zu dieser Terrorgeschichte gehört. Da wären ansonsten noch sehr dialoglastige Passagen und sogar eine groteske Tanzeinlage (!) des besessenen Statisten. Visuell bietet Park Chan-Wook gewohnt Filmkost auf technisch hohem Niveau, die Idee der Wohnung, die wie Kulissen und wie die Fassade des perfekten Menschen zusammenfällt, ist eher gewöhnungsbedürftig. Anders als in Miikes "Visitor Q" ist der ungebetene Besuch nur auf die Zerstörung ausgelegt, bzw. die Wandlung von Gut zu Böse. Das klappt, vielleicht aufgrund der kurzen Laufzeit, nur mässig, da es etwas holperig und fix abgehakt erzählt wird, wobei die Idee durchaus gut ist. Eher für Gorehounds und Fans schöner Kamerafahrten interessant, doch die anspruchsloseste Story.

Fazit: Alle drei Shorts sind sehenswert und bieten zudem noch eine abwechslungsreiche Unterhaltung. Von bildschönem Mystery bis zu klassischem Sicko ist alles dabei. Kinderlieb präsentieren sich alle drei Geschichten nicht. 8/10 Punkten

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