Ein hochbrisantes Thema, aufbereitet in der sensibelsten aller möglichen Arten. Kein erhobener Zeigefinger, sondern der absolut gelungene Versuch, die Hintergründe solchen Handelns darzulegen, zu hinterfragen, zu analysieren.
Der Eingangssatz von Don Cheadle weisst den Weg, bereitet den Zuschauer darauf vor, teilzuhaben an den Gedankengängen und Motiven der Protagonisten.
Menschen in der grossen Stadt, jeder einzelne mit seinem eigenen Schicksal versehen, prallen aus den unterschiedlichsten Gründen aufeinander ("Crash"), das Handeln dieser Personen wird oft aus der sich ergebenden Situation bestimmt.
Der fehlgeleitete Polizist (Dillon), der seinen nachvollziehbaren Frust in Amtsmissbrauch gipfeln lässt. Sein junger Kollege (Phillipe), hin und her gerissen zwischen Gewissensbissen und der Angst vor Repressalien.
Der persische Ladenbesitzer mit seiner "alle betrügen mich" Paranoia; der hispanische Schlosser, der seine Familie schützen will und dabei einen fast verhängnisvollen Fehler begeht.
Alle Figuren sind klar gezeichnet, erscheinen dreidimensional in ihrer Vita, lassen einen an ihren Sorgen, Nöten und Ängsten teilhaben. Man kann jeden einzelnen verstehen, selbst dann, wenn man selbst völlig anders handeln würde.
Niemals rutscht die Geschichte ins pathetische ab, nie erscheint sie unlogisch, kein Charakter ist grob überzeichnet.
Die Darstellerriege kann grösstenteils absolut überzeugen. Allen voran Matt Dillon, der eine grossartige Leistung abliefert. Ryan Phillipe gibt den Rookie - Cop sehr überzeugend, vor allem als er am eigenen Leib feststellen muss****SPOILER****
dass ein fataler Fehler ganz schnell passiert ist. ****SPOILERENDE****
Sandra Bullock als hysterisch - verängstigte Ehefrau kommt etwas zu kurz, schade, und Ludacris als Autodieb strotzt geradezu vor Spiellaune.
Die Atmosphäre des ganzen Films trägt wesentlich zur Intensität der Darstellung bei und die einzelnen Handlungsstränge laufen konsequent zum Knotenpunkt zusammen, ohne sich jemals im Plot zu verlieren.
Perfekt getimed, grossartig gespielt, brilliant in Szene gesetzt, absolut realistisch, ohne eine Sekunde Leerlauf.
Damit ist "Crash" ( warum hat man den deutschen Titel zusätzlich mit "L.A." versehen?) ein Stück verfilmtes "wahres" Leben, das sich so oder so ähnlich in jeder Metropole diese Welt jederzeit ereignen kann, oder schon ereignet hat.
Absolute Empfehlung für alle, die mit Hirn UND Herz Filmkunst geniessen können. Und ein flammendes Plädoyer gegen Vorurteile, Fremdenhass und Intoleranz.
Klare Sache: 9,5 von 10