Im Grunde klingt es wundervoll - drei asiatische Horrorkurzgeschichten auf einer DVD von den renommierten Regisseuren Fruit Chan, welcher der Unbekannteste des Trios ist, Park Chan-wook, der vor allem mit seinem Rachedrama 'Oldboy' massig Lorbeeren eingeheimst hatte sowie Veteran Takashi Miike, der vor allem für seine harte Art bekannt ist, Geschichten anzupacken und zu präsentieren. Diese drei Regisseure haben nun unabhängig drei Kurzgeschichten zusammengewürfelt, die dem Titel der Produktion gerecht werden sollen - Three Extremes. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich die Produkte schlussendlich geworden sind, selbst wenn keiner von ihnen den absoluten Angstmacher erreicht haben.
Das Projekt beginnt mit Fruit Chans 'Dumplins', in dem es um den ewigen Jungbrunnen geht. Eine ältere Frau kämpft mit ihren Falten, versucht ihr junges Aussehen wieder zu erlangen. Es gibt eine Methode, wie dieses Ziel erreicht werden kann, in Form einer speziellen Mahlzeit, welche sie so nur Li's Maid hinbekommt. Allerdings scheint diese Therapie nachhaltige Konsequenzen mit sich zu ziehen, erwischt man mal ein falsches bzw. in den Augen der "Therapeutin" das richtige Etwas.
Fruit Chans Werk ist ein perfekt visualisiertes Werk, dessen Optik vor allem Kamera-Ass Christopher Doyle zu verdanken ist, welcher das triste und teils verstörende Geschehnis in wunderbaren, leicht verängstigt-wirkenden Bildern fängt. Doch trotz der wunderschönen Bildern, hapert es an der Dramaturgie, selbst wenn es vielversprechend beginnt. Der Clou wird dem ein oder anderen sicher übel aufstoßen, doch rechtfertigt ein Schockmoment nicht die holprige Inszenierung. Zu sprunghaft und substanzlos erscheint der Ablauf, was sicher daran liegt, dass der Film eigentlich sehr viel länger geht, er aber aufgrund der Projektthematik gekürzt wurde. Deswegen muss Chan einiges an Unverständnis und uninterpretierbaren Sequenzen einstecken, selbst wenn es einem relativ schnell klar wird, worauf das Ganze ausgeht. Die finale Szene scheint dann nur ein Zugeständnis an diejenigen sein, die von all der Verstörung nicht genug haben können - das Letzte wird wohl dann auch sie zur Beruhigung führen.
Es geht weiter mit Park Chan-wooks 'Cut', mein persönliches Highlight. Ein erfolgreicher und beliebter Regisseur kommt nach einen langen Drehtag nach Hause, und findet sich wenig später in einem seiner Settings wieder, so scheint es. Er ist an einem langen, elastischen Gummiband gefesselt, seine Frau findet er an einem Flügel wieder, geknebelt und ihre Finger an die Tasten geheftet. Sie sind nicht alleine, denn ein vermeintlich Bekannter hat dieses Szenario in Szene gesetzt - und lässt den Regisseuren nun spielen. In 5-Minuten-Abständen verliert seine Frau einen Finger, wenn er nicht dies tut, was der Täter von ihm verlangt - die Ermordung eines unbeteiligten Drittens inklusive.
Chan-wook Geschichte beginnt im Grunde schon mit einem raffinierten Clou, die mit dem Ende und der Auflösung seines Werkes sehr viel zu tun hat. Das Ganze Szenario entspricht einem handelsüblichen Horrorfilm, doch die Protagonisten handeln nicht dergleichen, da sie nicht in das Muster eingefügt werden wollen. Die Thematik ist sicher nicht sonderlich brisant, aber spannend und sehr intensiv in Szene gesetzt worden. Trotz der stets bedrückenden Atmosphäre und des schlichten, aber mysteriös-verstörenden Pianospiels findet der Film noch genügend Platz für beisende Satire und ironischen Seitenhieben, die der ganzen Show die Ernsthaftigkeit rauben soll, es aber dank Chan-wooks genialer Inszenierung das Gegenteil erreicht - der Humor unterstreicht die ernste Thematik umso mehr. Und das ist in meine Augen eine geniale Meisterschaft, da verzeiht man ihm gerne, dass das Ende etwas vorhersehbar war, und auch aus diesem Grund sehr enttäuschend - man hätte aus dieser Situation viel machen können, sehr viel mehr - dennoch top Leistung. Spannender Mittelteil.
Der Abschluss wurde Takashi Miike in die Hände gelegt. doch gerade er, von dem man insgeheim das brutalste Machwerk erwartet, geht es besonders ruhig und subtil an. Es ist eine verschachtelte Geschichte, die von einem Mädchen handelt, dass ihre Schwester unter grausamen Umständen verloren hatte, und sich dieses Ereignis nun jede Nacht in ihren Träumen wiederfindet.
Es passiert nicht sonderlich viel, auch dialogtechnisch ist es eher ruhig angelegt, dennoch reist einen die im Kern sehr tragische Geschichte mit, selbst wenn sie einiges ein Leerlauf einstecken muss. Atmosphäre und leise aufbrodelnde Spannung lässt einen erschaudern, auch wenn man sehr enttäuscht sein wird, hat man nun zu hohe Erwartungen wegen der vorangegangenen Episoden. Miikes Werk lebt von der tristen Umgebung, der subtil spielenden Hauptdarstellerin und dem stets präsenten Mysterium über dem ganzen Geschehen, was in einem schockierenden Finale endet, was doch noch leicht die Nerven zum Flattern bringt. Nichtsdestotrotz muss man anmerken, dass der Non-Sense der Geschichte nicht wirklich Miikes eigentliche Genialität zum Vorschein bringt und sie eben aufgrund des verwirrenden Storyaufbaus für einige sehr langwierig erscheint. Eine zufriedenstellende Erklärung gibt es auch nicht, eher mehr Verwirrung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man nicht den absoluten Horror erwarten darf. Es finden sich eher visuell perfekte Werke wieder, die nicht mit einem gesunden Maß an Verwirrung sparen und doch für das ein oder andere Mal einen Schockmoment für uns parat hält. Favorit ist ganz klar 'Cut' aufgrund der genialen Story und der Inszenierung, die anderen beiden versuchen immerhin, eine glaubhafte Story zu fabrizieren, doch stolpern sie einmal mehr über ihren eigenen Anspruch, selbst wenn es technisch und atmosphärisch einsame Spitze ist.