Häufig schon habe ich mich schon gefragt, wo die neuen Stoffe sind, für die es sich lohnt ins Kino zu gehen. Doch statt neuer Ideen gab es zuletzt immer nur Sequels oder alberne Science-Fiction & Fantasy.
Dann: L. A. Crash:
Sechs oder sieben Einzelschicksale. Alle mit überraschenden Höhepunkten, erstklassigen Dialogen und Themen, die das Leben schreibt. Das Ganze feinsinnig ineinandergewoben und extrem spannend erzählt. Und dann sogar sehr schön gefilmt (also nie billig).
Es gibt hier nicht den klassischen Aufbau mit Helden und Bösewicht, Showdown und nach 90 Minuten ist Schluss. Sondern - genau wie im richtigen Leben ist die Grenze zwischen Gut und Böse fliessend. Manchmal sind die Bösen sogar gut oder die Guten sehr, sehr Böse.
Was aber am allermeisten an L. A. Crash fasziniert, ist dass daraus ein so extrem in sich stimmiger Film geworden ist - hier gibt es keine Stelle, an der der Film Gefahr läuft in seine Bestandteile zu zerbröseln.
Er umgeht damit das häufigste Risiko von Episodenfilmen: Langweilig zu werden wie Short Cuts oder im Endeffekt doch nur eine einzige Geschichte zu erzählen wie Amores Perres (über Mexico).
Stattdessen erzählt Regisseuer Haggis, einen Film, der mit einem Autounfall beginnt und sich immer weiter steigert. Ohne Zweifel kann man schon jetzt sagen: Das ist der beste Film des Jahres!
Natürlich tragen dazu nicht nur die vielen Storylines bei, die viele neuartige Perspektiven einnehmen (wie beispielsweise der Perser in den USA, die dort als Araber beschimpft werden), sondern auch die extrem guten Darsteller unter ihnen auch Sandra Bullock, Matt Dillon und ... eigentlich kann man jeden rausgreifen - alle sind extrem glaubwürdig!
Das schönste am Film sind aber die überraschenden Wendungen der Schicksale. Oft scheint der Ausgang der dramatischen Situationen von zufälligen Gegebenheiten abhängig zu sein.. Dadurch ist auch bei keiner der einzelnen Geschichte der Ausgang klar und vorhersehbar (was heutzutage schon bei nur einem Fall pro Film eine große Kunst ist).
Und trotzdem erzählt der Film eigentlich nur eine Geschichte. Die Geschichte des individuellen Lebens, das von Hoffnung auf ein gutes Leben geprägt ist aber durch Schuld oder Verbrechen beeinträchtigt wird. Natürlich spielt auch der Rassismus eine wichtige Rolle - viele individuelle Aussagen sind davon gefärbt (Nigger, Bohnenfresser, Kalkleisten, Schlitzaugen) aber - hier wieder erstklassig von Haggis inszeniert - ganz deutlich: Keine einzige Figur kann ohne die anderen Rassen überleben (nicht mal die Verbrecher bleiben rein ...).
Sehr schön anzusehen ist übrigens - was leider allzuhäufig in betont realistischen Machwerken vergessen wird - dass die Menschen auch in beschissenen und ausweglosen SItuationen richtig handeln können. Sogar dort - wo es keiner erwartet. Und einmal hat man sogar das Gefühl das Gott persönlich in eine Situation eingegriffen hat (allerdings viel früher als jemand dran gedacht haben könnte).
Diesen Film kann ich nur loben und empfehlen - hier wird ein sonst nahezu unbekannten Bogen gespannt: Trotz aller Genialität ist es immer spannend und unterhaltsam. Meine Höchstwertung.