Es gibt bei jedem Film gewisse Parameter, die jeden Film-Aficionado
erkennen lassen, welche Gratifikation sie sich von dem jeweiligen
Streifen erhoffen dürfen – insbesondere beim Horrorgenre. Ist ein Film
mit "Wes Craven" oder "George A. Romero" gelabelt, so ist die daraus
resultierende Erwartungshaltung genau so klar, wie wenn eine asiatische
(Horror-)Filmanthologie mit "Three Extremes" betitelt ist.
Und
doch muss man unter diesem Gesichtspunkt davon sprechen, dass
Etikettenschwindel betrieben worden ist, da nicht alle der hier
vereinten drei Kurzfilme dieser durchaus berechtigten Erwartung gerecht
werden. Zu allem Überfluss sind sie auch noch in umgekehrter
Reihenfolge angeordnet, so dass die Reihe immer unspektakulärer,
unspannender wird.
Gestartet wird mit dem Highlight
"Dumplings" vom Hongkong-Regisseur Fruit Chan. Ein ehemaliges
Soap-Sternchen hat scheinbar schon die beste Zeit hinter sich. Ihr
Gatte vergnügt sich mit irgendwelchen jungen Dingern und "entschädigt"
sie dafür mit einem Haufen Geld. Voller Verzweifelung wendet sie sich
an eine mysteriöse Frau, die ganz besondere Teigtaschen mit
Jungbrunnenwirkung kreiert.
Eine tabu- und grenzenbrechende
Geschichte von Bai Ling (hierzulande eher als Rotes-Teppich-Luder
bekannt) mit erschreckender Kälte gespielt und von der grandiosen
Kamera Christopher Doyles ("Hero") konterkariert, der mit ihr derartig
hervorragend komponierte, knallbunte Bilder geschaffen hat, dass man
sich fast jeden Frame rahmen möchte.
Die Geschichte wird
kompromisslos und konsequent bis zum nicht minder verstörenden Ende
getrieben, wobei der Ekel und Horror niemals reiner Selbstzweck ist,
sondern auch unbedingt auf der Metaebene gelesen werden muss.
Nach
diesem furiosen Einstieg sind die Erwartungen hoch gesteckt, besonders
wenn der Regisseur des koreanischen Beitrags "Cut" Chan-wook Park
("Oldboy") heißt. Und auch wenn dieser einen ironischen Seitenhieb auf
die Filmindustrie bietet – mehr sei vom Inhalt nicht verraten, um
wenigstens etwas die Überraschung zu erhalten –, so wirkt die hier
dargestellte psychische und physische Folter nur wie ein müder
Abklatsch der Folter aus "Oldboy", die wesentlich stimmiger und
direkter inszeniert worden ist. Die Motivation ist genau so mau wie das
Ende, so dass im Endeffekt nichts weiter bleibt als eine nette
Grundidee mit zwei, drei netten Einstellungen.
Und doch weiß
der Film noch mehr zu überzeugen, als der japanische Beitrag des wohl
eher als ehemaliger Vertreter des extremen asiatischen Kinos zu
bezeichnende Takashi Miike. Nach Streifen wie "Visitor Q" ("Bizita Q")
und "Ichi the Killer" ("Koroshiya 1") erscheint der Massenfilmer Miike
ungewohnt gemäßigt. Verbreitet einer seiner letzten Filme "One Missed
Call" ("Chakushin ari") schon nichts anderes als belanglosen
08/15-Japanhorror, so kann man "Box" von vorne bis hinten eigentlich
nur als Langweile pur bezeichnen. Ein Filmchen, das wohl mehr sein
möchte, als es wirklich ist – statt Horror Arthouse-Kino, was aber auch
in diesem Fall vom Regisseur als dahinplätschender Film mit belangloser
Kryptik missinterpretiert worden ist.
Dumplings: 10/10
Cut: 7/10
Box: 4/10
Insgesamt: 7/10