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"In L.A. berührt uns niemand. Deshalb müssen wir miteinander kollidieren, um überhaupt noch etwas zu spüren." Mit diesen melancholischen Worten eröffnet sich ein episodenhafter Reigen über die verschiedenen Schicksale einer Handvoll Menschen in Los Angeles. Ein junger Polizist, der sich wegen seines rassistischen Partners versetzen lässt und am Ende doch feststellen muss, dass auch er nicht besser ist; ein schwarzer Polizist, der vor eine schwierige moralische Entscheidung gestellt wird; ein muslimischer Ladenbesitzer, der aus Angst und Rassismus jähzornig wird und beinahe eine Katastrophe heraufbeschwört - das sind nur einige der vielen Handlungsstränge, die hier elegant zueinander geführt werden.

Die Grundidee erinnert natürlich stark an Genrevorgänger wie "Short Cuts" oder "Magnolia", wurde aber im Gegensatz zu diesen auf ein bestimmtes Thema spezialisiert: den allgegenwärtigen Rassismus, der selbst im 21. Jahrhundert immer noch tiefe Gräben zwischen die Menschen reißt und ein friedliches Zusammenleben weiter verhindert. Erschreckend, mit welcher Intensität hier der oft schleichende Rassenhass quer durch sämtliche gesellschaftlichen Schichten dargestellt wird: Vorurteile und Ignoranz gegenüber Moslems, Schwarzen und Einwanderern, ausgerechnet in einem so riesigen Schmelztiegel wie L.A., erstrecken sich über jede Handlungsweise der Agierenden. Die grundlose und vorurteilhafte Verachtung religiöser oder ethnischer Minderheiten ist hier nicht einen Deut von der Stelle weggekommen, an der sie auch schon ein Jahrhundert zuvor stand. Ein aufrüttelnder Situationsbericht über ein Land, das sich damit brüstet, das Zentrum der Toleranz und Freiheit zu sein, in Wahrheit alles tut, um das genaue Gegenteil zu erreichen.

Doch trotz der bedrückenden Thematik belässt es der Film nicht dabei, Kritik an einem unmenschlichen sozialen System zu zeigen - er will auch Hoffnung geben. So düster es am Anfang auch aussehen mag, gegen Ende spürt man, dass es auch gut ausgehen kann, wenn man es denn nur will. Es gibt keine plumpen Läuterungsgeschichten, aber wenn der Polizist, der am Abend zuvor eine schwarze Frau belästigt hat, sie heute aus einem brennenden Unfallwrack zerrt, zeigt sich die emotionale Komplexität der Figuren auf. Das ist sowieso der größte Pluspunkt des Films: Er zeichnet keine Schwarz-Weiß-Bilder. Auch die Rassisten sind Menschen mit Problemen und Sorgen, die aus bestimmten Gründen in ihre Haltung hinein getrieben wurden. Auch sie verdienen Mitleid und Fürsorge. Hinzu kommt das intensive Spiel der prominenten Besetzung. So gelingt ein beispielhaftes Plädoyer für vollkommene Toleranz.

Zugegebenermaßen übertreibt es der Film vielleicht ein wenig mit den guten Ausgängen. So dramatisch sich die einzelnen Episoden entwickeln, wirkt es mitunter schon ein wenig bemüht, sie fast alle glücklich ausgehen zu lassen. Aber das ist nur eine kleine Schwäche und wohl sowieso eher Geschmackssache. Die Darstellung eines Rassismus', der auch in umgekehrter als der altbekannten Richtung funktioniert, und der Verzicht auf den epischen Atem anderer Episodenfilme tragen dazu bei, "L.A. Crash" zu einem äußerst guten Film mit unangenehmer, aber wichtiger Botschaft zu machen - und ein wenig mehr Toleranz ist in unseren heutigen Zeiten ein erster und unerlässlicher Schritt hin zu einer besseren Welt.

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