Ein exzellenter Streifen der Episodenschiene mit hervorragend aufspielenden Darstellern – sowohl mit als auch ohne großen Namen. Was im Vorhinein auf einen politisch korrekten, harmlos -braven Mainstreamstreifen schließen lässt, entpuppt sich beim Anschauen als ein unheimlich einfühlsam präsentiertes, moralisch doppelbödiges Drama mit raffinierten Verknüpfungen, die den Film niemals auch nur ansatzweise langweilig werden lassen, aber auf der anderen Seite den Zuschauer auch nicht mit übertriebener Komplexität überfordern. Insgesamt hält sich bei „L.A. Crash“ also perfekt die Waage, und „Mllion Dollar Baby“ – Autor Haggis beweist hier eindeutiges Talent auf dem Regiestuhl!
Dabei sind die einzelnen Episoden um verschiedenste Personen in der gigantischen und beliebten Metropole Los Angeles einmal mehr voll aus dem Leben gegriffen und wirken dementsprechend äußerst authentisch und bestimmt nicht zu dick aufgetragen. Wahllos werden einzelne Szenen aneinander gehängt (oder gehen ineinander über), in denen die Protagonisten durch ihr Leben begleitet werden, wobei das für diese Stadt und dieses Land im Speziellen sehr brisante Thema Rassismus die tragende Rolle übernimmt. Nahezu jede in der Stadt angesiedelte ethnische Gruppe wird hier nicht nur vollkommen vorurteilsfrei und wandelbar präsentiert, sondern mitunter auch durch ungewöhnliche Rollen repräsentiert. Die Einzelschicksale überschneiden sich häufig und am Ende bleibt eine verblüffende Erkenntnis, dass nahezu jeder jedem einmal über den Weg gelaufen ist. Ebenso überraschend ist die Wandlung mancher Charaktere zu einem unerwarteten Endstand, als Beispiel seien hier nur Sandra Bullocks Bekenntnis und Ryan Phillipes Tat genannt, ohne zuviel verraten zu wollen.
Nicht nur das ungewöhnlich einfühlsame und glaubwürdige Spiel der Darsteller trägt dazu bei, dass L.A. Crash sich zum mitreissendsten und mit Abstand emotionalstem Film seit 2000 mausert, sondern auch die liebevoll eingefangene Stadtatmosphäre sowie diverse philosophische Ansätze über urbanes Existieren und ein hervorragend zusammengestellter Soundtrack verleihen dem Film eine einzigartige Wirkung und vor allem reichlich Charme. Dabei findet man zudem unerwartet wenig amerika-typischen Beigeschmack und Pathos und wie eingangs bereits erwähnt reichlich unerwartete Wendungen und Ausgänge. Was mir auch sehr positiv in Erinnerung blieb, ist, dass „Crash“ sehr zu bewegen vermag, ohne bewusst und übertrieben auf die Tränendrüse zu drücken. Mitfühlen und –fiebern klappt hier auch ganz von alleine! Auf harte Gewalt wurde auch verzichtet; so gehen die Macher das enorme Wagnis ein, nicht nur den Charme, sondern auch die Brutalität einer amerikanischen Großstadt zu demonstrieren, ohne auf plakative Effekte zu setzen – und auch das gelingt ganz hervorragend. Dafür geht umso weniger die Spannung verloren und niemand braucht sich zu fürchten, mangels Unterhaltung im Sessel wegzupennen.
Endlich mal wieder ein neuerer Film, bei dem sich das Ansehen tatsächlich lohnt – bei all dem Schrott heutzutage schon mal sehr viel wert. Vielleicht kein außergewöhnlich surreales oder experimentelles Stück Kino, aber insgesamt sicher ein kleines Juwel, meiner Meinung nach fernab vom Mainstream. Ein totaler Sympathieträger und jedem uneingeschränkt zu empfehlen. Bitte mehr davon.