Nach seinem Drehbucherfolg von „Million Dollar Baby“ durfte Paul Haggis selbst Regie führen und brachte sein Script „Crash“ bzw. „L.A. Crash“ im Deutschen auf die Leinwand.
Es beginnt mit einem Verkehrsunfall, in den mehrere Parteien verwickelt, deren Schicksal davor „L.A. Crash“ beleuchtet. Doch nicht nur die Unfallparteien, sondern auch mit ihnen verbandelte Handlungsstränge werden betrachtet, die allesamt zeigen wie sich das Leben eines Menschen innerhalb von 36 Stunden ändern kann...
Da wäre das Polizistenpärchen Graham Waters (Don Cheadle) und Ria (Jennifer Esposito). Graham tut alles um seine Herkunft aus schwarzen, ärmlichen Verhältnissen zu leugnen. Staatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und seine Frau Jean (Sandra Bullock), die von zwei jungen Schwarzen ausgeraubt werden und unterschiedlich darauf reagieren. Der vermeintlich rassistische Cop John Ryan (Matt Dillon), dessen Verhalten sein Partner Tom Hansen (Ryan Phillippe) nicht tolerieren kann usw.
Anhand dieser und noch vieler weiterer Personen spielt „L.A. Crash“ nun verschiedene Situationen durch, die sich alle mit dem Thema Rassismus beschäftigen und teilweise auch Klischees brechen. Macht Rick seine Frau anfangs darauf aufmerksam es sei ein Vorurteil, dass Schwarze in einer Weißengegend Räuber sind, so muss er das Vorurteil bestätigt finden. Auch John ist kein Rassist, sondern ist nur gerade privat am Abgrund und er gibt dafür den Minderheiten die Schuld, wodurch seine Anklage gegen das System leider in vermeintlicher Fremdenfeindlichkeit untergeht. Zudem zeigt „L.A. Crash“, dass Rassismus kein eingegrenztes Problem ist: Nicht nur die weiße Anwaltsfrau verdächtigt den puertoricanischen Schlosser der Gangmitgliedschaft, sondern auch der persische Ladenbesitzer.
Seine Message oder eher Messages verpackt „L.A. Crash“ dann auch in einen kurzweiligen Film, der auf Schauwerte weitestgehend verzichtet und stattdessen eher auf Stimmung setzt. Sehr stark und gleichzeitig erwartungsbrechend ist die Szene mit dem Schlosser, seiner Tochter und dem Ladenbesitzer, doch auch die Rettungsaktion aus dem brennenden Autowrack oder die stillen Szenen zwischen John und seinem Vater prägen sich ein.
Jedoch kann man „L.A. Crash“ nur als guten bis sehr guten Film einstufen, doch zu einem Meisterwerk fehlt noch etwas. So ist die Anti-Rassismus-Message löblich, jedoch ist „L.A. Crash“ dabei auch nicht anklagender oder aufrüttelnder als diverse Filme davor. Zum anderen ist das Panoptikum an Charakteren gut gewählt, andrerseits geht leider einiges bei den Figuren dadurch verloren. Über viele von ihnen würde man gern erfahren, gerade Tom könnte mehr Augenmerk gut vertragen, vor allem was sein Umgang mit einem folgenschweren Fehler gegen Ende des Films angeht.
Darstellerisch ist das Ensemble wirklich überzeugend, vor allem Matt Dillon und Thandie Newton erweisen sich als überraschend wandlungsfähig. Screentime und Starstatus bedingen sich dabei nicht; Brendan Fraser und Sandra Bullock haben trotz ihres Bekanntheitsgrades eher kleinere Rollen. Überraschend gut, weitaus besser als viele andere Rapper im Filmgeschäft, schlägt sich Ludacris als junger Carjacker.
Trotz kleinerer Kritikpunkte ist „L.A. Crash“ definitiv gelungen. Nicht das neue Meisterwerk zum Thema Rassismus, aber eine kurzweilige und dabei doch recht intelligente Aufdeckung von Missständen, die vor allem von den überzeugenden Darstellern lebt.