And the Oscar for best motion picture goes to – „L.A. Crash“. Verdient ist der Oscar allemal, denn der Film ist definitiv ein Meisterwerk des Independent-Kinos. Trotzdem kam der Sieg bei den Academy Awards relativ überraschend, auch wenn der Film kommerziell enorm erfolgreich war und sein Budget mehrfach wieder einspielte sowie von Kritikern und Publikum hoch gelobt wurde.
Ebenso überraschend ist die Tatsache, dass der Film für eine Independent-Produktion unglaublich prominent besetzt ist – Sandra Bullock, Terence Howard (der ja 2005 in fast jedem Überraschungserfolg des US-Kinos zu sehen war), Brendan Fraser und Rapper Ludacris, um nur einige Namen zu nennen.
Mit Hilfe solcher Filme kann es Hollywood tatsächlich schaffen, sein arg angestaubtes und oft kritisiertes Glamour-Image abzulegen (wobei ich trotzdem ein großer Freund von Mainstreamfilmen bin) und zu alter Stärke zurück zu finden.
36 Stunden in der Weltstadt Los Angeles – in der die Menschen wortlos aneinander vorbei laufen, in der Vorurteile regieren und in der die Straßen von unnötiger Gewalt überschwemmt sind. Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis zeigt die Schicksale von einem halben Dutzend Personen aller Schichten und ethnischen Herkünften und verbindet sie mit den Problemen der heutigen Gesellschaft: Rassismus, Egoismus, Vorurteilen und fehlender Nächstenliebe. Das dabei auch ab und zu der Zufall im Spiel ist, macht nichts. Denn der Zusammenhang des gesamten Werkes ist schlichtweg genial.
Der Film beginnt mit der Fund einer Leiche und springt dann zurück, um die Schicksale zu erzählen bzw. den Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen. Eine Reise in eine kalte, seelenlose Großstadt und ihre verrückten Charaktere. Ob nun der Schwarze Anthony (Ludacris), der an nichts anderes als die Diskriminierung von Schwarzen denkt und dabei nicht merkt, dass er selbst voller Vorurteile steckt, der Cop Ryan (Matt Dillon), der einerseits die Sympathien des Zuschauers aufgrund seines kranken Vaters an sich zieht, aber andererseits ein rassistisches „Arschloch“, oder der extrovertierte Ladenbesitzer Farhad, dessen krasse Darstellung wohl am ehesten im Gedächtnis bleibt. Die Wandlung des Anthony, der aufgrund einer einzigen Erfahrung seine Einstellung überdenkt und schließlich doch erkennt, dass er in vielem falsch lag, ist dabei mit Freude zu beobachten. Menschen können sich ändern, man muss sie nur wachrütteln.
„L.A. Crash“ ist kein Unterhaltungsfilm, den man nebenbei sehen kann. Es ist ein anspruchsvolles Episodendrama, das die vollkommene Aufmerksamkeit des Zuschauers benötigt, um verstanden zu werden. Dabei liest sich die Besetzung wie die Creme-de-la-creme Hollywoods. Sandra Bullock, Brendan Fraser, Don Cheadle, Matt Dillon, Ryan Phillippe und Ludacris – alles bekannte und anerkannte Stars in der Glamour-Metropole. Verwunderlich, sie alle in einer Independentproduktion zu finden. Sie alle können durchweg überzeugen und verkörpern die Charaktere und Emotionen wunderbar und sehr sehr glaubwürdig. Besonders hervorstechen tun Matt Dillon und allem Shaun Toub, der den Ladenbesitzer Farhad mit einer Ausdrucksstärke herüberbringt, wie man sie nur ganz selten sieht. Klasse!
Spätestens am Ende des Film dürfte jeder wachgerüttelt sein, denn das letzte Geschehnis im Wagen des jungen Cops Hanson (Ryan Phillippe) ist an Tragik und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten. Auch der Zusammenhang der Charaktere bzw. deren Schicksal bleibt bis zum Schluss fesselnd und logisch nachvollziehbar, ich habe selten einen so zusammenhängenden und gut durchdachten Film gesehen.
Und wenn in der letzten Einstellung die Kamera, die den Film durchweg hervorragend arbeitet, einen finalen Blick über das nächtliche Los Angeles bietet und der tolle Soundtrack einsetzt, sind die Sinne wie gelähmt. Ich denke, es wird eine Zeit lang dauern, bis man wieder einen solchen Film zu Gesicht bekommt. GROßARTIG!
Fazit:
„L.A. Crash“ ist ein Meisterwerk, anders kann man es nicht sagen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, meiner Meinung nach der beste Film des neuen Jahrtausends.
Der Film von Paul Haggis ist ein facettenreiches, perfekt durchdachtes und niemals langweiliges Werk mit vielschichtigen, aus dem Leben gegriffenen, Charakteren, dass die Missstände der heutigen Gesellschaft klar und deutlich aufzeigt, ohne dabei Partei zu ergreifen. Eine emotionale Szene reiht sich an die nächste, unglaublich ausdrucksstark, voller Energie und mit einem grandiosen Soundtrack ist dieser Film ein Weckruf an die Gesellschaft.
Kino auf höchstem Niveau, wie es besser nicht sein könnte!